Schutz der Bäume vor Frost

Wie die Reeser Obstanlage ihre Bäume gegen den Frost wappnet

Marlen Baumann hat zahlreiche Vorkehrungen getroffen, um die Apfelbäume vor den Auswirkungen der späten Nachtfrösten zu schützen. „Aber gottlob liegen hier in keiner extremen Frostlage“, sagt sie.

Marlen Baumann hat zahlreiche Vorkehrungen getroffen, um die Apfelbäume vor den Auswirkungen der späten Nachtfrösten zu schützen. „Aber gottlob liegen hier in keiner extremen Frostlage“, sagt sie.

Foto: Klaus-Dieter Stade

Rees.   Marlen Baumann hat Vorkehrungen gegen mögliche Schäden durch die Nachtfröste getroffen. Nicht nur aktuell, sondern auch schon im Vorfeld.

Marlen Baumann zupft eine Apfelblüte vom Baum, schlitzt sie mit dem Daumennagel auf, um so den Blütenboden freizulegen. „Der Boden hat sich braun verfärbt“, sagt sie. Sie hat es nicht anders erwartet. Darauf geschlossen hat sie schon aufgrund der gelben Flecken auf den sonst schneeweißen Blütenblättern. Der Frost in der Nacht zum Donnerstag hat dieser Blüte arg zugesetzt. Womit auch klar ist, dass der Pollenschlauch, der empfindlichste Teil der Blüte, seine Funktion als Transportorgan zur Befruchtung eingebüßt hat. Der Kälteeinbruch hat die Obstbauern der Region in Alarmbereitschaft versetzt. „Aber große Sorgen um die Apfel- und Birnenernte mache ich mir noch nicht“, sagt die Gartenbau-Ingenieurin aus Rees.

Delbar hat am meisten gelitten

Noch nicht. Denn auch wenn an den Bäumen viele Blüten erfroren seien, so verblieben doch immer noch ausreichend gesunde, sagt sie. Zumal sich derzeit noch nicht alle Blüten voll geöffnet haben. Denn diese reagieren – wie auch sich gerade erst gebildete kleine Früchte – am empfindlichsten auf Kälte. Schon bei null Grad erfrieren sie. Befinden sich die Blütenblätter noch im Stadium des ersten vorsichtigen Öffnens, darf’s maximal bis auf minus 0,5 Grad runtergehen. „Am unempfindlichsten sind die Blüten im Ballonstadion, da liegt die Toleranz bei minus zwei Grad“, erklärt die 30-Jährige. Von Ballonstadium sprechen die Fachleute, wenn die Blüte kurz vor ihrer Öffnung steht und sie wie ein roter Mini-Luftballon aussieht.

Das ist vor allem an den jungen, also einjährigen Trieben der Fall. „Wenn die alle durchkommen, dann reicht’s noch für einen guten Ertrag“, sagt Marlen Baumann und blick mit fachmännischem Blick auf die Blüten. Der Apfel Delbar ist es, der vor allem gelitten hat. Weil das eine frühe Sorte ist, entsprechend zeitig in Blüte steht und schon im August Handel kommt.

Erste Hilfe bei den Birnen geleistet

Dennoch hat die Kälte die Baumanns umgetrieben. Vor allem bei den Birnen musste „Erste Hilfe“ geleistet werden. „Weil die derzeit in voller Blüte stehen, die Insekten wegen der Kälte aber nicht fliegen wollen“, sagt Marlen Baumann. Noch am Vortag des Kälteeinbruchs wurde daher ein natürliches Pflanzenhormon ausgebracht, was Alexander Lucas, Conference & Co dazu anzuregen soll, auch ohne vorherige Befruchtung und Samenbildung eine Frucht zu entwickeln. „Die Früchte erkennt man später daran, dass sie keine Kerne ausgebildet haben“, erklärt Marlen Baumann.

Schon früh versuchen die Obstbauen ihre Früchte gegen einen möglichen Kälteeinbruch zu wappnen – nach dem Prinzip Wärmespeicher. „Wir halten den Boden unter den Bäumen möglichst unkrautfrei, das Grün in den Grasstreifen dazwischen kurz“, sagt die Reeserin. So könne der Boden tagsüber die Wärme besser speichern, die er dann nachts wieder abgebe. Und das Gras wirke wie eine Isolationsdecke.

Regen hat in die Hände der Obstbauern gespielt

Dass es Ostern geregnet hat, hat den Obstbauern im Nachhinein in die Hände gespielt. „Erstens sind beim jetzigen Frost jetzt noch nicht so viele Blüten offen gewesen, zweitens war der Boden feucht und konnte daher mehr Wärme speichern“, so Marlen Baumann, die vor ihrem Studium eine Ausbildung zur Gärtnerin, Fachrichtung Obstbau absolviert hat.

Die Reeserwarder Obstanlagen besitzen auch eine Beregnungsanlagen. „Aber ich glaube, die haben wir in den vergangenen zwanzig Jahren nur einmal eingesetzt“, schätzt die junge Frau. Dabei werden die Obstblüten mit Wasser eingenebelt. „Nicht der Eispanzer um die Blüten schützt sie dann vor Kälte, wie viele glauben, sondern die Erstarrungswärme, die freigesetzt werden, wenn Wasser zu Eis gefriert“, erklärt sie.

Auf besondere Technik verzichtet

Die Baumanns haben auf diese Technik aber verzichtet. „Weil viel schiefgehen kann“, weiß die Fachfrau. Sei es beispielsweise nicht windstill, könne der Nebel fortgetragen werden. Somit verflüchtigt sich nicht nur der Schutz. „Dabei entsteht Verdunstungskälte, was bei den Blüten mehr Schaden anrichten kann als hätte man sie der Kälte ohne Vorkehrungen ausgesetzt.“

Vor allem nutzt den Baumanns die gute Lage der Obstplantage. Marlen Baumann spricht vom „guten Mikroklima in Rheinnähe“. „Das sorgt dafür, dass wir hier keine extremen Frostlagen haben“, sagt sie. Einen Totalausfall gab’s daher in der Geschichte der Reeserwarder Obstanlagen bislang nicht. Auch der Rheinstrom fungiert nämlich als Wärmespeicher.

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