Bildung

Wie das Whiteboard den Unterricht in Emmerich bereichert

Schulleiterin Nadja Scherer ist vom Einsatz des Whiteboards im Unterricht überzeugt.

Foto: Konrad Flintrop

Schulleiterin Nadja Scherer ist vom Einsatz des Whiteboards im Unterricht überzeugt. Foto: Konrad Flintrop

Leegmeer.   Leegmeerschule ist erste Schule im Kreis Kleve, die umfassend interaktive Whiteboards einsetzt. Aufmerksamere Kinder. Weniger Arbeit für Lehrer.

Der kleine Tim Pins weiß schon ganz gut, was er machen muss. Mit dem Finger wischt der Drittklässler der Leegmeer-Grundschule über die elektronische Tafel und ordnet kleine Würfel einem bestimmten Muster zu. Tim zeigt, wie das so genannte interaktive Whiteboard im Unterricht funktioniert.

Mittels moderner Technik wird der Lehrstoff für die Kleinsten aufgepimpt und macht so deutlich mehr Spaß. „Wir merken, dass die Kinder aufmerksamer sind“, sagt Schulleiterin Nadja Scherer. Denn Wischtechnik kennen die Schüler bereits von anderen Geräten: Smartphones und Tablets haben in nahezu jedem Haushalt Einzug gehalten.

Mit Kreide wird nicht mehr „gekritzelt“

Da darf die Schule nicht zurückstehen. Die Leegmeer-Grundschule in Emmerich ist in dieser Rolle sogar Vorreiter. Als erste Schule im Kreis Kleve setzt das Kollegium ausschließlich auf Whiteboards: „Hier kritzelt keiner mehr mit Kreide“, sagt Nadja Scherer und klingt dabei sehr zufrieden.

Von den Kollegen gibt es nur positive Rückmeldungen und das hat auch mehrere Gründe: „Der Unterricht wird spannender und die Vorbereitung kostet deutlich weniger Zeit.“ In Teams organisieren die Lehrer jetzt die Einheiten, nach einer gründlichen Absprache setzt sich ein Lehrer an den Rechner und erstellt das Lehrprogramm für alle Parallelklassen gleich mit: Einer arbeitet - alle profitieren.

Elf Klassen, elf Whiteboards

Dass die Leegmeer-Grundschule so weit nach vorne preschen kann, hat sie auch der Ausgabenpolitik der Stadt zu verdanken, die gezielt in den vergangenen Jahren Geld für Whiteboards ausgegeben hat. Mittlerweile haben alle elf Klassen eine elektronische Tafel, mit der sich der Unterricht spielerischer gestalten lässt. Rechenspiele, Erklärungsvideos oder Memoryspiele für Migrationskinder lassen sich so schnell auf die Tafel beamen oder am Tablet anzeigen. Denn für eine Schulklasse wurde auch ein Klassensatz Tablets angeschafft.

Nadja Scherer ist von der Technik überzeugt: „Ich sitze nicht mehr abends zu Hause und schnipsele Zeitungsbilder aus, um Tiere für den Biologieunterricht zu präsentieren.“ Alles ist jetzt im Computer verfügbar und auf einem gemeinsamen Laufwerk hinterlegt: Textdateien, Bilddateien, Audiodateien. Die ganze Welt des E-Learnings lassen sich hier finden.

Das Haptische wird nicht vernachlässigt

Übertreiben sollte man den Gebrauch des Whiteboards im Unterricht allerdings auch nicht. Denn: „Das Haptische ist für Kinder im Grundschulalter nach wie vor sehr wichtig“, sagt Tanja van Kampen, die sich gemeinsam mit Marco Nadorp sehr weit in die Thematik Whiteboard eingearbeitet hat.

Kinder im Grundschulalter müssen also nach wie vor den Stift in die Hand nehmen, um Bilder auszumalen, Buchstaben zu schreiben sowie geometrische Figuren mit Bauklötzchen errichten. Dies alles lässt sich auch auf dem Bildschirm erzeugen - aber fürs Lernen ist das „Selbermachen“ enorm wichtig.

Und sind die Schüler schlauer geworden dank Smartboard? Lehrerin Anke Delbeck guckt etwas irritiert ob dieser Frage, runzelt die Stirn und sagt mit einem Lachen: „Nein, leider nicht.“ Das Lernen lasse sich zwar mit modernen Medien attraktiver gestalten, aber am Ende müssen die Kinder sich doch anstrengen.

Der Unterricht wird vergleichbar

Kollegin Marie-Theres Kelly sieht einen großen Vorteil durch das neue Arbeiten: „Da die Unterrichtsvorbereitung für alle Parallelklassen vorgenommen wird, wird auch ähnlich unterrichtet. Die Qualität der Lehre wird gesichert.“ Man könne sich im Kollegium Arbeit aufteilen und die Übergaben bei Vertretungsstunden werden einfacher. Der Vertretungslehrer sieht anhand der gespeicherten Daten sofort, wo sich die Klasse im Lehrplan befindet.

Die Leegmeer-Grundschule arbeitet seit vier Jahren mit den Whiteboards und hat wichtige Erfahrungen sammeln können, die auch an andere Schulen in Emmerich und im Kreis Kleve vermittelt werden. Wichtig war von Beginn an die Aufgeschlossenheit des Kollegiums: „Wenn sich die Lehrer sperren, dann kann man es besser direkt sein lassen“, sagt Schulleiterin Nadja Scherer. Sie hat das Glück mit neugierigen Menschen zu arbeiten, die Lust auf Experimente haben. „Die Kollegen waren von Beginn an mit Feuereifer dabei“, sagt sie.

Und natürlich habe man gelegentlich technische Probleme. Gerade in den Anfangsjahren habe man mit störanfälligen Tafeln arbeiten müssen. Mittlerweile habe man sich eine Menge Knowhow angeeignet und die Experten des Rechenzentrums des Kreises stehen bei Problemen mit Rat und Tat zur Seite.

Externes Büro attestiert sehr gute Qualität

Bei aller Technik sei die Kommunikation im Lehrerteam entscheidend. „Vernetzung ist die Grundlage für ein vernünftiges Arbeiten“, sagt Nadja Scherer. Denn wer Änderungen im Unterrichtsplan vornehmen möchte, muss dies jetzt mit allen Kollegen absprechen, damit im Computer kein „Kuddelmuddel“ entsteht.

Dass das neue Lernen funktioniert, bestätigte jetzt auch eine Qualitätsanalyse eines externen Büros. Die Leegmeerschule sei mit sehr gut bewertet worden, freut sich Nadja Scherer. Ein guter Ansporn für weiteres Lernen mit dem Whiteboard.

>> DIE GROSSE AUSNAHME

Das Unterrichten mit Whiteboards ist im Kreis Kleve noch alles andere als selbstverständlich. In Kleve arbeiten Grundschulen nur sporadisch mit den elektronischen Tafeln, häufig sind sie nicht vorhanden. An den beiden Gymnasien der Stadt gibt es jeweils ein Whiteboard.

„Wir spüren schon den Neid der anderen“, lacht Schulleiterin Nadja Scherer. Auf Konferenzen werde oft staunend über die neuen Unterrichtsmethoden in Emmerich geblickt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik