Bäume

Ärger um Straßenbäume in Essen – was Bürger hinnehmen müssen

Der Baum in Essen-Heisingen ist im Laufe der Jahrzehnte über das Hausdach gewachsen und sorgt für große Verschmutzung auf dem Grundstück – ein Beispiel für Probleme mit Straßenbäumen in der Stadt.

Der Baum in Essen-Heisingen ist im Laufe der Jahrzehnte über das Hausdach gewachsen und sorgt für große Verschmutzung auf dem Grundstück – ein Beispiel für Probleme mit Straßenbäumen in der Stadt.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Essen-Heisingen.  Verunreinigtes Grundstück, gestörter Fernsehempfang, Pollenallergie: Das können Folgen von Straßenbäumen sein. Ein Bürger hofft auf Abhilfe.

Als der Baum vor seinem Grundstück gepflanzt wurde, da hat der 85-Jährige nicht so weit gedacht. Heute jedoch, 40 Jahre später, ist der Ahorn so groß, dass er das Haus überragt und das Grundstück stark verschmutzt. „Das zu reinigen kostet mich inzwischen viel Geld, da ich das selbst nicht mehr machen kann“, sagt der Heisinger. Die Stadt bat er um Abhilfe – erfolglos. Die Stadt erklärt, warum auch bei Allergien oder gestörtem Satellitenempfang Bäume bleiben.

„Sowohl der Ahornbaum vor dem Haus Bahnhofstraße 42 als auch die Baumreihe entlang der Malmedystraße weisen einen weiträumigen Abstand zu dem Grundstück auf“, erklärt Christina Waimann, Sprecherin von Grün und Gruga, zunächst zur Situation in Heisingen. Dabei sei es leider unvermeidbar, dass bei Wind und Regen je nach Jahreszeit Blüten oder andere Pflanzenteile abfallen.

Laterne wird von der Baumkrone verdeckt

Antworten wie „naturgegebene Erscheinung“ oder, dass sein Grundstück nicht mehr beeinträchtigt werde als jedes andere Grundstück, auf dem oder in dessen Umgebung sich Bäume befänden, halfen dem Heisinger nicht weiter. „Sammle ich die Samenkapseln morgens, hält das gerade einmal bis zum Nachmittag“, beschreibt er das Ausmaß der Beeinträchtigung. Der Bürgersteig sei ebenfalls voll und die Straßenlaterne gleich neben dem Baum erfülle ihren Zweck längst nicht mehr, da die Baumkrone das Licht nehme, entgegnet er.

Starker Laubfall, das Fallen von Früchten oder die Verbreitung der Samen, all das seien keine Gründe, einen Baum zu fällen, erklärt die Stadt sogar eigens auf ihrem Stadtportal (www.essen.de): „Solange der Baum gesund ist und keine Gefahr für Menschen und Umwelt darstellt, wird er nicht gefällt.“ Und ist etwa der Fernsehempfang über Satellitenschüssel gestört, gebe es keinen Anspruch darauf, dass der Baum gefällt oder auch nur zurückgeschnitten werde. Störungen dieser Art seien nach vorherrschender Rechtsprechung nicht abwehrbar, heißt es dazu.

Auch eine Pollenallergie führt nicht dazu, dass ein einzelner Baum gefällt wird. Denn, so erläutert die Stadt, Bäume, die möglicherweise Allergien auslösen, seien im ganzen Stadtgebiet verteilt. Da könne die Konsequenz nicht lauten, zahllose Bäume zu fällen.

Einwirkungen durch Laub oder Pflanzenteile sind nicht wesentlich und zumutbar

Grün und Gruga weist ausdrücklich auf die ökologische Bedeutung und das öffentliche Interesse an der Erhaltung des Baumbestandes hin. Schon daher würden „Einwirkungen durch beispielsweise Laub oder Pflanzenteile als nicht wesentlich und zumutbar“ angesehen, erklärt Christina Waimann, weist gleichzeitig auf ein entsprechendes Gesetz (Straßen- und Wegegesetz NRW) hin, in dem gar eine gesetzliche Duldungspflicht festgeschrieben sei. Diese betreffe die „Einwirkungen von Pflanzungen im Bereich des Straßenkörpers und der Nebenanlagen“.

