Stadion Essen

Anfahrt zum Stadion Essen wird für RWE-Fans zur Geduldsprobe

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Das Stadion Essen bietet Besuchern mehr Komfort, die Anfahrt zählt aber nicht dazu.

Das Stadion Essen bietet Besuchern mehr Komfort, die Anfahrt zählt aber nicht dazu.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Das Verkehrskonzept für das Stadion Essen hält bei großem Fan-Andrang der Belastung nicht stand. Was passiert, wenn Rot-Weiss Essen aufsteigt?

Vor dem Spiel ist nach dem Spiel. Und wer den Platz als Sieger verlässt, ist wie wie immer offen. So viel aber steht fest: Wenn Rot-Weiss Essen am Samstag die Mannschaft des SC Wiedenbrück zum Heimspiel im Stadion Essen empfängt, werden die Fans wieder zu Tausenden zur Hafenstraße pilgern. Als Tabellenführer der Regionalliga-West erwartet RWE diesmal 10.000 Zuschauer. Einmal mehr dürfte das Verkehrskonzept dadurch auf eine harte Probe gestellt werden. Beim letzten Heimspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen hatte es diese Probe nicht bestanden. Doch Besserung ist nicht in Sicht.

Ärgerlich nennt RWE-Vorstand Marcus Uhlig, was sich da am Samstag, 2. Oktober, rund um das Stadion abspielte. Die Anreise mit dem Auto wurde zur Geduldsprobe. Aus Sicherheitsgründen hatte die Polizei nicht nur die Zufahrt von der Bottroper Straße in die Hafenstraße gesperrt. Auch der Sulterkamp war dicht. Die Ordnungskräfte wollten so verhindern, dass Essener und Oberhausener Fans, die auf diesem Weg ins Stadion geschleust werden, einander begegnen.

Auf dem Weg zum Stadion Essen mussten Fans einen Umweg über den Hafen fahren

Wer die Hafenstraße über die Bottroper Straße anfahren wollte, musste einen kilometerweiten Umweg in Kauf nehmen durchs nördlich gelegene Industriegebiet Econova inklusive Hafenrundfahrt.

Warum der Sulterkamp auch dann noch gesperrt blieb, als die Gäste-Fans ihre Plätze im Stadion bereits eingenommen hatten, wie Marcus Uhlig berichtet, ist eine Frage, die der RWE-Chef gerne diskutieren würde. „Unser Wunsch ist ein Gespräch mit allen Beteiligten, um nach Optimierungsmöglichkeiten zu suchen.“

Anders als das Derby gegen Oberhausen wird die Partie gegen Wiedenbrück nicht als Risikospiel eingestuft. Uhlig geht davon aus, dass die Zahl der Gäste-Fans überschaubar sein dürfte.

Der Sulterkamp wurde am 4. Oktober allerdings gesperrt, als bei Bauarbeiten in Höhe der Berne die Fahrbahn unterspült wurde und dadurch teilweise absackte. Die Emschergenossenschaft hat der Stadt inzwischen vorgeschlagen, die Straße einseitig in Richtung Hafenstraße freizugeben.

Der Umweg über das Econova-Gelände ist im Verkehrskonzept nicht vorgesehen

Beim Spiel gegen Oberhausen fragten sich Besucher, warum der Umweg über das Econova-Gelände nicht ausgeschildert war. Die Antwort: Im Verkehrskonzept ist diese Ausweichstrecke gar nicht vorgesehen. Denn der Stadthafen ist Privatgelände. Dass sich die Karawane dort ihren Weg sucht, wird toleriert.

Das Verkehrskonzept sieht vor, dass die Hafenstraße an der Kreuzung Bottroper Straße gesperrt wird, wenn mehr als 5000 Zuschauer erwartet werden. Denn dann wird es durch die Fußgänger erfahrungsgemäß eng auf der Hafenstraße, insbesondere in Höhe des Bahndamms und vor dem Hafenstübchen, wo viele Fans einen letzten Zwischenstopp einlegen.

In der Regel wird die Hafenstraße eine halbe bis eine dreiviertel Stunde vor Anpfiff gesperrt. Auch wer eine Parkkarte für die Parkplätze am Stadion besitzt, wird dann nicht mehr durchgelassen, erläutert Thorsten Steinmann von der städtischen GVE, die das Verkehrskonzept als Eigentümer des Stadions zu dessen Eröffnung gemeinsam mit der städtischen Verkehrsbehörde, mit der Polizei und mit Rot-Weiss Essen entworfen hat. Man sei davon ausgegangen, dass VIP-Gäste und Besucher der Haupttribüne, für die eine Verköstigung zum Spiel gehört, deutlich früher anreisen.

Wer spät dran ist, muss laut Verkehrskonzept über den Sulterkamp ausweichen. Es sei denn, es handelt sich um ein Risikospiel mit zahlreichen Gästefans. Ob der Sulterkamp gesperrt wird, entscheidet die Polizei je nach Sicherheitslage.

Auch die Anfahrt zum Stadion Essen über Vogelheim ist alles andere als ideal

Wer mit dem Auto zum Stadion will, sollte es nach dem Verkehrskonzept deshalb über über die Hafenstraße aus Richtung Norden oder über die Vogelheimer Straße anfahren. Auch dieser Weg ist alles andere als optimal und kostet Zeit – insbesondere jene, die von der Gladbecker Straße (B224) nach links in die Vogelheimer Straße abbiegen wollen. Pro Grünphase schaffen das immer nur zwei oder drei Pkw.

Das Verkehrskonzept ist für die Verantwortlichen immer wieder ein Thema, bestätigt Thorsten Steinmann. Aber: „Wir kommen seit Jahren nicht weiter.“ Mit dem Bau des Stadion Essen hat sich in Sachen Fan-Komfort vieles verbessert. Die Anfahrt gehört nicht dazu, das Parken rund ums Stadion nur bedingt.

Was aber, wenn Rot-Weiss Essen weiter so erfolgreich spielt und in dritte Liga aufsteigt? Die Zuschauerzahl dürfte dann wohl regelmäßig jenseits der 10.000 liegen.

Bei Konzerten im Stadion Essen waren es in der Vergangenheit mehr als 20.000. Besucher konnten auf dem Gelände des benachbarten Autokinos parken. Um es für Fußballspiele mit Fan-Trennung nutzen zu können, müsste ein neuer Zugang geschaffen werden, über den die Anhänger von RWE auf direktem Weg vom Parkplatz ins Stadion gelangen können. Ein Hindernis ist der Bahndamm. Schon vor Jahren sei über eine Rampe diskutiert worden, berichtet Steinmann. Die Alternative wäre ein Tunnel. „Aber wer soll das bezahlen?“

Komfortabler könnte die Anreise mit der Verlängerung der Straßenbahnlinie vom Krupp-Gürtel bis zum Stadion und weiter bis nach Vogelheim und sogar Bottrop werden. Überlegungen bei der Ruhrbahn gibt es – für die Zeit nach 2025.

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