Uniklinik Essen

An der Uniklinik sollen Kranke mehr Wohlfühlmomente erleben

Ein Wartebereich mit Lounge-Elementen in der Essener Uniklinik: An den Wänden hängen großformatige Fotos mit Sehnsuchtsmotiven. Auch das gehört zum

Ein Wartebereich mit Lounge-Elementen in der Essener Uniklinik: An den Wänden hängen großformatige Fotos mit Sehnsuchtsmotiven. Auch das gehört zum

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Urlaubsbilder, schnelles Internet, Chat mit dem Arzt: An der Uniklinik Essen sorgt ein Institut dafür, dass sich Patienten wohlfühlen.

In einem kleinen Videoclip ist eine Patientin zu sehen, deren Beatmung von Schläuchen unterstützt wird. „Hier bin ich nicht nur die Lunge von Zimmer sieben“, sagt die Frau, die zehn Jahre lang immer wieder in der Ruhrlandklinik behandelt worden ist. In dem Film fasst sie ihre Erfahrungen in schweren Momenten und hoffnungsvollen Stunden im Krankenzimmer zusammen. Patienten wie der Lungenkranken eine Stimme zu geben, das ist das Ziel eines neuen Instituts der Essener Universitätsmedizin. Sein Name: Institut für Patienten-Erleben.

Meinungen fließen in den Optimierungsprozess an der Uniklinik Essen ein

„Es geht uns darum, nicht nur über Patienten zu reden, sondern sie mit einzubeziehen. Dafür haben wir dieses Institut gegründet“, sagt Prof. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor der Essener Uniklinik. Das Institut sei das einzige dieser Art in Deutschland. Hier sollen die Meinungen der Patienten nicht nur gesammelt, sondern auch ausgewertet werden und einfließen in den Prozess einer ständigen Modernisierung und Optimierung des Krankenhausbetriebs. „Die Patienten sagen uns, was bei ihrem Aufenthalt gut lief, wo es Mängel gab und was wir wie besser machen können“, sagt Werner.

Geleitet wird das neue Institut von der ausgebildeten Krankenschwester und Businesscoach Monja Gerigk. „Uns liegen verschiedene Themen am Herzen“, sagt sie. Zum einen sei da die Raumgestaltung. „Wir möchten im Krankenhaus Orte schaffen, an denen sich vor allem die Patienten und ihre Angehörigen, aber auch die Mitarbeiter wohlfühlen.“ Das können die besonders bequemen Stühle im Wartezimmer sein. Oder die freundlichen XXL-Fotos, die eine Prise Urlaubsstimmung an einen Ort zaubern, der ganz schön weit weg liegt vom Meer. Genauso wie kleine Rückzugsorte für etwas Privatsphäre zwischen den Krankenzimmern.

Vor eineinhalb Jahren hat das Institut für Patienten-Erleben seine Arbeit aufgenommen

Seit etwa eineinhalb Jahren arbeitet das Institut für Patienten-Erleben an und in der Uniklinik und den angeschlossenen Häusern wie der Ruhrlandklinik in Heidhausen. „Die ersten Verbesserungen für die Patienten haben wir bereits erreicht“, sagt Monja Gerigk. Dazu gehöre der Ausbau des Internet-Angebots. „So etwas ist wichtig. Wenn die Patienten leichten Zugang zum Internet haben, können sie sich besser ablenken und Wartezeiten überbrücken.“

Auch der Kontakt zu den Selbsthilfegruppen und deren Dachorganisation Wiese wird kontinuierlich ausgebaut. Patienten sollen schon früh die Angebote der Selbsthilfe kennenlernen, der Aufbau neuer Gruppen soll unterstützt werden. Im Krankenhaus der Zukunft wird vieles digital sein, „Smart Hospital“ nennt Klinikchef Jochen Werner dieses Langzeitprojekt gerne.

Eine zu Herzen gehende Mail eines ehemals todkranken Patienten

„Auf diesem Weg möchten wir die Menschen nicht aus den Augen verlieren“, sagt Monja Gerigk, die das Institut für Patienten-Erleben leitet. Auch wenn es hier ebenfalls um die Digitalisierung geht: „Immer wieder hören wir von Patienten den Wunsch, dass sie sich papierlose Rezepte, also e-Rezepte wünschen würden.“ Oder auch einen Chat mit dem behandelnden Arzt. „Das kann gerade für Patienten von weiter weg eine gute Option sein, wenn sie nach einer Behandlung noch einmal den Rat des Arztes suchen.“

Auf Meinungsfang geht das Institut für Patienten-Erleben bei verschiedenen Aktionstagen, Selbsthilfe-Treffen oder auch bei der direkten Ansprache im Krankenhaus. Manchmal erreichen die Erfahrungsberichte der Patienten das Institut auch ganz unerwartet: So in einer Mail eines schwerkranken Patienten. Seine Angehörigen hatten sich schon darauf eingestellt, bald Abschied nehmen zu müssen. Doch nach 28 Tagen auf der Intensivstation konnte der Mann gerettet werden. Seine Dankesworte gehen zu Herzen. Kein Wunder, dass Monja Gerigk sagt: „Das ist eine hochbefriedigende Arbeit.“

>> WORKSHOPS UND PATIENTENTAG

  • In Kontakt zu den Patienten tritt das Institut für Patienten-Erleben auch über Workshops, von denen einige in Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe organisiert werden.
  • Ein weiterer wichtiger Termin steht im kommenden Jahr an: Der 2. Patiententag der Essener Universitätsmedizin am 18. Januar 2020.

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