Raserszene

Anwohner verlangen Bremse für Raserszene in Essen-Altendorf

Die Anwohner des Ehrenzeller Platzes in Altendorf, Nicole Baustian und Frank Luthe, protestieren mit Unterstützung durch Streetworker Alfred Allroggen (rechts) gegen die Raser in ihrem Wohnquartier. Foto Services

Die Anwohner des Ehrenzeller Platzes in Altendorf, Nicole Baustian und Frank Luthe, protestieren mit Unterstützung durch Streetworker Alfred Allroggen (rechts) gegen die Raser in ihrem Wohnquartier. Foto Services

Foto: Klaus Micke / FUNKE Foto Services

Essen-Altendorf.  Es könnte ein ruhiges Wohnquartier in Essen-Altendorf sein. Doch die Raserszene sorge für Gefahren auf den schmalen Straßen, beklagen Anwohner.

Raser rund um den Ehrenzeller Platz in Altendorf bringen die Anwohner in Rage. Mit einer Unterschriftensammlung verlangen sie jetzt von der Stadt eine „zeitnahe Gefahrenabwehr“, sprich bauliche Veränderungen auf den Straßen. „Trotz offizieller 30er Zonen hält sich nahezu niemand an die Geschwindigkeitsbegrenzung“, berichtet Frank Luthe. Rund 100 Unterschriften hat er bereits beisammen. In der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung III am Donnerstag, 21. November, 17 Uhr im Lighthouse, Liebigstraße 1, wird er sie Bezirksbürgermeister Klaus Persch überreichen. „Ich gebe sie dann weiter, um der Sache Nachdruck zu verleihen“, kündigt dieser seine Unterstützung an, damit die Straßen umgebaut werden.

Am Essener Niederfeldsee ist es laut Polizei ruhiger geworden

Die sogenannte Poser-Szene ist in Altendorf nicht neu. Am Niederfeldsee ist sie den Anwohnern mit den aufgemotzten Limousinen, röhrenden Auspuffrohren und quietschenden Reifen schon gehörig auf die Nerven gefallen. Die Polizei hat ein Auge auf die Szene geworfen und zwar mit Erfolg, wie Pressesprecher Christoph Wickhorst sagt: „Wir haben ein bisschen mehr Ruhe reinbekommen.“

Auf Kosten des Ehrenzeller Platzes? Nicole Baustian hat jedenfalls den Eindruck. „Wenn ich sehe, wie sie hier rasen, kriege ich so eine Krawatte“, schimpft die Mutter der siebenjährigen Emilia. Dass gerade Kinder am Ehrenzeller Platz gefährdet sind, hat Frank Luthe schon häufig beobachtet: „Die Autos fahren hier wie die Idioten durch, besonders nachmittags. Ich bin schon direkt vor ein Auto gesprungen, damit ein Kind nicht überfahren wird.“ Doch statt auf Verständnis zu stoßen, werde man von den Fahrern noch ausgelacht oder sogar übel beschimpft. Und der Hinweis auf die Tempo-30-Zone werde lässig beiseite geschoben: „Das Knöllchen zahle ich, kein Problem.“

Sackgasse Haskenstraße wird gerne ignoriert

Hoffnung auf mehr Ruhe hatten die Altendorfer, nachdem die Stadt die Durchfahrt durch das Quartier von der Altendorfer Straße aus dicht gemacht hatte. So ist die Einfahrt der Haskenstraße eine Sackgasse – eigentlich. Doch man muss nicht lange warten, bis sich ein Autofahrer zwischen Poller und Verkehrsschild durchquetscht. Und das sind längst nicht immer die „Poser“, deren Schlitten hier gar nicht hindurchpassen, sondern auch Mittelklassewagen.

Verkehrsregeln werden, so berichten die Altendorfer, sowieso eher locker gesehen. So werde der Park mit Spielplatz zwischen Ehrenzeller Platz und Niederfeldstraße gerne von Autofahrern als Abkürzung genommen. Und dass beim Abbiegen mal geblinkt wird, ist oftmals nur ein frommer Wunsch.

Zwei Unfälle mit Verletzten und Schrottautos

Dass da Unfälle mit Verletzten nicht ausbleiben, wie berichtet wird, bestätigt die Polizei. Zweimal krachte es demnach seit September vergangenen Jahres an der Hüttemann-/Helenenstraße sowie an der Hüttemann-/Haskenstraße. Leichtverletzte und nicht mehr fahrbereite Autos waren die Folge. Die Zahl der Unfälle mit lediglich Sachschäden kommen noch dazu. Streetworker Alfred Altroggen hat beobachtet, „dass es hier schon mindestens fünf Mal gekracht hat“. Der 58-Jährige kümmert sich im Dienst des Diakoniewerks und im Rahmen des Projekts MifriN (Migranten in friedlicher Nachbarschaft) um die Menschen am Ehrenzeller Platz.

Die Gefahren auf den schmalen Straßen bestätigt wiederum Roswitha Kern. Sie genießt eigentlich den morgendlichen Kaffee am Bistro, ist aber trotzdem geladen: „Hier kapieren viele nicht, dass sie langsam fahren sollen. Die kommen hier mit Handy oder Kaffeebecher in der Hand vorbei. Es fehlen Pöller, damit das aufhört.“

Damit liegt sie auf einer Linie mit Frank Luthe, der weitere Unterschriften sammelt.

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