Sturmtief Friederike

Sturm-Toter in Emmerich: Orkan wütet an Rhein und Issel

Der Anhänger eines Lkw kippte auf der Emmerich Rheinbrücke um.   

Der Anhänger eines Lkw kippte auf der Emmerich Rheinbrücke um.  

Foto: Klaus-Dieter Stade

An Rhein und Issel.   59-Jähriger von Baum erschlagen. Rheinbrücken waren gesperrt. Frischwasserversorgung in Rees war eingeschränkt. Zahlreiche Schäden gemeldet.

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Orkan Friederike fegte nicht lange über die Region, aber dafür um so heftiger. In Emmerich-Elten forderte das Sturmtief mit Spitzenböen von 120 km/h sogar ein Todesopfer. Ein 59 Jahre alter Emmericher wurde auf dem privaten Teil des Wildwegs in Elten gegen 12 Uhr von einem umstürzenden Baum getroffen und erlag noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen. Zudem gab es einen schwer und fünf leichtverletzte Personen im Kreis Kleve.

Dach Check in Emmerich

Dach Check in Emmerich
Marco Virgillito

Um 9.30 Uhr nahm Orkan Friederike Fahrt auf, trieb geleerte Mülltonnen durch die Straßen von Emmerich. Eine Viertelstunde später fielen unter anderem auf der Lilien- und der Steinstraße die ersten Dachpfannen auf Bürgersteig und Straße. An der Kirchstraße neben dem Gebäude der Deutschen Bank stürzte zudem eine Photovoltaikanlage vom Dach. Auf der ‘s-Heerenberger Straße blockierte ein Baum die Fahrbahn. Und nicht nur hier hielten die Bäume dem Orkan nicht Stand.

Bundesstraße 220 war nicht befahrbar

Die B220 musste am Mittag ab Kapellenberger Weg wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden. Ebenso viele Teilstrecken der L7/B8. Die Felix-Lensing-Straße war gegen Mittag nicht passierbar. Dort ist es in Folge des Sturms zu einem Wasserrohrbruch gekommen. Auch zahlreiche Veranstaltungen wurden abgesagt. Einige Restaurants und Geschäfte blieben geschlossen. Und in der Heilig-Geist-Kirche wurde ein Fenster durch den Sturm beschädigt.

Gegen 9.40 Uhr wurde die Emmericher Rheinbrücke gesperrt, eine halbe Stunde später auch die Reeser. Auf der Emmericher war es kurz zuvor noch zu einem Unfall gekommen. Die Emmericher Brücke wurde gegen 15 Uhr wieder freigegeben. Der Anhänger eines Lkw war aufgrund des Sturms umgekippt. Früh eingestellt wurde auch der Zugverkehr. Kurz nach 10 fuhr kein Zug mehr. Zwischen Emmerich und Zevenaar hing ein ICE mit 250 Fahrgästen fest. Nicht nur an der Bahnstrecke, sondern an über 100 Einsatzstellen waren knapp 100 Kräfte von Feuerwehr und THW im Einsatz. Im Laufe des Tages hat der Bahnbetreiber Abellio einen Schienenersatzverkehr zwischen Duisburg und Emmerich (samt der Stopps dazwischen) sowie Emmerich und Arnheim eingerichtet. Mehr Infos dazu gibt es über den Abellio-Twitter-Account.

Markt in Rees wurde auch gesperrt

In Emmerich wurde den Eltern freigestellt, ob sie ihr Kind am Donnerstag in die Schule schicken. Unterricht fand kaum statt, für Betreuung wurde weitestgehend gesorgt. Von rund 260 Schülern der Leegmeerschule waren 25 zur Schule gekommen. Nur wenige Schüler kamen auch zur Realschule und der Gesamtschule Emmerich. „Höchstens eine Gruppe in Klassenstärke“, erklärte Schulleiterin Christiane Feldmann.

In Rees hatte an den weiterführenden Schulen der Unterricht zwar planmäßig begonnen, aber um kurz vor 11 Uhr war schon wieder Schluss. Für diese Uhrzeit war der Schulbus geordert worden. „Die Betreuung organisieren die Schulen selbst“, so Thomas Wenning, Realschul-Leiter. Hierfür war in allen weiterführenden Schulen gesorgt. Auch die Offene Ganztagsschule und die Schule von 8 bis 1 war an den vier Grundschulstandorten sichergestellt. Nur in der Grundschule Millingen fand Unterricht statt, allerdings nur bis zur 4. Stunde. „Wir konnten im regulären Stoff nicht fortfahren, weil rund die Hälfte der Eltern ihre Kinder nicht zur Schule geschickt haben“, so Leiterin Britta Koltermann. Auch an den übrigen Schulen waren z.T. deutlich weniger Kinder zum Unterricht erschienen.

An der Mühle in Werth bricht ein Flügel ab.

An der Mühle in Werth bricht ein Flügel ab.
Marco Virgillito

Gegen 11 Uhr wurden in Rees die Straße Krantor und Teile des Marktes aus Sicherheitsgründen gesperrt. Gottlob, denn es fielen tatsächlich einige Dachziegeln herab. Kurz nach 11 Uhr gab es einen Abfall des Wasserdrucks bei den Wasserwerken Wittenhorst, verursacht durch entwurzelte Bäume auf der Halderner Straße. Dadurch konnte das Reeser Stadtgebiet zeitweise nur eingeschränkt mit Frischwasser versorgt werden. Rund 50 Minuten später gab es Entwarnung: Der Schaden war repariert. Gegen 14.30 Uhr war die Reeser Rheinbrücke einseitig von Kalkar aus wieder befahrbar, gegen 15 Uhr dann beidseitig. Dann konnten auch die Schüler aus Kalkar, die in Rees zur Schule gehen, wieder nach Hause gebracht werden.

Schon Mittwochabend gab die Stadt Isselburg bekannt, dass die Schulen geschlossen bleiben, die Kinder aber betreut werden und eine Notfallgruppe eingerichtet wird. Schwer unter dem Sturm litten wieder die Flügel der Turmwindmühle in Werth. Zu dem Schaden aus dem vergangenen Jahr kamen nun neue – die weiteren Flügel wurden stark beschädigt. Und auch ein Strommast am Haferkamp bog sich so verdächtig, dass die zuständige RWE informiert wurde. Zahlreiche Straßen im Stadtgebiet mussten wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden. Die Feuerwehr der Stadt Isselburg war mit 88 Kräften seit 10.30 Uhr im Einsatz und arbeitete über 80 Einsätze ab. Dächer waren abgedeckt, aber auch Bäume fielen in Stromleitungen oder auf die Straße. So war die Klever Straße fast 3,5 Stunden gesperrt.

>> 50.000 EINWOHNER OHNE STROM

Die Orkanböen mit Geschwindigkeiten von über 120 Stundenkilometern haben am rechten und linken Niederrhein zu Versorgungsunterbrechungen im Mittel- und Niederspannungsstromnetz geführt, meldet die Westnetz GmbH. Ursachen sind entwurzelte Bäume und abgebrochene Äste, die die Stromleitungen beschädigt haben. Gegen 12 Uhr waren am Niederrhein rund 50 000 Einwohner ohne Strom.

Alle Westnetz-Mitarbeiter und Fremdfirmen waren im Einsatz. Aus Sicherheitsgründen können die Einsatzkräfte noch nicht an allen Stellen mit der Entstörung beginnen.

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