Essen. Beschäftigte der Uniklinik Essen sollen ab Montag drei Tage lang streiken. Auch die Universität ist vom Arbeitskampf betroffen.

  • Verdi in Essen ruft ab Montag zu Streiks im öffentlichen Dienst auf
  • Betroffen ist vor allem die Uniklinik Essen, wo unter anderem Operationen verschoben werden müssen
  • Auch die Universität und Justiz-Einrichtungen werden bestreikt

Verdi verschärft am Montag, 4. Dezember, in Essen den Tarifkampf im öffentlichen Dienst der Länder. So werden das Universitätsklinikum sowie die Universität an drei Tagen bestreikt. Wie Bernt Kamin-Seggewies, stellvertretender Geschäftsführer im Verdi-Bezirk Ruhr-West, auf Nachfrage bestätigte, sind die Beschäftigten beider Einrichtungen von Montag, 4. Dezember, bis einschließlich Mittwoch, 6. Dezember, aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Am Montagvormittag ist eine große Streikkundgebung vor dem Rathaus an der Porschekanzel geplant.

Verdi zieht nach eigenen Angaben die Daumenschrauben an, nachdem die Arbeitgeber auch in der zweiten von drei Verhandlungsrunden kein Angebot abgegeben haben. Die dritte Verhandlungsrunde findet am 7. und 8. Dezember statt.

Katharina Schwabedissen, zuständige Gewerkschaftssekretärin für das Universitätsklinikum Essen, erklärte: „Die massive Inflation lässt nach, aber der aufgelaufene Kaufkraftverlust bleibt.“ Die Beschäftigten im Uniklinikum würden die gleiche Arbeit leisten wie ihre Kollegen und Kolleginnen an den Kommunalen Krankenhäusern, sollen aber über zehn
Prozent weniger verdienen. „Diese Argumente wollten die öffentlichen Arbeitgeber nicht hören. Bis zur dritten Runde werden wir ihnen den Ernst der Lage verdeutlichen“, so Schwabedissen.

Streik: Patienten der Uniklinik Essen müssen mit Einschränkungen rechnen

Welche Auswirkungen der Streik an der Uniklinik für Patienten konkret haben werden, bleibt abzuwarten. Bei früheren Aktionen mussten nicht dringende Operationen verschoben werden und Patienten mit längeren Wartezeiten rechnen. Die Notfallversorgung wird aber in der Regel durch eine Absprache mit Verdi gesichert. Das werde auch dieses Mal so sein, kündigte Schwabedissen an.

Sie rechnet mit etwa 300 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen am Klinikum, die die Arbeit niederlegen werden. „Die Streikbereitschaft ist deutlich gestiegen“, sagte die Verdi-Sekretärin. „Für die Beschäftigten ist es schlicht ein Rätsel, warum die Arbeitgeberseite noch kein Angebot vorgelegt hat.“

Uniklinik Essen: Verdi rechnet mit rund 300 Streikteilnehmern

Der Streik trifft die Uniklinik zu einer Zeit, in der der Krankenstand in der Belegschaft wohl ohnehin hoch ist. Laut Verdi werden an den Streiktagen nur zwei Drittel der OP-Kapazitäten zur Verfügung stehen, zum Teil müssten auch Abteilungen geschlossen werden, „damit die Kollegen und Kolleginnen ihr Streikrecht wahrnehmen können“, so Schwabedissen. Zuletzt war das Uniklinikum erst am 23. und 24. November bestreikt worden.

Die Universität Duisburg-Essen konnte am Freitag noch nicht sagen, welche Folgen der Arbeitskampf auf den Lehrbetrieb haben wird. „Wir müssen abwarten, wie sich die Lage am Montag darstellt“, sagte eine Sprecherin. Fakt ist: Die Professoren dürfen nicht streiken, nur Angestellte.

Große Kundgebung an der Porschekanzel

Neben den Beschäftigten der Uniklinik und der Universität sind in der kommenden Woche auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Landeseinrichtungen der Justiz zum Streik aufgerufen - allerdings nur am 4. und 5. Dezember.

Am Montagmorgen werden die Streikenden von der Uniklinik und der Universität aus in einem Sternmarsch zum Rathaus ziehen. 10 Uhr beginnt dort die gemeinsame Kundgebung. Kamin-Seggewies von Verdi rechnet damit, dass daran auch einige Beamtinnen und Beamte teilnehmen werden, die zwar nicht streiken dürfen, aber längere „aktive“ Pausen einlegen könnten. Ihr Interesse an einem guten Tarifabschluss ist hoch, denn in der Regel wird das Ergebnis auf Beamte übertragen.

Verdi fordert 10,5 Prozent mehr Einkommen

Verdi fordert für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder 10,5 Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 500 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Nachwuchskräfte sollen 200 Euro mehr bekommen und Auszubildende unbefristet übernommen werden.

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