Prozess

18-Jährige in Essener Park vergewaltigt: Haftstrafe

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Der 27-Jährige soll die Frau in Altenessen zum Sex gezwungen haben. Das Opfer befreite sich durch einen kräftigen Biss ins „Corpus Delicti“.

Der Angeklagte bestritt, weinte und beteuerte noch während der Urteilsverkündung seine Unschuld. Doch die XXV. Essener Strafkammer ließ sich nicht beirren. Sie verurteilte den 27 Jahre alten Hassan T. am Donnerstag wegen Vergewaltigung zu viereinhalb Jahren Haft. „Wir haben keinen Zweifel, dass Sie diese Tat am 23. April begangen haben“, sagte Richter Markus Dörlemann zu Beginn der Urteilsbegründung.

Charmant habe der Angeklagte die 18-Jährige angesprochen, als sie an der Haltestelle II. Schichtstraße in Altenessen auf die U-Bahn wartete, beschrieb der Richter den Beginn der Tat. Hassan T. habe die junge Frau in ein Gespräch verwickelt und zu einem kleinen Spaziergang überredet. Dort suchte er laut Urteil eine einsame Stelle auf und bedrängte das Opfer. Rüde soll er sie zum Sex gezwungen haben. Die Frau schritt zur Tat, befreite sich aber durch einen kräftigen Biss ins „Corpus Delicti“. Anschließend erstatte sie Anzeige bei der Polizei. Seine DNA führte dazu, dass er nach zwei Monaten ermittelt wurde.

Angeklagter bezeichnet Opfer als Prostituierte

Zunächst hatte er geschwiegen. Schließlich behauptete er aber, dass er mit der Frau einvernehmlichen Sex gegen 40 Euro vereinbart habe. Laut Gericht erzählte er dabei eine nicht plausible Geschichte, in der der Biss vorkam, die 18-Jährige aber plötzlich kein Geld mehr haben wollte.

Besonders empört reagierte die Kammer aber auf den Versuch, die Zeugin schlecht zu machen. Denn die Verteidiger Dieter Axmann und Azzadine Karioh hatten am ersten Verhandlungstag eine Sexseite aus dem Internet präsentiert, auf der sich angeblich die junge Frau als Prostituierte („1800 Euro für eine Nacht“) präsentierte. Ein Bild zeigte sie in unverfänglicher Pose, drei weitere ausschließlich ein pralles Dekolleté. Sie bestritt das. Richter Dörlemann sprach von einem „unvorstellbaren Versuch, die Zeugin zu diskreditieren“. Die Bilder passten anatomisch nicht zu der Zeugin, eine Tätowierung fehle. Dörlemann: „Wir sind erschüttert.“

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