Todestag

Vor 75 Jahren starb Kaplan Gerhard Storm im KZ Dachau

Diese Gedenktafel an der St. Aldegundiskirche erinnert an Kaplan Gerhard Storm, der im KZ Dachau am 20. August 1942 an den Folgen der Haft gestorben ist.

Foto: Konrad Flintrop

Diese Gedenktafel an der St. Aldegundiskirche erinnert an Kaplan Gerhard Storm, der im KZ Dachau am 20. August 1942 an den Folgen der Haft gestorben ist. Foto: Konrad Flintrop

Emmerich/Rees.   Vor 75 Jahren, am 20. August 1942, ist der Kaplan, Religionslehrer und Redakteur Gerhard Storm an den Folgen seiner Haft im KZ Dachau gestorben.

Vor 75 Jahren, am 20. August 1942, ist der Kaplan, Religionslehrer und Redakteur des Kirchenblatts, Gerhard Storm, im KZ Dachau gestorben. An Darmkatarrh, wie es offiziell hieß. Die Nazis waren froh, einen unbequemen Geistlichen mehr los geworden zu sein. Storms Leiche wurde verbrannt, seine Urne auf dem Halderner Friedhof beigesetzt und 1966 in die Krypta des Xantener Domes als Gedenkstätte für neuzeitliche Märtyrer überführt.

Storm wird am 1. April 1888 auf dem Stuvenberghof in Sonsfeld geboren

Als Gerhard Storm am 1. April 1888 auf dem Stuvenberghof in Sonsfeld geboren wurde, konnte natürlich noch keiner ahnen, dass hier ein mutiger Glaubenszeuge das Licht der Welt erblickte. Über der Geburt lag ein Schatten. Mutter Cornelia starb nur wenige Tage später am berüchtigten Kindbettfieber. Gerhard kam zu zwei Tanten, besuchte die Gymnasien in Venlo und Birkenfeld/Nahe, studierte Theologie in Münster, wurde 1913 zum Priester geweiht und trat seine erste Kaplanstelle in Wesel an, ehe Emmerich und St. Aldegundis ab 1920 sein Lebensmittelpunkt wurden.

Seine Spuren sind noch nicht verweht

Hier engagierte er sich im Katholischen Kaufmännischen Verein (KKV) und betätigte sich trotz des Verbots kirchlicher Jugendverbände als Jugendseelsorger, was den Argwohn des Regimes hervorrief, das ihn beschatten ließ und den Redakteur mit einem Schreibverbot belegte. Er kümmerte sich um die Waisenkinder am Neuen Steinweg und unterrichtete auch an Lyzeum und Berufsschule. Im Zweiten Weltkrieg war er Lazarettpfarrer in Emmerich. Nach seinen am 1. und 11. Januar 1942 gehaltenen Predigten schlug die Gestapo zu und verhaftete ihn. Bei der Hausdurchsuchung wurden 95 Predigten beschlagnahmt.

Storm wird ins KZ eingeliefert

Wegen seiner „hetzerischen und gefährlichen Tätigkeit“ wurde Storm als „einer der führenden Köpfe des politischen Katholizismus im Kreise Rees“ ins KZ eingeliefert. Das Ende des lungen- und herzkranken KZ-Häftlings Nr. 32281 ist bekannt.

In Emmerich und Rees erinnern Straßen an den couragierten und frommen Seelsorger, der staatlicher Willkür und Unrecht die Stirn bot. Ein Ehrenmal am Eintracht-Sportplatz Borgheeser Weg würdigt den einstigen Vorsitzenden der DJK RW.

2013 wird in der Halderner St. Georg-Kirche eine Gedächtnisplatte angebracht

2013 wurde in der Halderner St. Georg-Kirche, wo Storm getauft wurde, eine Gedächtnisplatte angebracht. An der Aldegundiskirche befindet sich seit fast 30 Jahren eine Gedenktafel. Hein Driessen hat dem neuzeitlichen Märtyrer ein ausdrucksstarkes Kunstwerk gewidmet. Die Pietá, ein Keramik-Mosaik, befindet sich seit 1955 am ehemaligen Wohnhaus des Kaplans am Neuen Steinweg 24. Wohl auch aus tiefer eigener Überzeugung arbeitete Driessen die Worte „Für Glaube und Gerechtigkeit“ ein.

GOLLNICKS APPELL UND BRAMMENS PREDIGT

Rüdiger Gollnick befasst sich seit langem mit Gerhard Storm. Gollnick meint, es sei heute „eine drängende Notwendigkeit, sich dieser Menschen zu erinnern, die mutig gegen den Extremismus, und hier speziell den Rechtsextremismus, öffentlich gekämpft haben“. Storm sei nicht wegen spontaner kritischer Äußerungen ins KZ gekommen, sondern aufgrund seines jahrelangen Agierens gegen die braunen Machthaber“.

Pfarrer em. Ewald Brammen wird in der Messe Sonntag um 11.30 Uhr in St. Aldegundis an Gerhard Storm erinnern

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