Beitz-Villa

Land gibt nach: Der Weg zum Abriss der Beitz-Villa ist frei

Else und Berthold Beitz im Jahr 1983 im Garten ihres Villa am Weg zur Platte in Bredeney.

Else und Berthold Beitz im Jahr 1983 im Garten ihres Villa am Weg zur Platte in Bredeney.

Essen.   Das Land gibt seinen Versuch auf, ein Luxus-Quartier auf dem Gelände der Beitz-Villa juristisch zu verhindern. Man scheiterte an einer Formalie.

Wohnen wie „der letzte Krupp“ möglich zu machen – mit unverbaubarem Blick auf den Baldeneysee: Das ist der Immobilien-Traum, dem ein bislang ungenannter Projektentwickler seit Jahren am Weg zur Platte in Bredeney nachhängt. Doch fast ebenso lange schwelt ein juristischer Streit, welche Bebauung die Stadt auf dem Gelände der alten Beitz-Villa möglich machen darf und wie schnell sich diese verwirklichen lässt. Jetzt scheint die letzte juristische Hürde abgeräumt: Das Land NRW hat seine Blockade gegen die Pläne der Stadt aufgegeben.

Die wünschte sich stets ein Quartier von bis zu 24 exklusiven Wohneinheiten und hätte dies gerne – ohne viel Federlesens zu machen – per Bauvorbescheid durchgewinkt. Die Bezirksregierung Düsseldorf legte ihr Veto ein, verlor vor dem Verwaltungsgericht und zog im Herbst vergangenen Jahres in die nächste Instanz, vors Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster. Ziel: die Einordnung des 28.000-Quadratmeter-Grundstück als sogenannter planungsrechtlicher Außenbereich.

Statt Einsicht ein schriftlicher Hinweis aus Münster

Mit der Folge, dass für Baupläne aller Art nicht nur ein langwieriger Bebauungsplan erforderlich gewesen wäre. Dieser hätte auch die in Essen mittlerweile übliche Sozialquote von etwa einem Drittel erfordert. Und vorbei wär’s gewesen mit der erhofften Exklusivität.

Jetzt aber hat das Land in Gestalt der Bezirksregierung seinen Antrag auf Zulassung zur Berufung zurückgezogen und damit den Weg plötzlich doch frei gemacht. Eine Entscheidung, die allerdings weniger auf Einsicht beruht als vielmehr auf einem schriftlichen Hinweis der Münsteraner Richter.

Planungsdezernent: „Uns ist das alles recht so“

Die hatten dem Land nämlich bedeutet, dass es in dem Verwaltungsstreit gar nicht berechtigt ist, in Berufung zu gehen. Zwar sei das Land als Partei „beigeladen“worden, diese Beiladung sei aber nicht zu Recht ergangen. Denn Voraussetzung, so heißt es beim OVG, sei dafür, dass die eigenen rechtlichen Interessen durch die Entscheidung berührt sein könnten. Als Kommunalaufsicht zuständig zu sein, reicht dafür nicht aus, und weil dank dieses Hinweises die Erkenntnis reifte, dass man bei Gericht keinen Blumentopf mehr gewinnen kann, zog das Land seinen Antrag zurück.

Hans-Jürgen Best, Planungsdezernent der Stadt und von je her ein Befürworter der Bau-Pläne am Weg zur Platte, ist’s zufrieden: „Uns ist das alles recht so“, betont Essens oberster Planer, dem die Bezirksregierung beim Versuch, einen positiven Bauvorbescheid zu erteilen, einst in die Parade gefahren war.

Für zehn Millionen Euro am Markt

Und auch Thyssenkrupp sieht sich am Ziel, wenn auch der für den Immobilien-Bereich zuständige Sprecher Vorsicht walten lässt, statt Begeisterung zu versprühen: „Wir sind weiter Eigentümerin des Grundstücks“, ließ das Unternehmen am Montag verlauten – und verwies auf die vertraglich abgesicherte Kauf-Option eines bislang geheim gehaltenen Investors.

Auch über Preise behält man Stillschweigen. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll das Gelände, auf dem – abgesegnet von der örtlichen Bezirksvertretung – drei Ein- oder Zweifamilienhäuser und drei Mehrfamilienhäuser mit jeweils maximal sechs Wohnungen entstehen sollen, für zehn Millionen Euro auf dem Markt gewesen sein.

>>> DARUM GING ES IM RECHTSSTREIT

Drinnen oder draußen? Das war bei der Beitz-Villa stets die entscheidende Frage.

Innenbereich nach den Buchstaben des § 34 im Baugesetzbuch, das hätte geheißen: Man darf vergleichbar so bauen, wie es das Umfeld vorgibt.

Außenbereich nach § 35 des Baugesetzbuches, das hätte ein aufwendiges Bebauungsplan-Verfahren bedeutet, um die ehrgeizigen Baupläne durchzusetzen.

Die Stadt hatte hier Innenbereich gesehen und war von der Bezirksregierung gestoppt worden.

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