Das hatten wir doch schon? Karstadts drohender Exodus aus Essen, die Sorge der Mitarbeiter um ihren Job, der Frust der Gewerkschafter, die Appelle des OB? Ziemlich genau zwei Jahre ist es jetzt her, dass ein monatelanges Gezerre um die Konzernzentrale von Karstadt ein glückliches Ende für Essen fand. „Karstadt bleibt“, hieß es damals. Jetzt plötzlich steht wieder im Raum: Karstadt geht.

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Und es verdichtet sich die Meldung der Düsseldorfer „Wirtschaftswoche“, dass im Zuge einer Fusion der beiden Kaufhaus-Riesen Karstadt und Kaufhof die neuen Zentrale irgendwo in NRW platzieren – nur nicht in Essen.

OB bedauert, „dass bei Karstadt keine Ruhe reinkommt“

Von entsprechend „empörten und verunsicherten“ Mitarbeitern – immerhin knapp 1000 an der Zahl –, berichtet der Betriebsrats-Vorsitzende der Bredeneyer Hauptverwaltung Arno Leder, die hiesigen Wirtschaftsförderer kündigen Gespräche an, und Oberbürgermeister Thomas Kufen bedauert, „dass bei Karstadt keine Ruhe hineinkommt und die Mitarbeiter erneut ein Wechselbad der Gefühle erleben: Sie sind es vor allem, die mit ihrem Verzicht auf Gehalt und Prämien Karstadt gerettet haben.“

Und die jetzt so alarmiert sind wie die Stadtspitze: Die hofft, dass wenn schon nicht die jahrzehntelange Karstadt-Tradition so doch vielleicht der erst vor zwei Jahren bis ins Jahr 2028 verlängerte Mietvertrag über 30 000 Quadratmeter Bürofläche in der Bredeneyer Zentrale das Unternehmen in Essen hält. Eigens dafür war ein groß angelegter Umbau eingestielt. Alles nun für die Katz’? Beim Eigentümer des 108 000 Quadratmeter großen Areals, dem Leipziger Immobilien-Unternehmen „Publity AG“, das die Fläche erst im Juni 2016 erwarb, mochte man gestern keinen Kommentar abgeben: „Wir müssen selber erst schauen, wie wir uns dazu positionieren“.

Essen gilt als groß genug für zwei Warenhäuser

Auch alle anderen Beteiligten halten sich offiziell bedeckt, was auch Bestandsgarantien für die Warenhäuser einschließt. Zwar heißt es, mit dem Umsatz in der Essener Kaufhof-Filiale am Willy-Brandt-Platz sei die kriselnde Kaufhaus-Kette nicht so recht zufrieden. Als gefährdet gilt der Standort im Falle einer Fusion mit Karstadt aber nicht zwingend. Grund: Anders als in einigen anderen Städten wie Trier oder Münster liegen die beiden Flaggschiffe von Karstadt und Kaufhof in Essen nicht nah beieinander, sondern im Gegenteil am jeweils entgegengesetzten Ende der Innenstadt.

Weshalb gilt, was man schon 2009, bei der Insolvenz der Karstadt-Mutter Arcandor, formulierte: „In einer Stadt wie Essen ist Platz für zwei große Warenhäuser.“

>>> DIE KARSTADT-ZENTRALE – LÄNGST DEUTLICH GESCHRUMPFT

In vier Gebäuden bietet die alte Karstadt-Zentrale in Bredeney 109 000 qm Bruttogeschossfläche, doch nur 30 000 qm davon nutzt der Kaufhaus-Riese noch.

Für die übrigen Flächen fand der neue Eigentümer „Publity AG“ aus Leipzig diverse andere Nutzer – und zuletzt die Polizei, die dort für 30 Jahre einen neuen Stützpunkt mit 26 800 qm belegt. Damit sind laut „Publity“ 83 Prozent des Areals belegt.