Nahverkehr

App ermöglicht in Essen kostenlose Mitfahrt in Bahn und Bus

Seit wenigen Tagen ist eine App auf dem Markt, die die kostenlose Mitfahrt einer Begleitperson erleichtert. Sie stellt den Kontakt zu Monatsticket-Beisitzern her. In Essen fuhren schon Hunderte auf dem Ticket eines Anderen mit.F

Seit wenigen Tagen ist eine App auf dem Markt, die die kostenlose Mitfahrt einer Begleitperson erleichtert. Sie stellt den Kontakt zu Monatsticket-Beisitzern her. In Essen fuhren schon Hunderte auf dem Ticket eines Anderen mit.F

Foto: Klaus Micke

essen.   In Essen sind in den vergangenen Tagen zusätzlich mehrere hundert Fahrgäste auf dem Ticket des anderen mitgefahren. Eine App macht das möglich.

Zwei Start-Up-Gründer wollen einen teilweise kostenlosen Nahverkehr auch in Essen ermöglichen. Bei der Ruhrbahn kommt da nicht gerade Freude auf. In Essen fuhren in den ersten Tagen schon mehrere hundert Begleiter auf dem Ticket des Dauerkunden mit.

Über 115.000 Bahn- und Bus-Fahrer pendeln in Essen mit einem Monatsticket der Ruhrbahn. Am Abend und am Wochenende dürfen die Ticket-Kunden mindestens eine Person gratis mitfahren lassen. Doch viele Abo-Kunden sind trotzdem allein unterwegs.

Das soll sich ändern. Ein Bochumer Start-Up-Unternehmen, das vor wenigen Monaten auf Zeche Zollverein einen Innovationspreis bekommen hat, will in Essen und anderen Revierstädten die kostenlose Mitfahrgelegenheit erleichtern und Stammkunden und interessierte Mitfahrer über die jetzt auf den Markt gebrachte App „karmaticket“ zusammenbringen. Die Ruhrbahn reagiert eher verhalten.

Initiator will Essener Fahrgäste zusammenbringen

Zwar begrüßt es jeder Verkehrsbetrieb, wenn mehr Menschen auf Bahn und Bus umsteigen. Machen dies jetzt aber viele mit Hilfe solcher Fahrgemeinschaften zum Nulltarif, könnte das die Einnahmesituation etwas in Schieflage bringen. Das erklärt auch die Zurückhaltung bei der Ruhrbahn. Grundsätzlich haben zwar die meisten Monatstickets eine kostenlose Mitnahme-Option, erklärt Ruhrbahn-Sprecherin Simone Klose. „Ob und wie die Ticketinhaber die Möglichkeit nutzen, steht jedem selbstverständlich frei.“ Mehr sei dazu nicht zu sagen.

Für den Mitgründer des Start-Up-Unternehmens „Karmaticket“, Jan C. Lubitzsch, ist die Sache ganz einfach. „Die Ticket-Besitzer haben dafür gezahlt, dass sie jemanden mitnehmen dürfen. Und dies soll mehr genutzt werden.“ Damit entlaste man nicht nur die Umwelt, indem der Nahverkehr stärker ausgelastet werde. „Es geht uns auch um die sozialen Aspekte“, betont Lubitzsch. Die App fördere die Gemeinschaft, vor allem könnten auch Fahrgäste, die über wenig Geld verfügen, davon profitieren.

Das bisherige Problem, so Lubitzsch, war, dass sich am Bahnsteig kaum spontane Mitfahrgelegenheiten bieten. Dort treffen Fremde auf Fremde, die nie vorher etwas voneinander gehört haben. Die App aber bringt Ticket-Besitzer und potenzielle Mitfahrer mit wenigen Klicks vorher zusammen, verspricht das Unternehmen. Der Ticket-Besitzer kann sich anmelden, Start, Ziel und Uhrzeit angeben und jemanden zur Mitfahrt einladen. Umgekehrt kann auch der Mitfahrer seine Fahrtwünsche angeben und auf Antwort warten. Kommen zwei zusammen, öffnet die App für sie ein Zeitfenster, damit sie sich verabreden können. Ganz kostenlos ist die Mitfahrt aber nicht. Begleitpersonen zahlen für die App-Nutzung eine Monatspauschale von bis zu sechs Euro.

Das Risiko, plötzlich ein Schwarzfahrer zu sein

Erst seit dem 8. Oktober ist die App „karmaticket“ aktiv, schon gibt es mehrere hundert Anmeldungen, darunter auch viele mit An- und Abfahrtzeiten in Essen, berichtet das Unternehmen. Mitfahrende sollten sich allerdings vergewissern, auf welchem Ticket sie mitfahren, denn im Falle eines Irrtums gelten sie beim Kontrolleur als Schwarzfahrer.

Da muss man sich im Tarif-Dschungel genau auskennen. So dürfen beim Sozialticket montags bis freitags ab 19 Uhr sowie ganztägig an Wochenenden und Feiertagen nur Kinder mitgenommen werden. Auch das besonders häufig gekaufte Ticket 1000 lässt nur bis zu drei Kinder als Mitfahrer zu. Beim Semester-Ticket ist eine Begleitperson möglich, ebenso beim YoungTicket Plus für Azubis, und das explizit nicht an Feiertagen.

Das Ticket 2000 und das Bären-Ticket (Senioren) gelten verbundweit zu den eingeschränkten Zeiten für immerhin einen mitfahrenden Erwachsenen und für bis zu drei mitfahrende Kinder unter 15 Jahren. Das geht zwar auch mit dem Firmen-Ticket, aber nur „im jeweiligen Geltungsbereich“.

VIELE FAHRGÄSTE SIND MIT MONATSKARTE UNTERWEGS

In Essen haben 44.293 Kunden ein Ticket 1000 oder 2000, 6685 ein Young-Ticket, 4033 ein Bären-Ticket, 19.276 ein Sozialticket, 13.448 ein Firmen-Ticket, 27.396 ein Semester-Ticket.

Bereits 2015 gab es die Initiative einer Studentin und der Caritas Essen, Flüchtlinge als Begleitpersonen in Bahn und Bus kostenlos mitzunehmen. Dafür wurde ein spezieller Sticker erstellt.

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