100 Jahre Volkshochschule

100 Jahre VHS in Essen: Hier lernt man auch Zusammenhalt

Feierllicher Rahmen für 100 Jahre Volkshochschule in Essen (v. li): NRW-Staatssekretär Klaus Kaiser, Oberbürgermeister Thomas Kufen und VHS-Direktor Michael Imberg beim Eintrag ins Stahlbuch der Stadt.

Feierllicher Rahmen für 100 Jahre Volkshochschule in Essen (v. li): NRW-Staatssekretär Klaus Kaiser, Oberbürgermeister Thomas Kufen und VHS-Direktor Michael Imberg beim Eintrag ins Stahlbuch der Stadt.

Foto: Stefan Arend

Essen.   100 Jahre Volkshochschule in Essen. Beim Festakt in der Lichtburg wird das Haus als Werkstatt der Demokratie und Bildungsort für alle gefeiert.

Es war gewissermaßen eine feierlich Premiere nach 100 Jahren „Vorspann“: Auf der Lichtburg-Bühne wurde am Sonntagmorgen die Volkshochschule Essen gefeiert. Mit vielen Gratulanten, Festreden, Musik von Loy Wesselburg und mit einem Film, der passenderweise den Titel „100 Jahre im Licht“ trägt. Spot an also für eine Bildungseinrichtung, die 1919 zu den Vorreitern in der deutschen Weiterbildungslandschaft gehörte und bis heute in ihrer Bedeutung „nichts an Aktualität eingebüßt hat“, zeigt sich nicht nur Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) überzeugt, der die Jubiläumsfeierlichkeiten mit einem Eintrag ins Stahlbuch der Stadt würdigte.

„Politische Bildung gehört zur Arbeit der VHS dazu“

Dass die VHS heute wie vor 100 Jahren „unentbehrliche Arbeit inmitten unserer Stadt“ leiste, das macht Kufen nicht nur an den zahlreichen Sprach- und Integrationskursen fest, mit denen die Bildungseinrichtung am Burgplatz einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung und zum sozialen Miteinander in der Stadt leiste, betont der OB. Auch für eine funktionierende Demokratie sei eine Einrichtung wie die Volkshochschule wichtig. „Politische Bildung gehört zur Arbeit einer Volkshochschule dazu“, sagt auch Klaus Kaiser, Parlamentarischer Staatssekretär im NRW-Wissenschaftsministerium, der der Essener Einrichtung nicht nur in dieser Hinsicht eine vorbildliche Arbeit bescheinigt, denn: „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit!“ Diese Erkenntnis gelte heute wie vor 100 Jahren zu Zeiten der Weimarer Republik.

Waren es 1919 Lehrangebote zur „Weltanschauung und Seelenkunde“ oder zur „Staatsbürgerkunde und Wirtschaftskunde“, die den Essener Bürgern „geistige Nahrung in erhöhtem Maße“ zukommen lassen sollten, so der Wunsch des damaligen Oberbürgermeisters Hans Luther, ist das Angebot heute breit gefächert. „Die Menschen, die zur VHS kommen, werden immer verschiedener“, weiß Festredner Klaus Kaiser. Gerade angesichts dieser heterogenen Bildungs-Biografien sei Beratung ein besonders wichtiger Punkt. Mit diesem Plus hebe sich die VHS auch in Zeiten immer breiter gestreuter Wissens-Angebote vom Gros der Anbieter ab. Gleichwohl seien die Chancen der Digitalisierung in Zukunft auch zu nutzen. Die Möglichkeiten der neuen Medien böten für Teilhabe und Aufstieg durch Bildung „mehr Chancen als Risiken, glaubt Kaiser.

Doch möge das klassische Prinzip der Kursangebote künftig auch durch neue Online-Formate erweitert werden, bleibe die Volkshochschule doch ein Garant für den Zusammenhalt der Gesellschaft. „Sie vermittelt unumstrittenes Wissen in Zeiten von Fake News“, sagt der Weiterbildungs-Experte Michael Schemmann von der Uni Köln. Das angebotene Wissen reicht im aktuell gestarteten Semester von der Astronomie für Einsteiger bis zum Kompaktkurs Webdesign.

Wie viel Wissen, Kreativität und Sprachkenntnis am Burgplatz vermittelt werden, wo die Essener Volkshochschule seit 2004 Zuhause ist, das hat die amerikanische Medienkünstlerin Cindy Gates in dem Beitrag „100 Jahre im Licht“ festgehalten. Straff geführte Chronik und Imagefilm zugleich, führt das Werk in 13 Minuten durch 100 bewegende Jahre VHS-Geschichte: Vom großen Bildungshunger nach dem 1. Weltkrieg über die Schließung während der NS-Zeit, von der Politisierung Ende der 1960er Jahre und der Erstarkung und Professionalisierung der Erwachsenenbildung bis zu Debatten-Formaten wie „Essen kontrovers“ oder „Reden von Morgen“, die die VHS auch zum Ort des öffentlichen Diskurses machen.

Viele Partner aus der Kulturszene feiern im Jubiläumsjahr mit

Dass von hier aus immer wieder „Aufbrüche“ gestartet werden, wünscht sich nicht nur der amtierende VHS-Direktor Michael Imberg. Und so ist das Jubiläumsthema gleichzeitig auch Jahresthema der Essener Kultureinrichtungen, die in 2019 mit über 60 Veranstaltungen für „Aufbrüche“ sorgen.

>>AUSSTELLUNGEN ZUM JUBILÄUM

  • Die Essener Volkshochschule wurde als eine der ersten Bildungseinrichtungen an 28. Mai 1919 noch vor Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung ins Leben gerufen.
  • Zum Jubiläum zeigt die VHS Essen eine Reihe von Ausstellungen. Neben den „Clouds“ von Christoph Hildebrand in der Neuen Galerie werden Signets von Elga und Gerulf Morgenstern-Hübner gezeigt. 100 Jahre VHS sind ebenso Thema wie die Baukunst von Josef Rings und Erich Mendelsohn.

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