Rücktrittsforderungen

Solidaritätswelle für Feuerwehr-Präsident Hartmut Ziebs

Hartmut Ziebs aus Schwelm ist seit dem Jahr 2016 Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands. Nun wollen fünf seiner sieben Vizepräsidenten seinen Rücktritt erwirken.

Hartmut Ziebs aus Schwelm ist seit dem Jahr 2016 Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands. Nun wollen fünf seiner sieben Vizepräsidenten seinen Rücktritt erwirken.

Foto: MATTHIAS GRABEN / WP

Schwelm.  Nach den Rücktrittsforderungen stellen sich die Menschen im ganzen Land hinter Feuerwehr-Präsident Hartmut Ziebs aus Schwelm.

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Die Nachricht schlug in Feuerwehrkreisen ein wie eine Bombe und in seiner Heimatstadt Schwelm um so mehr: Fünf von sieben Vizepräsidenten des Deutschen Feuerwehrverbands (DFV) haben ihrem Präsidenten Hartmut Ziebs aus Schwelm das Vertrauen entzogen und ihn zum Rücktritt aufgefordert. (wir berichteten). Vor allem die bislang kolportierten Gründe – Ziebs Engagement gegen rechte Tendenzen in der Feuerwehr – sorgen für Entrüstung und eine bundesweite Solidaritätswelle unter den Mitgliedern der Wehr.

Politik steht hinter Ziebs

Bundesweit in sozialen Medien,vor allem aber in seiner Heimatstadt Schwelm, wo der Diplom-Ingenieur weiterhin wohnt, sein Gerüstbau-Unternehmen betreibt und enge Verbindungen zu seiner Feuerwehr hält, sind die Solidaritätsbekundungen extrem groß.

So haben am Mittwochnachmittag alle im Rat der Stadt Schwelm vertretenden Fraktionen eine gemeinsame Erklärung zu den Rücktrittsforderungen gegenüber Hartmut Ziebs im DFV abgegeben. Hier der exakte Wortlaut: „Im Jahr 2012 hat der Deutsche Feuerwehrverband eine ,Handreichung zur interkulturellen Öffnung der Feuerwehren’ unter der Überschrift ,Einsatz braucht Vielfalt – Vielfalt braucht Einsatz’ veröffentlicht. In seinem Vorwort schreibt der damalige Präsident Hans-Peter Kröger: ,Die Feuerwehren leisten von jeher allen Menschen ohne Ansehen ihrer Person Hilfe. Ebenso ist sie offen für alle Mitglieder der Gesellschaft’.

In dieser Woche haben dem amtierenden Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes, dem Schwelmer Bürger Hartmut Ziebs, fünf von sieben Vizepräsidenten das Vertrauen entzogen und ihn zum Rücktritt aufgefordert. Hintergrund sollen nach Medienberichten die Einstellung einer Frau mit türkischen Wurzeln als Bundesgeschäftsführerin, seine deutliche Positionierung gegen Rechtsextremismus und gegen die Vereinnahmung der Feuerwehren durch die AfD sowie sein Einsatz für die Integrationsbemühungen in den Feuerwehren sein.

Demokratie muss sich wehren

Für die Fraktionen im Rat der Stadt Schwelm ist Hartmut Ziebs ein Mensch, der seit über 15 Jahren im Präsidium des Deutschen Feuerwehrverbandes mutig für die Sache streitet. Er hat die Interessen der Feuerwehren gegenüber der Politik immer mit Engagement und Herzblut, zugleich aber fern jeglicher Parteipolitik vertreten. Er ist ein Mann klarer Worte und steht für die Prinzipien der Feuerwehr ein.

Hartmut Ziebs genießt in seiner Heimatstadt, aber auch weit darüber hinaus, hohes Ansehen und großen Respekt. Er ist ein anerkannter Bürger der Stadt.

Die im Rat der Stadt Schwelm vertretenen Fraktionen unterstützen Hartmut Ziebs in seiner klaren Haltung gegen Rechtsextremismus und für Integration ebenso, wie sein Streben danach, sich der Vereinnahmung der Feuerwehren durch die AfD zu widersetzen. Die Demokratie muss gegen derartige Versuche stets wehrhaft sein.

Die Fraktionen im Rat der Stadt Schwelm stehen hinter ihrem Bürger Hartmut Ziebs und wünschen ihm für die vor ihm liegende Zeit viel Kraft.“

Schweigen zu genauen Gründen

Zu den genauen Gründen, warum sie ihrem Präsidenten das Vertrauen entzogen haben, schweigen die Vizepräsidenten Hermann Schreck (Bayern), Lars Oschmann (Thüringen), Frank Hachemer (Rheinland-Pfalz), Dr. Christoph Weltecke (Hessen) und Christian Patzelt (Bremen). Nicht zuletzt die Reaktion von Hartmut Ziebs auf die Rücktrittsforderungen lässt aber durchaus Schlüsse zu, weshalb sie ihn vom Thron stoßen wollen: „Mir sind in meiner Dienstzeit als Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes keine Fehler bewusst. Vorwürfe zur Einstellung einer Frau mit türkischen Wurzeln als Bundesgeschäftsführerin, meine klare Haltung gegen rechtsnationale Tendenzen und Personalentscheidungen im Rahmen meiner Befugnisse sind absolut haltlos. Zurzeit ist für mich nicht erkennbar, warum ich zurücktreten sollte“, teilt dieser mit.

Update 21. November: Im Gespräch mit unserer Redaktion hat sich Hartmut Ziebs geäußert und seine Kritiker zum Rücktritt aufgefordert.

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