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Warum sich Hobbygärtner über Glühwürmchen freuen können

Die Glühwürmchen sind selten geworden. Mit etwas Glück kann man sie entlang von Waldrändern, Gebüschsäumen, in alten Parkanlagen oder auch im eigenen Garten beobachten.

Die Glühwürmchen sind selten geworden. Mit etwas Glück kann man sie entlang von Waldrändern, Gebüschsäumen, in alten Parkanlagen oder auch im eigenen Garten beobachten.

Foto: Jesus Alvarado

Ennepetal.  Britta Kunz, Leiterin der Biologischen Station im EN-Kreis, erklärt, warum Glühwürmchen im Garten ein gutes Zeichen sind.

Jetzt ist die beste Zeit, um ein fast schon magisch anmutendes, kleines Naturschauspiel zu beobachten. Kleine grüne Leuchtpunkte blinken in diesen lauen Sommernächten. Manche schweben, in einem wahren Lichtertanz der Natur, lautlos durch die Luft. Glühwürmchen.

Aber dunkel muss es sein. Glühwürmchen meiden verständlicherweise das Licht. Denn nur in der Dunkelheit kommt das eigene Leuchten zur Geltung. Die zunehmende „Lichtverschmutzung“ ist, neben der Lebensraumzerstörung ein Grund, warum die Tierchen selten geworden sind. Aber mit etwas Glück kann man sie entlang von Waldrändern, Gebüschsäumen, in alten Parkanlagen oder auch im eigenen Garten beobachten.

Glühwürmchen sind eigentlich Leuchtkäfer

Die deutsche Bezeichnung ‚Glühwürmchen‘ ist jedoch irreführend, denn es handelt sich nicht um Würmer, sondern um Käfer. Leuchtkäfer, um genau zu sein. Weltweit sind etwa 2000 Arten bekannt. Bei den meisten Arten leuchten die Weibchen. Da sie tatsächlich ein bisschen wie ein Wurm aussehen und nicht fliegen können, hat man ihnen im deutschsprachigen Raum den Namen Glühwürmchen gegeben.

Anders die Männchen. Sie sehen bei den meisten Arten eher wie Käfer aus und können meist auch fliegen. Dafür können sie aber nicht oder nicht so intensiv leuchten. Es gibt aber Ausnahmen. Eine davon ist der Kleine Leuchtkäfer, eine von drei Glühwürmchen-Arten, die bei uns heimisch sind. Bei dieser Art leuchten sowohl das wurmähnliche und flugunfähige Weibchen als auch das fliegende Männchen sehr intensiv. Wenn Sie schwebende grüne Leuchtpunkte bei und im Kreisgebiet entdecken, handelt es sich immer um Männchen des Kleinen Leuchtkäfers.

Lichtsignale dienen der Kommunikation

Aber warum eigentlich der ganze Aufwand mit dem Licht? Die Antwort lautet: Kommunikation. Manche Arten nutzen die Lichtsignale, um Beutetiere anzulocken, andere, um Fressfeinde zu erschrecken. Vor allem aber geht es um Brautwerbung. Männchen und Weibchen finden erst durch die Lichtsignale zueinander. Angeblich sind die am hellsten leuchtenden Weibchen bei den Männchen am begehrtesten. Damit keine Verwechslungen zwischen den Glühwürmchen-Arten passieren, hat jede Art ihren eigenen Blinkrhythmus. Bei einigen Arten blinken sogar alle Glühwürmchen in der Umgebung gleichzeitig. Dann leuchten ganze Busch- oder Baumreihen im gleichen Takt.

Das grüne Blinklicht ist Energie, die beim chemischen Abbau eines Stoffes mit dem schönen Namen ‚Luziferin‘ frei wird. Der Name kommt von den Lateinischen Wörtern für ‚Licht‘ (lux) und ‚bringen, tragen‘ (ferre). Glühwürmchen sind also wahrhaftige Lichtbringer. Bei der Erzeugung ihres Lichtes sind sie außerordentlich effizient, denn die freiwerdende Energie wird nahezu vollständig in kalte Lichtenergie umgewandelt. Dagegen verwandeln Glühbirnen nur rund fünf Prozent elektrischer Energie in Licht, der Rest wird ungenutzt als Wärme abgegeben.

Larven leben länger als erwachsene Glühwürmchen

Von Glühwürmchen können wir also einiges lernen. Und der Name Glühwürmchen ist gleich im doppelten Sinne falsch – es sind keine Würmer und sie glühen auch nicht. Sie erwärmen sich nicht bei der Erzeugung von Licht. Mit dem Blinken ist es bei der Paarung vorbei. Dabei machen die Glühwürmchen nämlich das Licht aus. Bald nach Paarung und Eiablage endet das Glühwürmchenleben. Erwachsene Glühwürmchen leben nur wenige Wochen lang. Gefressen wird in dieser Zeit nicht. Dafür leben sie zuvor drei Jahre als gefräßige Larven.

Gärtner dürfen sich besonders freuen, wenn sie Glühwürmchen bei sich im Garten sehen. Die Larven ernähren sich nämlich von Schnecken, deren Schleimspur sie verfolgen. Aber egal ob Schneckenvertilger oder nicht, das lautlose Schweben und Blinken ist einfach zauberhaft.

Vielleicht finden Sie einen der Orte bei uns im Kreisgebiet, an dem Sie sich in einer schönen Sommernacht von den kleinen Fackelträgern verzaubern lassen können. Einen zauberhaften Sommer, nicht nur in diesem Sinne, wünscht Ihnen Ihre Britta Kunz.

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