„Es bleibt also alles, wie es ist“, sagt der 85-Jährige kopfschüttelnd, da er inzwischen auch an Oberbürgermeister Thomas Kufen geschrieben hat. Die Antwort gleicht der von Grün und Gruga – die Verunreinigung des Grundstücks gilt demnach als zumutbar – mit dem Verweis auf die ökologische Bedeutung.

Standfestigkeit des Baumes nicht hinterfragt

Dabei hinterfragt der Heisinger diese mitnichten. Und auch um die Standfestigkeit des Baumes, die Gutachter bestätigten, macht er sich keine Sorgen. Bei dem Gutachten sei es darum gegangen, dass von dem Baum keine Gefahr für den Verkehr ausgehe. „Ich habe die Standfestigkeit nie bezweifelt“, sagt der 85-Jährige. Baumsatzung, schön und gut: „Aber was ist mit der Belästigung, den Bürgern und dem Aufwand, der sich daraus ergibt?“

Hilfreich wäre aber doch vielmehr, an Wohnstraßen mit Berücksichtigung der baulichen Lage passende Bäume zu pflanzen. Heißt: kleinere, nicht solche, die über das Dach hinauswüchsen. „Das funktioniert in anderen Straßen doch auch“, weiß der Heisinger selbst aus seinem Stadtteil. Und hofft, die Stadt möge das überdenken.

Die Stadt Essen beantwortet die häufigsten Fragen zu Bäumen

Bäume beschäftigen viele Essener, die ganz verschiedene Fragen zum Thema haben. Daher hat die Stadt auf ihrer Internetseite häufig gestellte Fragen beantwortet. Dabei geht es etwa um die Arbeiten der Baumschnittkolonnen, wenn die Bürger anschließend kaum Veränderungen erkennen können. Und sich fragen: „Müssen die Bäume nicht stärker zurückgeschnitten werden?“ Die Stadt erklärt dazu, dass bei grundsätzlich gesunden Bäumen bei der Kronenpflege oft nicht sehr stark eingegriffen werden müsse. „Außerdem besteht die Kunst der Kronenpflege darin, nur eine geringe, kaum merkliche Veränderung des Erscheinungsbildes des Baumes zu verursachen.“

Immer wieder geht es um Bäume, die Grundstücke beeinträchtigen, da sie viel Schatten werfen. Zwar gehöre der Schattenwurf durch Bäume zu den sogenannten negativen Emissionen, heißt es dazu. Doch auch diese müssten geduldet werden, wenn es nicht unerträglich sei. Fazit: Schattenwurf durch Bäume müssen in der Regel in Kauf genommen werden.

Beschädigungen durch Wurzeln auf dem Gehweg

In anderen Fällen geht es um Beschädigungen wie durch Wurzeln, wenn diese den Gehweg vor Häusern anheben. Dann müssen Bürger sich ans Amt für Straßen und Verkehr, ehemals Tiefbauamt, wenden. Gegebenenfalls würden weitere Schritte in Zusammenarbeit mit Grün und Gruga erfolgen.

Wie es sich mit Verschmutzungen verhält, die Vögel von den Bäumen aus vor Häusern als auch auf Autos verursachen: Diese Frage falle unter den Tätigkeitsbereich der sogenannten Ortshygiene. Bäume seien für diese Art von Verschmutzung nicht verantwortlich. Die Zuständigkeit bei Problemen mit Kot von Vögeln liege daher beim Ordnungsamt, heißt es dazu. Und grundsätzlich: „In Zeiten des Klimawandels sollten wir alles daran setzen, die Bäume in unserer Stadt zu schützen und zu erhalten.“

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