Klimawandel

Appell: „Klimaentscheid Essen“ fordert mehr Verbindlichkeit

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Fordern „mehr Verbindlichkeit, mehr Tempo und mehr Effektivität“ beim Klimaschutz (von links): Norbert Strauß (Klimaentscheid), Michael Druen (Evangelische Kirche und Umweltbeirat), Superintendentin Marion Greve, Günther Schlegelmilch (Vorsitzender vom Beirat Umweltfragen), Sven Borghs (Klimaentscheid), Petra Boesing (Klimaentscheid).

Fordern „mehr Verbindlichkeit, mehr Tempo und mehr Effektivität“ beim Klimaschutz (von links): Norbert Strauß (Klimaentscheid), Michael Druen (Evangelische Kirche und Umweltbeirat), Superintendentin Marion Greve, Günther Schlegelmilch (Vorsitzender vom Beirat Umweltfragen), Sven Borghs (Klimaentscheid), Petra Boesing (Klimaentscheid).

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Die Initiative „Klimaentscheid Essen“ fordert mehr Verbindlichkeit und mehr Tempo beim Klimaschutz. Was aus ihrer Sicht schief läuft.

Unter dem Motto „Essen kann mehr“ richtet der Klimaentscheid Essen einen eindringlichen „Klima-Appell“ an die Stadt Essen. Von Politik und Verwaltung fordert die Initiative „mehr Verbindlichkeit, mehr Tempo und mehr Effektivität“ beim Klimaschutz.

Unterstützt wird der Klimaentscheid dabei von gesellschaftlichen Gruppen und Institutionen, darunter der Naturschutzbund (Nabu) und die Evangelische Kirche. „Für uns gehört das zur DNA“, sagte Superintendentin Marion Greve und kündigt an, dass der Klimaschutz zentrales Thema der Kreissynode im Mai nächsten Jahres sein werde.

Auch in Essen ist Bewegung kommen in das Thema Klimaschutz. Die Stadt hat ihr ursprüngliches Ziel einer Klimaneutralität bis 2050 inzwischen korrigiert. „Das schreiben wir uns auf die Fahnen“, sagt Norbert Strauß, einer von drei Vertretungsberechtigten des Klimaentscheides Essen. Aber: „Aus unserer Sicht wird nach wie vor zu wenig getan“, so Strauß.

Stadt Essen: Zielmarke für Klimaneutralität 2030 bis 2014

Die neue Zielmarke der Stadt Essen für eine Klimaneutralität lautet 2030 bis 2040. Dem Klimaentscheid ist das zu unkonkret und fordert von Politik und Verwaltung mehr Tatkraft. Notwendig sei ein „Mentalitätswechsel“, sagt Sven Borghs, auch einer der Vertretungsberechtigten. „Verzicht muss sich nicht als Verlust darstellen.“ Von der Verwaltung fordert Borghs, weniger Probleme, die eine Entscheidung pro Klimaschutz nach sich zieht, in den Vordergrund zu stellen, als die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.

Als Beispiel nennen die Initiatoren des Klimaentscheides die jüngst öffentlich gewordene Begründung der Stadt, warum sich der Mittelstreifen der vielbefahrenen Gladbecker Straße nicht begrünen ließe: Die Pflanzen litten unter der schlechten Luft, ein Grünstreifen müsse regelmäßig gegossen werden, was Staus produziere. Anwohner der Gladbecker Straße, die teils seit Jahrzehnten mit diesen Bedingungen leben müssen, würden so von der Stadt verhöhnt.

Klimaentscheid Essen: Politik und Verwaltung verzetteln sich

Weitere Beispiele: Die aktuelle Diskussion um die Fahrradstraße auf der Rüttenscheider Straße, die nur auf Druck einer Klage der Deutschen Umwelthilfe eingerichtet wurde, oder die Taktverdichtung auf der Schnellbuslinie SB15, die wieder zurückgenommen wurde, weil der Bus zu oft auf der Ruhrallee im Stau steht – statt eine Fahrspur für den ÖPNV frei zuhalten, beklagt Petra Boesing vom Klimaentscheid Essen.

Zwar hat die Stadt den Modal Split von 25 Prozent zum Ziel erklärt, wonach bis 2035 alle zurückgelegten Wege sich zu je einem Viertel auf das Auto, den ÖPNV, das Fahrrad oder die eigenen zwei Beine verteilen sollen. Dieses Ziel werde jedoch nicht mit genügend Nachdruck verfolgt. Stattdessen verzettelten sich Politik und Verwaltung in Diskussionen über einzelne Maßnahmen wie das Beispiel Fahrradstraße in Rüttenscheid zeige. Viel wichtiger sei ein Gesamtkonzept für den Klimaschutz, das mit entsprechenden finanziellen Mitteln im städtischen Haushalt hinterlegt werden müsse. An der Umsetzung seien die Bürger stärker zu beteiligen, als es bislang der Fall sei. Der Stadt selbst solle beim Klimaschutz „mit gutem Beispiel vorangehen“.

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