Gericht

Verfahren nach Unfall am Fuße der Rheinbrücke eingestellt

Beide Unfallbeteiligten fuhren über die Reeser Rheinbrücke, an der danach folgenden Ampelkreuzung zum Grüttweg kam es zum Unfall.

Foto: Hans Blossey

Beide Unfallbeteiligten fuhren über die Reeser Rheinbrücke, an der danach folgenden Ampelkreuzung zum Grüttweg kam es zum Unfall. Foto: Hans Blossey

Rees.   Ein S-Pedelec-Fahrer aus Haldern krachte in den Kastenwagen eines Reesers: Doch am Unfall hatten letztendlich beide Schuld, befand das Gericht.

Das Verfahren gegen einen 27-jährigen Reeser, dem nach einem Verkehrsunfall im Juli 2017 fahrlässige Körperverletzung per Strafbefehl zur Last gelegt wurde, wurde am Donnerstag vor dem Amtsgericht Emmerich vorläufig eingestellt. Der Brandschutzelektriker soll nur binnen eines Monats 400 Euro an die Staatskasse zahlen, dann ist der Fall vom Tisch. Pikant: Etwa ein Jahr zuvor wurde er zu einer Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr verurteilt. Eine erneute Verurteilung hätte eine Gesamtbetrachtung der Fälle nach sich gezogen.

Blinker wohl nicht gestellt

Was war passiert? Der Angeklagte fuhr an jenem Sommertag gegen 17 Uhr mit einem Firmenwagen, einen Kastenwagen, von der Reeser Rheinbrücke auf die Ampel zu. Sie stand auf Rot und der Verkehr staute sich. Bei Grün konnte der 27-Jährige dann rechts in den Grüttweg abbiegen. „Beim Schulterblick habe ich keinen Radfahrer gesehen“, beteuerte der Angeklagte. Die Ampel für Radfahrer und Fußgänger habe zu diesem Zeitpunkt wieder auf Rot gestanden. Dann prallte aber doch ein 55-jähriger Halderner mit seinem S-Pedelec, ein Elektro-Fahrrad, das bis zu 45 km/h fahren darf, hinten seitlich gegen sein Fahrzeug. Das Opfer brach sich hierbei vier Rippen. Der Angeklagte war sich vor Gericht sicher, den Blinker gestellt zu haben.

Doch dies widerlegte ein 29-jähriger Reeser im Zeugenstand. Der Psychologe der Luftwaffe Kalkar, der in seinem Auto etwa drei Autos hinter dem Unfallwagen in der Schlange fuhr, konnte sich gut erinnern: „Der Radfahrer schoss an mir vorbei. Ich dachte sofort, wenn jetzt einer abbiegt, dann knallt es.“ Er war sensibilisiert: „Zu 100 Prozent hat er nicht geblinkt!“, sagte der Zeuge.

Opfer trifft eine Mitschuld

Keiner der Zeugen konnte sagen, ob die Ampel für Radfahrer tatsächlich schon auf Rot stand. Aber dennoch trifft das Opfer, ein Polizist, Mitschuld an dem Unfall: S-Pedelecs dürfen nicht auf Mehrzweckstreifen oder auf Radwegen fahren. Sie müssen sich im Verkehr wie die Autos einordnen. „Ich hatte schon häufiger an der Strecke Pedelec-Fahrer mit hoher Geschwindigkeit auf dem Mehrzweckstreifen beobachtet und gedacht: Irgendwann knallt es“, sagte ein 44-jähriger Emmericher als Zeuge aus, der häufiger dort unterwegs sei. Schließlich stimmte Richterin Mareen Hölker der vorläufigen Einstellung des Verfahrens zu.

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