Gesundheit

Viele Anrufe bei der NRZ-Aktion zum Thema Inkontinenz

Bei der NRZ-Telefonaktion zum Thema Inkontinenz berieten Dr. Serhat Aker (links) und Martin P. Hawranek vom Willibrord-Spital die

Bei der NRZ-Telefonaktion zum Thema Inkontinenz berieten Dr. Serhat Aker (links) und Martin P. Hawranek vom Willibrord-Spital die

Foto: WAZ FotoPool

Rees.   Die Sprechstunde am NRZ-Telefon stieß auf große Resonanz. Die Ärzte vom St. Willibrord-Spital, Dr. Serhat Aker und Martin P. Hawranek, informierten über neue Operationsmethoden und fachübergreifende Diagnostik.

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Inkontinenzsprechstunde am NRZ-Telefon? Ob das funktioniert? Und wie – es lief wie am Schnürchen! Dr. Serhat Aker, Oberarzt der Frauenheilkunde, und Martin P. Hawranek, Leitender Oberarzt der Chirurgie und Proktologie, am St. Willibrord-Spital waren gefragte Gesprächspartner. Mit solch einem Ansturm an Fragen von Betroffenen hatten auch sie nicht gerechnet.

Sofort einen kompetenten Facharzt am Telefon zu haben, der sachkundig – ohne Krankenschein und Wartezeit – Fragen zur persönlichen Problematik beantworten kann, und das noch anonym, das nahmen zahlreiche NRZ-Leser gerne in Anspruch.

Neue OP-Techniken

Die meisten Anrufer, die Älteste war 83 Jahre alt, klagten über unfreiwilligen Harn- und/oder Stuhlverlust. Einige waren voroperiert, das Leiden setzte aber nach Jahren wieder ein. „Heute gibt es neue Operationstechniken, die gab es vor zehn Jahren noch gar nicht“, erklärte Dr. Aker, der die Zusatzqualifikation für Urogynäkologie und plastische Beckenbodenrekonstruktion erwarb. So kann künstliches, bandförmiges Material eingesetzt werden, um das geschwächte Bindegewebe zu ersetzen und in seiner Funktion zu stärken. Damit wird die Absenkung der Organe kompensiert, so dass der Verschlussmechanismus der Blase und des Darms gestärkt wird. „Auf diese Operationsmethoden sind wir spezialisiert“, so Aker.

In der Sprechstunde arbeiten der Urogynäkologe und der Proktologe mit dem Urologen Dr. Stefan Dahms zusammen, um die Diagnose fachübergreifend abzuklären. Was ist die Ursache für den Harnverlust? Geht Urin beim Husten, Nießen, Pressen, Treppensteigen oder Schwertragen ab, ist es ein Zeichen für eine Stress-Inkontinenz, die operativ behandelt werden kann. Bei einer Drang- oder Reizinkontinenz wird es schwieriger. Dabei sind die Blasennerven gereizt, die Blasenschleimhaut entzündet. Hier helfen Medikamente, die aber Nebenwirkungen haben. Der Gynäkologe oder Urologe kann zur Diagnostik eine Blasendruckmessung vornehmen.

„Die kleinen, meist minimal invasiven Operationen kann man auch bei alten Menschen durchführen“, beantwortete Martin Hawranek eine Frage. Eine Anruferin wollte eine zweite Meinung einholen. „Sinnvoll ist, mit einer Überweisung zu uns in die Sprechstunde zu kommen, um die Ursache abzuklären“, so Hawranek. Meist mache es Sinn, erst den Chirurgen operieren zu lassen, der Ausstülpungen am Darm beseitigt, bevor dann der Gynäkologe sich um die Scheiden- oder Gebärmuttersenkung kümmert, die Ursache für Harninkontinenz sein kann. In den Telefonaten wurde besonders das Beckenbodentraining empfohlen. „Wenn Sie sich mit ihren Freundinen treffen und über Männer lästern, kneifen Sie dabei regelmäßig die Pobacken zusammen, das ist bestes Beckenbodentraining als Vorbeugung vor Inkontinenz“, scherzte Martin Hawranek. Auch Dr. Aker riet dazu, sofort nach der Entbindung mit dem Beckenbodentraining zu beginnen.

Bei Stuhlinkontinenz aber auch Verstopfung wird per Ultraschall, Tastbefund, Enddarmspiegelung und gegebenenfalls anale Druckmessung nach der Ursache geforscht. Martin Hawranek gehörte zu den ersten 50 Medizinern in Deutschland, die sich eine neue Operationsmethode (STARR) gegen Stuhlinkontinenz aneigneten, bei der die Aussackung und Einstülpen des Enddarms beseitigt werden. „Aber es gibt auch einfache Tricks zum Beispiel eine Klistier- oder Zäpfchen-Therapie. Wird damit morgens abgeführt, hat der Patient zirka acht Stunden Ruhe vor Stuhlverlust. Und es gibt Trainingsprogramme mit Hilfe eines Apparates, das die Krankenkassen bezahlen“, erklärte Hawranek. „Man muss den Mut haben, über die Probleme zu reden und sich medizinisch beraten lassen. Denn, wenn die Inkontinenz behoben ist, entsteht ein ganz neues Lebensgefühl.“

INFORMATION:
In der gynäkologischenAbteilung des St. Willibrord-Spitals, die als Beratungsstelle der Deutschen Kontinenz Gesellschaft anerkannt ist, werden Urin- und Stuhlverlust fachübergreifend abgeklärt. Hier arbeiten Gynäkologie, Urologie und Proktologie eng zusammen. Die Termine werden im Sekretariat koordiniert. Sprechstunden sind montags bis donnerstags von 10 bis 12 Uhr und dienstags und Mittwochs von 14.30 bis 16 Uhr. Sekretariat Ingrid Paus: Anmeldung unter 02822/ 731160.

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