Kultur

Arche Noah ankert in Gevelsberger Kirche

Heike Marquardt erzählte die Geschichte der Arche Noah, ihr Mann Gerhardt saß an der Orgel.

Heike Marquardt erzählte die Geschichte der Arche Noah, ihr Mann Gerhardt saß an der Orgel.

Foto: Lilo Ingenlath-Gegic

Gevelsberg.   Mehr „jung gebliebenen Erwachsenen“ als Kinder bei dem Konzert im Rahmen des Orgelherbstes in der Erlöserkirche. Musik von Johann Sebastian Bach.

Die Kinder, für die dieses Orgelkonzert vor allem gedacht war, blieben in der Minderheit und so begrüßte Kirchenmusikdirektor Gerhardt Marquardt in der Gevelsberger Erlöserkirche vor allem die „jung gebliebenen Erwachsenen“.

Im Alten Testament stehen bekanntlich die spannendsten Geschichten. Gerhardt und Heike Marquardt präsentierten im Rahmen des Orgelherbstes auf ganz besondere Weise die Geschichte der Arche Noah. 2014 hatte Johannes Matthias Michel (*1962), Komponist, Organist und Professor an der Musikhochschule Mannheim, die Geschichte der Arche Noah bearbeitet. Er modernisierte den Text zu einer kindgerechten Erzählung und wählte Auszüge aus 24 Werken von Johann Sebastian Bach dazu aus.Diese Musik passt so ungeheuer gut, dass ein wunderschönes und spannendes Orgelkonzert daraus wurde.

Visuelle Unterstützung

Als visuelle Unterstützung hatte Marquardt außerdem stimmungsvolle Bilder von Pia Foierl und Kees de Kort zu einem Lichtbildvortrag verarbeitet. Den projizierte Heike Marquardt auf eine große Leinwand im Altarraum, während sie die Erzählung überaus spannend und lebendig vorlas und Gerhardt Marquardt durch sein Orgelspiel die passende Atmosphäre spürbar werden ließ. Beim Präludium baute Noah mit seiner Familie die Arche, bei „Invention Nr. 8 F-Dur“ lästerten die Nachbarn darüber.

All das konnte das Publikum in der Musik deutlich hören. Auch wenn die Menschen stritten oder Schwiegertochter Sara keine Lust hatte beim Schiffsbau zu helfen, sondern lieber zum Friseur gehen wollte: „Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch zum Friseur gehen!“, die Orgel erzählte alles. Anschaulich gestaltete Bachs Musik den Einzug der Tiere in die Arche: Das Krabbeln der Spinnen und Ameisen, den Flug der Vögel, den eleganten Gang der langbeinigen Tiere und den stampfenden Einmarsch der Nashörner, Nilpferde und Elefanten. Dass Würmer und Schildkröten etwas mehr Zeit brauchten, um die Arche zu erreichen, machte die Orgel ebenfalls deutlich. Viele der Bach-Werke waren zumindest den erwachsenen Konzertbesuchern bekannt, wie das Air aus der Orchestersuite Nr.3 D-Dur, das das lange Warten spürbar machte. Bei der Toccata d-Moll prasselte der Regen hernieder und die Sintflut begann.

Regenbogen symbolisiert das Ende

Nachdem es 40 Tage und Nächte in Strömen geregnet hatte, konnten Noah, seine Familie und die Tiere endlich wieder an Land gehen. Zu allererst dankte Noah Gott für die Rettung. Diesen Dank drückte die Orgel mit einer Arie aus der Johannes-Passion aus. Bachs eindrucksvolle Musik und ein Regenbogen symbolisierten nach kurzweiligen 45 Minuten das glückliche Ende der Geschichte.

Lilly, 10 Jahre alt, war mit ihrer Oma zum Konzert gekommen und wollte sich einfach mal überraschen lassen. Nach dem Konzert war Lilly begeistert: „Mir hat alles gut gefallen. Die Musik, die Bilder, alles“, sagte sie und staunte, als sie erfuhr, dass diese Musik schon fast 300 Jahre alt ist und keineswegs für diese Geschichte geschrieben wurde. Lilly kann sich gut vorstellen, dieses Konzert noch einmal zu besuchen. Auch Luise (7) war total begeistert und sie ging zusammen mit ihrer Mutter anschließend nach oben auf die Empore, um sich die Orgel genau anzusehen.

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