Essen. . Zwischen Fußgängern und Radlern kommt es immer wieder zu Beinahe-Unfällen auf gemeinsamen Trassen. Die Stadt hat jetzt eine Kampagne gestartet.

Auf den Ausflugs-Trassen von Grün und Gruga (GGE) hat der Radverkehr deutlich zugenommen. Und: Es wird schneller gefahren. Dafür sorgen nicht nur die elektrobetriebenen Pedelecs. GGE-Grünplaner Herrmann-Josef Steins führt dieses Phänomen auch auf die vor drei Jahren begonnene Asphaltierung der gemeinsamen Rad- und Fußwege zurück. Er weiß: „Damit nehmen die Konflikte zu. Wir haben mehr Proteste von Fußgängern.“ Steins setzt auf Einsicht. Auf seine Initiative hin haben sich Stadt, Polizei, ADFC und Verkehrswacht zusammengetan und die Aufklärungskampagne „Gemeinsam mit Rücksicht“ gestartet.

An 13 neuralgischen Stellen, etwa am Niederfeldsee, in Höhe Annental oder an der „Zornigen Ameise“ werden nun ungewöhnliche, besonders auffällige Warnschilder aufgestellt, die mit einem zwinkernden Auge und Humor alle Verkehrsteilnehmer zu mehr Vorsicht bewegen sollen.

Ungewöhnliche Warnschilder an Essener Gruga-Trasse

Bewusst ist dabei auf den mahnenden Zeigefinger verzichtet worden. Vielmehr nimmt der beauftragte Grafiker Marcus Wenning mit Comic-Motiven den ein oder anderen Verkehrsteilnehmer aufs Korn: den rasenden Biker, den Hundehalter mit der viel zu langen Leine, den schlitternden Inline-Skater. Auf einem der insgesamt vier Motive zeigt er deutlich, auf welch engem Platz sich alle ihren Weg bahnen müssen – vom Radfahrer bis zur Frau mit dem Rollator und der Mutter mit dem Kinderwagen.

„Wenn man an so einem Ort nicht Rücksicht nimmt, geht es schief“, betont Umweltdezernentin Simone Raskob. Sie steht an so einer konfliktträchtigen Stelle, wo die ersten Schilder stehen: auf der Gruga-Trasse unweit der Orangerie. Dort, wo es besonders auch am Wochenende „brummt“, so Raskob. Der gemeinsame und nur knapp über drei Meter breite Rad- und Fußweg ist auch an diesem sonnigen Freitagmittag so stark frequentiert, dass manche Radfahrer im Zick-Zack-Kurs an Fußgängern vorbeifahren.

ADFC für Trennung von Radlern und Fußgängern

„Das Beste wäre, Fußgänger und Radfahrer zu trennen“, sagt ADFC-Sprecher Jörg Brinkmann und verweist auf das fertig gestellte Teilstück des Radschnellweges RS1 an der Mülheimer Stadtgrenze. Auf Mischflächen sei es aber wichtig, das Tempo hier und da zu bremsen. „Alle Verkehrsteilnehmer müssen Rücksicht nehmen“, sagt Brinkmann und bezieht damit die Radfahrer ausdrücklich mit ein.

„Wir wollen mehr Miteinander und nicht Gegeneinander erleben“, ergänzt Karl-Heinz Webels, Vorsitzender der Essener Verkehrswacht. Die comic-hafte Aufarbeitung des Themas gefällt auch Rolf Fliß, Vorsitzender des Bau- und Verkehrsauschusses: „Das kommt viel besser an als eine Kommandostimme.“

Polizeidirektor Wolfgang Packmohr, der die Aktion ebenfalls unterstützt, zitiert trotzdem lieber aus der Straßenverkehrsordnung, konkret den Paragrafen 1: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ Mit diesem einen Satz ist alles gesagt.

>>RAD- UND FUSSWEGE IM GRÜNEN SIND BEGEHRT

Mit dem Programm „Neue Wege zum Wasser“ vergrößert die Stadt das Rad- und Fußwegenetz.

Eine besonders häufig genutzte Verbindung ist die rund elf Kilometer lange Gruga-Trasse, die nahezu kreuzungsfrei durchs Stadtgebiet verläuft.

Die Polizei kontrolliert verstärkt auf Rad- und Fußtrassen.