Es ist nicht so, dass die Stadtbibliothek sich nicht mühte: Sie lockt die jungen Leute mit einem eigens gestalteten Bereich „14+“, sie hält Mangas und Hörbücher bereit, PC- und Konsolenspiele, Lernmaterialien, auch das, und allerlei Bücher „zu trendigen Themen“. Und dennoch brechen die Nutzungszahlen in der Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen überproportional ein.

1876 junge Essener im genannten Alter verfügten 2017 überhaupt nur über eines Ausweis. Zum Vergleich: Mehr als 40 000 Essener gibt es im Alter von 10 bis 17, Tendenz leicht steigend.

Sind acht Euro im Jahr vielleicht zu viel?

Möglich, dass der Nachwuchs lieber mit dem Smartphone daddelt, Instagram-Stories guckt und Lesen für Zeitverschwendung hält, denkbar aber auch, dass im Zeitalter der Kostenlos-Kultur auch acht Euro Jahresbeitrag zu viel sind. Aus diesem Grund sollen nach den Kindern bis elf Jahren künftig auch die jungen Leute von 12 bis 17 von der Nutzungsgebühr befreit werden. So sieht es die geänderte Gebührensatzung der Stadtbibliothek vor, die in den kommenden Wochen in der lokalen Politik diskutiert und Mitte Juli im Rat verabschiedet werden soll.

Die Mindereinnahmen halten sich mit ziemlich genau 15 000 Euro in Grenzen, gleichwohl ist geplant, die erwarteten finanziellen Einbußen an anderer Stelle zu kompensieren. So soll der Jahresausweis für Erwachsene – 12 500 sind davon ausgegeben – fortan 22 statt 20 Euro kosten. Nach neun Jahren sei dies eine „moderate und angemessene“ Erhöhung, heißt es bei der Stadt.

Auch an anderen Gebührenschrauben drehen

Auch an anderer Stelle will man bei der Gelegenheit ein wenig an der Gebührenschraube drehen: Vormerkungen etwa sollen künftig einen Euro statt 50 Cent kosten und die Bearbeitungsgebühr für Mahnungen 5 statt 2,50 Euro. Unverändert bleiben die Jahresgebühr für Arbeitslose bei zehn Euro und die Gebühr für überschrittene Leihfristen von 25 Cent je Öffnungstag.

Daneben ist geplant, einen Vierteljahresausweis für acht Euro anzubieten, von dem vor allem Gaststudenten profitieren, die sich nur für einen überschaubaren Zeitraum in der Stadt aufhalten. Unterstellt, dass die bisherigen Nutzungszahlen konstant bleiben, stünden unterm Strich Mehreinnahmen von gut 28 000 Euro.

„Onleihe“ und Sprachkurse

Ob sich bei jungen Lesern die Nutzungszahlen durch den Gebührenverzicht stabilisieren oder gar erhöhen lassen, muss offenbleiben. Die Vielfalt des Angebots jedenfalls, rechtfertige die Preiserhöhung an anderer Stelle allemal.

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So haben eingeschriebene Nutzer neben dem Bestand an Büchern, CDs und DVDs in wachsendem Maße auch die Möglichkeit, online in E-Books, Zeitungen und Zeitschriften zu stöbern, ohne auch nur einen Fuß in die Bücherei zu setzen („Onleihe“). Auch Kurse in 30 Sprachen über den Anbieter Rosetta Stone sind möglich.

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In den stadtweit 17 städtischen Bibliotheken gibt es knapp 731 000 Bücher im physischen Bestand. Weitere rund 13 800 Medien sind online verfügbar (Jahresbericht 2015).

Ende vergangenen Jahres notierte die Stadtbibliothek 12 501 erwachsene Benutzer und 1876 im Alter von 12 bis 17 Jahren.

Pro Tag wurde die Bibliothek im Schnitt 2024 mal besucht.