Stadtplanung

Anwohner kündigt Klage gegen Wohnturm an der Huyssenallee an

Geschwungene Balkone sind das Markenzeichen des geplanten Hochhauses an der Huyssenallee.    

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Geschwungene Balkone sind das Markenzeichen des geplanten Hochhauses an der Huyssenallee.     Foto: OH

Essen.   Die Planungsverwaltung hat Bedenken gegen den Bau des Hochhauses an der Huyssenallee zurückgewiesen. Nachbarn wollen nun vor Gericht ziehen.

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Wenn der Ratsausschuss für Stadtplanung und Bauordnung am Donnerstag dem Bebauungsplan-Entwurf mit der Nummer 18/16 wie zu erwarten zustimmt, und auch der Rat der Stadt in der kommenden Woche dem Bau des 60 Meter hohen Wohnturms an der Huyssenallee seinen Segen gibt, ist die Sache für Anwohner Paul Jüngst längst noch nicht erledigt. Der Hauseigentümer, dem die Immobilie gleich neben dem geplanten Bauvorhaben gehört, will gegen den Bebauungsplan klagen. „Ich bleibe dabei: Ein solches Hochhaus passt nicht an die Huyssenallee. Wir haben hier keine New Yorker Verhältnisse. Die wollen wir auch gar nicht haben“, sagt Jüngst und kündigt an: „Dann kommt es eben zu einem Verwaltungsgerichtsverfahren.“

Jüngst hatte eine Rechtsanwaltskanzlei damit beauftragt, seine Interessen als unmittelbar Betroffener zu vertreten. Doch sämtliche Einwände, die seine Anwälte im Rahmen der gesetzlich vorgeschlagenen Offenlage des Bebauungsplanentwurfs gegen das Bauvorhaben formulierten, wurden von der städtischen Planungsverwaltung verworfen. Der geplante Wohnturm, der mit 60 Metern Höhe die umliegenden Gebäude deutlich überragt, sei keinesfalls zu hoch. Vielmehr sei es das ausdrückliche Ziel der Planung, einen „städtebaulichen Akzent“ zu setzen – als „Gegenpol zur Philharmonie und dem Stadtgarten“, entgegneten die Fachleute im Deutschlandhaus.

„Es gibt Häuser, die sehen keine Sonne mehr“

Jüngsts Anwälte hoben vor allem auf darauf ab, dass ein solch großes Gebäude zwangsläufig je nach Sonnenstand einen langen Schatten auf die angrenzende Bebauung werfen wird. „Es gibt Häuser, da sehen Sie keine Sonne mehr“, fürchtet Jüngst. Tatsächlich wird sich die Situation in der gegenüberliegenden Häuserzeile an der Heinrichstraße durch den Schattenwurf verschlechtern, räumt die Planungsverwaltung ein. Dies allerdings nur geringfügig auch nur in den unteren Geschossen.

Als zumutbar wertet die Verwaltung auch die zu erwartende Zunahme des Autoverkehrs; die Planer rechnen mit täglich 473 Fahrten. Parkplätze gebe es jedoch genug, die vorgesehene Tiefgarage sei mit mehr als 200 Stellplätzen ausreichend dimensioniert.

Dass Balkone über den öffentlichen Verkehrsraum ragen, sei üblich. Allenfalls ein „kleiner Teil“ der Baumkronen“ müsse zurückgeschnitten werden. Jüngsts Rechtsbeistand hatte auch daran Anstoß genommen.

Auch der Umstand, dass die gegenüberliegende Philharmonie unter Denkmalschutz steht, spricht aus Sicht der Verwaltung nicht gegen ein Hochhaus an der Huyssenallee. „Zweifelsohne erscheint der geplante 60 Meter hohe Wohnturm sehr hoch, wenn man aus der Philharmonie tritt“, heißt es dazu in der Stellungnahme der Stadt. Dies sei jedoch kein Kriterium, da das Denkmalrecht allein den Blick auf das Denkmal schütze, nicht aber den Blick aus dem Denkmal.

Lob von der Interessengemeinschaft Rüttenscheid

„Damit war zu rechnen“, kommentiert Paul Jüngst die Entgegnung der Planungsverwaltung. „Die wollen das durchwinken“, ist er überzeugt. Neben Paul Jüngst hatte eine ganze Reihe von Betroffenen ähnliche oder gleichlautende Bedenken gegen das Bauprojekt des Essener Investors Peter Jänsch vorgebracht. „Einige Anlieger“, so Jüngst, „werden sich der Klage anschließen.“ Die Interessengemeinschaft Rüttenscheid (IGR) gehört nicht dazu. Deren Vertreter hatte das Projekt in seiner Stellungnahme ausdrücklich gelobt: Er wünsche sich in dieser Stadt, die ja Großstadt sein möchte, mehr Mut zu markanter Architektur.

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