Bürgerforum

Auch Borbeck möchte keine weitere Bebauung im Stadtbezirk

Der Düppenberg ist kein Bauland – darin ist sich die Bezirksvertretung mehrheitlich mit Anwohnern einig.

Der Düppenberg ist kein Bauland – darin ist sich die Bezirksvertretung mehrheitlich mit Anwohnern einig.

Foto: Michael Gohl / FUNKE Foto Services

Borbeck.   Das Ergebnis des Bürgerforums „Wo wollen wir wohnen?“ wird in den nördlichen Stadtbezirken abgelehnt. So auch in der Bezirksvertretung IV Borbeck.

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Die gut 40 Hausbesitzer zwischen Oberhauser Straße und Kuhlenberg, zwischen Frintroper Straße und Auf dem Eichholz in Bedingrade können aufatmen: Die Stadt rückt vom Vorschlag ab, die Gärten im Innenbereich zu bebauen, um rund 70 Wohnungen zu errichten. Im Rathaus hatte man offenbar den Sturm der Entrüstung gespürt, den die auf dem Bürgerforum „Wo wollen wir wohnen?“ aufgekommene Idee ausgelöst hatte. In der Bezirksvertretung IV Borbeck übergab nun Anwohner Wilfried Küpper das Votum der Anwohner an Bezirksbürgermeister Helmut Kehlbreier. „Keiner der über 40 Eigentümer denkt über die Abgabe seines Grundstücks nach“, berichtete er. „Das Vorhaben ist völlig widersinnig.“

Auch sonst fand die Liste der Flächen im Stadtbezirk, die im November auf dem Bürgerforum grundsätzlich als bebaubar angesehen wurden, keine Zustimmung.

Sechs Vorschläge lösen heftigen Widerspruch aus

Im Stadtbezirk IV Borbeck wurden sechs Flächen mit der Priorität 1 oder 2 eingestuft. Ob sie sich für eine Bebauung überhaupt eignen, werde die Verwaltung nun genauer erkunden und eine Einschätzung den Kommunalpolitikern vorlegen. Noch ist keine Entscheidung gefallen, doch diese folgenden Vorschläge haben trotzdem schon für große Unruhe gesorgt: Düppenberg, Pollstraße, Schacht-Kronprinz-Straße, Aktienstraße 117, Frintroper Straße sowie Oberhauser-/Frintroper Straße.

Besonders der Düppenberg in Gerschede löste über Pfingsten eine mehrtägigen Protestaktion aus. 50 Anwohner nahmen an einem Spaziergang durch das Bachtal teil, spontan wurden Unterschriften gesammelt. Nachdem dann ein Anwohner über die Feiertage einen Informationsstand am Waldeingang aufgebaut hatte, waren bald insgesamt 1000 Unterschriften zusammengekommen, die ebenfalls dem Bezirksbürgermeister übergeben wurden. „Wir sprechen uns für den Erhalt der gesamten Grünfläche (Wiese, Bachaue, Wald) im Pausmühlenbachtal nördlich des Düppenberg aus. Diese Fläche ist klimatisch als Kaltluftschneise unersetzlich, filtert Emissionen des Auto-, Eisenbahn- und Schiffsverkehrs im Emschertal, fördert die Artenvielfalt in einem großstädtischen Umfeld, bietet fußläufig erreichbaren Raum der Erholung für Alt und Jung und ermöglicht Kindern Bewegung und Naturerfahrung“, heißt es im Protestschreiben.

Lob für die Bürgerbeteiligung – Tadel für das Ergebnis

Dem schlossen sich SPD und Grüne an. Einerseits lobten sie die Beteiligung der Bürgerschaft an dem Findungsprozess, nur mit dem Ergebnis für ihren Stadtbezirk können sie sich überhaupt nicht anfreunden. Darin unterscheiden sie sich kaum von den Bezirksvertretungen V und VI in Altenessen und Stoppenberg. „Unser Bezirk hat seinen Anteil geleistet“, stellte Thorsten Drewes mit Blick auf die dicht bebauten Stadtbezirke kategorisch fest. Die Wohnungsnot, falls sie überhaupt so groß wie angegeben ist, müsse woanders gelindert werden.

CDU möchte Vorschläge nicht einfach vom Tisch wischen

Dem möchte die CDU nicht wirklich widersprechen, doch das Votum des Bürgerforums so einfach vom Tisch wischen möchte sie auch nicht. „Die Politik muss sich der Diskussion stellen. Wir müssen uns haarscharf mit den Vorschlägen der Verwaltung auseinandersetzen“, forderte Fraktionssprecher Thomas Mehlkopf-Cao. Man solle dem Prozess wenigstens eine Chance geben: „Wir lösen die Wohnungsfrage nicht, indem wir alles ablehnen.“ Gleichwohl könne am Ende auch die Ablehnung der Flächen durch die CDU stehen – aber erst am Ende der Diskussion.

Durchsetzen konnte er sich damit nicht, SPD und Grüne brachten ihren Antrag durch.

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