Arbeit und Soziales

Altes Holz vom Recyclinghof wird zu neuem Essener Design

Michael Stelzner, Geschäftsführer der Neue Arbeit der Diakonie, Stephan Tschentscher, Geschäftsführer der Entsorgungsbetriebe Essen, und Sven Stornebel, Abteilungsleiter Kreativwerkstatt der Neue Arbeit der Diakonie (v.l.), sitzen an einem Tisch aus verleimten Spanplattenstreifen, auf dem Teelichthalter stehen.

Michael Stelzner, Geschäftsführer der Neue Arbeit der Diakonie, Stephan Tschentscher, Geschäftsführer der Entsorgungsbetriebe Essen, und Sven Stornebel, Abteilungsleiter Kreativwerkstatt der Neue Arbeit der Diakonie (v.l.), sitzen an einem Tisch aus verleimten Spanplattenstreifen, auf dem Teelichthalter stehen.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Die Neue Arbeit der Diakonie und die Entsorgungsbetriebe haben ein einzigartiges Projekt entwickelt. Es ist gleichzeitig ökologisch und sozial.

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Es mag Kunststück und Handwerk zugleich sein, aus Sperrmüll eine extravagante Möbelserie, aus örtlichem Altholz vom Reyclinghof ein unverkennbares Essener Design zu formen. Eins, das seinen fühlbaren Charme unsichtbar verleimten Streifen aus Spanplatten verdankt. Gerettet vor der Sperrmüllpresse sind diese Werkstoffe das so kostenlose wie nachhaltige Fundament für ein einzigartiges Projekt, das die Neue Arbeit der Diakonie derzeit mit Unterstützung der Essener Entsorgungsbetriebe vorantreibt.

Ein Team aus Handwerkern, Designern und Pädagogen fertigt gemeinsam mit gut einem Dutzend Langzeitarbeitslosen findige Produkte aus Recyclingmaterialien und Restwerkstoffen. So wie die Materialien für exklusive Tische, Sitzgelegenheiten, Kleinmöbel und Accessoires aus Naturstoff auch, verbinden sich durch diese Idee in den Werkstätten an der Langemarckstraße in Stoppenberg ökologische Abfallvermeidung, ein durchaus Bauhaus geprägter Nutzwert und soziales Handeln miteinander zu einem Ziel: Menschen ohne Job ein neues Selbstwertgefühl zu geben und Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen.

Preiswürdig ist das längst. „Hier sind Essener Sperrmüll und trendiger Konsum kein Widerspruch: Von einer extravaganten Möbelserie aus individuellen Holzplatten, für die recycelte Materialstreifen zusammengesetzt werden, über Notizblöcke, die auf Papierabfällen und Fehldrucken basieren, bis hin zu Taschen und Textilien aus gebrauchten Jeans und Segeltuch: Hier werden der Wegwerfgesellschaft kreative Ideen und bereits gebrauchte Materialien entgegengestellt“, heißt es in der Laudatio des „innogy Klimaschutzpreises“ für das Diakonie-Projekt „Kronenkreuz - Mensch, Handwerk, Design“, das übrigens auch schon mit dem Essener Umweltpreis ausgezeichnet worden ist.

Die Stücke sind nun auch in einem Showroom in Stoppenberg zu sehen

Nach den vielen bunten Häuschen, die ein Bücherregal ergeben, der Uhr „Albert“ oder dem Stofffrosch aus Walkloden ist die noch junge aus „Altholz-mach-schicke-Möbel-Idee“ der neueste Upcyclingwurf in Kooperation mit den Entsorgungsbetrieben. Die ersten sehenswerten Ergebnisse sind nicht nur im virtuellen Kronenkreuz.de-Onlineshop, sondern seit neuestem auch in einem Schauraum an der Langemarckstraße zu sehen (werktäglich von 10-14 Uhr).

Wer dort allerdings auf Billigheimer hofft, sieht sich enttäuscht. Handgefertigte Qualität und individuelles Design haben überall ihren Preis: Ein Esstisch aus Spanplatten-Streifen kostet 800, ein Stuhl 300, ein Hocker 150, ein Teelicht 25 Euro, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Dafür gibt’s aber auch die begehrten „Hat so sonst niemand“-Stücke, eben Einzigartiges.

Der Auslöser für die Zusammenarbeit zwischen dem gemeinnützigen kirchlichen Betrieb und der Stadttochter war schlicht ein notorischer Mangel, wissen Neue Arbeit-Geschäftsführer Michael Stelzner, EBE-Chef Stephan Tschentschner und Sven Stornebel, der das Sagen hat in der Kreativwerkstatt: „Wir hatten einfach nicht genügend Material.“

EBE-Mitarbeiter sortieren geeignete Hölzer an der Lierfeldstraße aus

Und die EBE eine Verantwortung für sogenannte „leistungsgewandelte Mitarbeiter“, die körperlich einfach nicht mehr so können wie früher einmal. Nun nehmen drei von ihnen das Altholz, das die Essener nicht mehr benötigen, an der Lierfeldstraße an, sortieren die geeigneten Stücke aus, die die Neue Arbeit dann regelmäßig dort abholt, um daraus Möbel bauen zu lassen. Auf die Planstellen des Trios, das nun die hölzerne Spreu vom Weizen trennt, rückten wiederum drei Langzeitarbeitlose nach, die, wenn sie sich bewähren, die Chance auf eine dauerhafte Anstellung bei der EBE haben. Klingt doch nach gelungener Kreislaufwirtschaft – hüben wie drüben.

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