Wahlkampf

250 Bürger demonstrieren in Essen gegen NPD

Wenn Asylbewerber in einem Wohngebiet untergebracht werden, sind die Hetzer nicht weit. Dagegen setzen sich engagierte Bürger in Frintrop zur Wehr.

Wenn Asylbewerber in einem Wohngebiet untergebracht werden, sind die Hetzer nicht weit. Dagegen setzen sich engagierte Bürger in Frintrop zur Wehr.

Foto: WAZ FotoPool

Essen.  Die NPD will mit dem heftig diskutierten Einzug von Asylbewerbern in eine Schule in Essen-Frintrop im Wahlkampf Punkten und rief auf zur Kundgebung vor Ort. Dagegen hatten Anwohner, Politiker und engagierte Bürger etwas und pfiffen sie nieder.

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Rund 250 Frintroper, Politiker und engagierte Bürger aus dem ganzen Stadtgebiet folgten am Samstag dem Aufruf zur Gegendemonstration von „Essen stellt sich quer“ und pfiffen, trommelten und schrien 25 NPD-Vertreter auf dem Frintroper Markt nieder. Die hatten sich den Stadtteil für ihren Stimmenfang ausgesucht, in dem es derzeit wegen der geplanten Unterbringung von Asylbewerbern in der Walter-Pleitgen-Schule mächtig brodelt. Glücklicherweise blieb der Nachmittag friedlich.

„Ich bin hier, weil ich nicht möchte, dass die NPD mit ihrer falschen Sicht zu Wort kommt“, erklärt die Frintroperin Cornelia Raabe, während sich um sie herum die übliche Choreographie von Kundgebung und Gegendemonstration abspielt: Beide Lager stehen sich gegenüber, die Rechten abgeriegelt von der – auch diesmal umsichtigen – Polizei; Ruhepausen wechseln sich ab mit den verzweifelten Versuchen der kahlen Clique, mit Miniaturverstärker gegen den ohrenbetäubenden Lärm der Gegendemonstranten anzukommen; aufgelockert wird das Ganze von gegröltem Rechtsrock aus der Konserve – der klingt auf dem gesperrten Markt, der bis auf die Rechten und die Polizisten leer ist, so richtig schaurig. Bundestagswahlkampf mal anders.

Stimmung ist angespannt

Die Stimmung im Stadtteil ist angespannt, das wissen die braunen Stimmenhascher. Ob sie aber mehr als nur heisere Kehlen mit nach Hause nehmen, ist die Frage. „Die können wir in Frintrop überhaupt nicht gebrauchen“, hört man immer wieder, wenn man durch die dicht an dicht stehenden Frintroper läuft.

Dennoch: „Die Leute hier sind einfach verunsichert und fühlen sich überrumpelt“, berichtet Nachbar Werner Bahrmann. Ein 31-Jähriger, der seinen Namen nicht nennen möchte, sagt: „Ich wohne seit 21 Jahren hier aber so ein Palaver habe ich noch nicht erlebt.“ Die Stadt wird auf der Bürgerversammlung am kommenden Mittwoch einiges vor Ort zu reparieren haben. Der Unmut über die Informationspolitik ist in Frintrop groß.

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