Zum Aufmarsch der selbsternannten „Eltern gegen Gewalt“ sind am Sonntag laut Polizei 500 Demonstranten nach Essen-Steele gekommen, 1000 Teilnehmer waren angemeldet. Das Bündnis "Essen stellt sich quer" hat rund 800 Menschen mobilisiert, die gegen den Aufmarsch protestierten. Wie die Polizei in ihrer Bilanz meldete, waren Demo und Gegendemo gegen 16.00 Uhr beendet - weitgehend friedlich. Der Einsatzleiter der Polizei, Polizeidirektor Detlef Köbbel, zeigte sich mit dem Einsatzverlauf zufrieden: "Unser Konzept der Trennung und des konsequenten Einschreitens ist aufgegangen." Vor Ort waren mehrere Polizeihundertschaften, auch aus einem Hubschrauber wurden die Aktivitäten in Steele beobachtet.

Größere Auseinandersetzungen gab es offenbar nicht - es kam nur zu kleineren Rangeleien. Laut Polizei wollten etwa 100 Gegendemonstranten den Zug der „Eltern gegen Gewalt“ stören, vier Vermummte wurden von der Polizei festgesetzt. Dabei haben sie offenbar Widerstand geleistet - es gab entsprechende Strafanzeigen. Die vier wurden bis zum Ende der Veranstaltungen in Gewahrsam genommen. Drei der Personen waren minderjährig, bei einem wurde ein messer gefunden. Solche kleineren Zwischenfälle seien "bei solchen Veranstaltungen aber normal", sagt eine Polizeisprecherin auf Nachfrage. "Wir haben alles im Griff."

Circa 450 Menschen sind dem Aufruf des Bündnisses
Circa 450 Menschen sind dem Aufruf des Bündnisses "Essen stellt sich quer" gefolgt. © Gordon Strahl

Bei der Bundespolizei, die neben dem Steeler Bahnhof auch die Hauptbahnhöfe in Essen und den Nachbarstädten sicherte, hatte man mit mehr Problemen gerechnet, räumt deren Sprecher Volker Stall an. Gerade mal insgesamt 70 bis 90 Demonstrationsteilnehmer beider Lager seien mit der Bahn angereist. „Es ist wohl der friedlichste Einsatz, den die Bundespolizei seit langem hatte“, resümiert Stall.

AfD-Betrüger durfte reden

Um 14 Uhr begann die von Sympathisanten der rechten Szene angemeldete Demo: Unter den Rednern war auch der Ex-AfD-Politiker Thomas Matzke, der als Höcke-Freund gilt. Der ehemaligen Chef des AfD-Kreisverbandes Rhein-Sieg wurde aus der rechten Partei ausgeschlossen, da er Spendengelder gestohlen haben soll. Auf der Demo schimpften er und drei weitere Redner über die „unehrliche Politik und Presse“ und beschworen durch Flüchtlinge ausgelöste Untergangsszenarien. Die Demonstranten von „Essen stellt sich quer“ kommentierten dies mit lautstarken Pfiffen. Deren Redner warben für ein friedliches Miteinander. Gegen 16 Uhr lösten sich beide Kundgebungen friedlich auf.