Landgericht

Wusste der Angeklagte von der Cannabis-Plantage in Rees?

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Die Cannabis-Pflanzen hat die Polizei bei der Razzia in Rees im Dezember 2020 nicht mehr vorgefunden. Die Ernte war schon gelaufen.

Die Cannabis-Pflanzen hat die Polizei bei der Razzia in Rees im Dezember 2020 nicht mehr vorgefunden. Die Ernte war schon gelaufen.

Foto: Abir Sultan / dpa

Rees/Kleve.  Einem 39-Jährigen wird vorgeworfen, in Rees eine Cannabisplantage betrieben zu haben. Oder war es der Untermieter? Das Landgericht verhandelt.

Der 39 Jahre alte Mann auf der Anklagebank, ein Deutscher mit vietnamesischen Wurzeln, betreibt in Düsseldorf ein Restaurant, einen Lebenstraum habe er sich damit erfüllt, sagt er. Die Geschäfte liefen gut und laufen auch jetzt wieder gut, zwischen 5000 und 7000 Euro habe er im Monat verdient. Doch das reichte dem Mann nicht, so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft – sie klagte ihn an, in Rees eine Cannabisplantage betrieben zu haben.

Handel mit Betäubungsmitteln in großer Menge ist dies für Staatsanwalt Ralf Trepmann, doch anders als in vielen Fällen vergleichbarer Art, die vor dem Landgericht verhandelt werden, stellten die Fahnder bei der Razzia im Dezember des vergangenen Jahres keine einzige Cannabis-Pflanze sicher. Die Ernte war gerade erfolgt, in dem Haus in Rees fanden die Polizisten noch die mit Teichfolie isolierten Aufzuchträume, Lagerräume mit Gärtnereibedarf sowie Pflanztöpfe mit Wurzelstrünken.

Staatsanwaltschaft geht von Marihuana im Wert von 300.000 Euro aus

Im Aufzuchtraum ließen sich 795 Abdrücke von Pflanztöpfen erkennen. Die Staatsanwaltschaft rechnete: 795 multipliziert mit 40 g Ertrag pro Pflanze, das ergibt 31,8 kg Marihuana, die nach Auffassung der Ermittler mindestens dort geerntet werden konnten. Einen Straßenpreis von zehn Euro pro Gramm angenommen, gelangt man zu einem Wert von mehr als 300.000 Euro.

Doch mit all dem will der Mann, dessen Vater in der DDR in Zwickau als Maschinenschlosser arbeitete und der selbst im Alter von 15 Jahren mit seiner Mutter nach Deutschland nachzog, nichts zu tun haben. Vielmehr sollen ihm Landsleute die Suppe eingebrockt haben.

„Der Betrieb der Plantage blieb mir verborgen“, sagt der Angeklagte

Über seinen Verteidiger ließ er eine Erklärung verlesen, derzufolge er das Haus nur bis 2019 bewohnt hatte. Danach sei er zurück nach Düsseldorf gezogen und habe das Haus an einen Vietnamesen vermietet, der dort wiederum einen anderen Landsmann untergebracht habe. Der sei illegal in Deutschland gewesen, das habe er gewusst, aber das sei auch so unüblich nicht.

Der Mieter stamme aus Holland, und er habe in der Grenzregion Nagelstudios eröffnen wollen. Die Miete habe 1000 Euro betragen, sie sei stets bar entrichtet worden (das Finanzamt sollte davon nichts erfahren), der Mietvertrag sei auch nur mündlich vereinbart worden. „Der Betrieb der Plantage blieb mir verborgen“, so der Angeklagte.

Der Handwerker durfte nicht in alle Räume gehen

Vor diesem Hintergrund bekam die Aussage eines 43 Jahre alten Handwerkers aus Düsseldorf eine entscheidende Bedeutung. Der Installateur sollte die Heizungsanlage austauschen, weshalb er nach vollendeter Arbeit im ganzen Haus die Heizkörper entlüften wollte. Allerdings wurde ihm zu einigen Räumen der Zutritt verweigert. „Das wollten die selber machen“, so der Handwerker. Er ließ einen Entlüftungsschlüssel als Werbegeschenk zurück.

Der angebliche Mieter soll dem Angeklagten Ende des vergangenen Jahres das illegale Geschäft gestanden haben – nach der ersten Ernte. „Ich war empört“, so der Angeklagte. Sein Mieter habe eingewilligt, die Ausstattung wieder zu entfernen. Die Frage ist, ob die 1. große Strafkammer des Landgerichts Kleve unter Vorsitz von Richter Winfried von der Grinten dieser Version Glauben schenken mag. Die Verhandlung war bis zum Abend noch nicht abgeschlossen.

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