Priesteramt

Aus dem Supermarkt in die Kirche: Filialleiter wird Priester

In seiner Heimatgemeinde St. Joseph in Essen-Katernberg feierte Markus Nowag (Mitte) seine erste heilige Messe.

In seiner Heimatgemeinde St. Joseph in Essen-Katernberg feierte Markus Nowag (Mitte) seine erste heilige Messe.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen-Steele/Katernberg.  Beichte abnehmen statt Bestellungen aufgeben: Markus Nowag (34) hat seinen Beruf im Supermarkt aufgegeben und ist Priester geworden.

Aus dem Supermarkt in die Kirche: Das ist die berufliche Laufbahn von Markus Nowag (34) kurz zusammengefasst. Dahinter steckt allerdings ein langer Weg, zu dem viele Überlegungen und eine Entscheidung zählen: Nun wird der gebürtige Katernberger nicht mehr für die Spirituosen-Abteilung verantwortlich sein, sondern sein Leben mit den Menschen teilen, die ihn brauchen, und ihnen in Freude und Trauer beistehen. Sein neuer Arbeitsplatz ist die Steeler Pfarrei St. Laurentius.

Groß geworden ist er in Katernberg, in seiner Heimatgemeinde St. Joseph war er Messdiener und auch Lektor, hat sich aktiv in die Jugendarbeit und den Gemeinderat eingebracht. „Meine Familie ist kirchlich geprägt“, sagt der 34-Jährige, der tatsächlich schon in jüngeren Jahren über das Priesteramt nachdachte. Aber nur kurz, denn stattdessen wählte er nach dem Hauptschulabschluss und der Höheren Handelsschule den Beruf des Verkäufers und absolvierte eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. „Im Alter etwa zwischen 16 und 22 Jahren war ich etwas weiter weg von der Kirche“, sagt Markus Nowag, der in seiner Freizeit Judo trainiert, seitdem es sechs Jahre alt ist, er hat den schwarzen Gurt und ist Kampfrichter gewesen. Als Zuschauer sitzt er nach wie vor gern beim Eishockey auf der Tribüne oder im Stadion auf Schalke.

Die Aufgaben im Supermarkt haben ihn nicht ganz erfüllt

„Meine Arbeit im Supermarkt habe ich immer sehr gern gemacht“, versichert Markus Nowag, der zunächst in Altenessen, dann in Freisenbruch beschäftigt gewesen ist, schließlich Filialleiter in Gelsenkirchen wurde und dennoch mit der Zeit spürte, dass ihn diese Aufgabe nicht ganz erfüllt. Damals war er etwa Mitte 20. „Da war mehr, aber ich konnte das nicht einordnen, mein erster Gedanke galt in diesen Augenblicken aber noch nicht der Kirche“, blickt er zurück auf die Phase, in der er sich mit seiner Zukunft auseinanderzusetzen begann. Priester zu werden, schien nicht mehr ausgeschlossen, „eine Familie wäre für mich aber genauso vorstellbar gewesen“. Er erlebte in der Zeit nicht nur seine Freunde, die gerade heirateten, sondern führte auch selbst Beziehungen: „Ich kenne beide Seiten und kann es vergleichen.“

Schließlich rückte er jedoch in neuen Formen wie dem Taizé-Gebet wieder an die Kirche heran, zwei Jahre lang habe ihn das Thema, Priester zu werden, nicht mehr losgelassen. Und dann gab es tatsächlich diesen einen Moment und das Gefühl „als wenn mich einer in den Arm nimmt und sagt, ich solle es einfach versuchen“, erinnert sich Markus Nowag. Einen Tag später hat er sich für den Studiengang angemeldet. Dass das auch ohne Abitur möglich sein wird, hat er erfahren, als er das Gespräch mit seinem Priester suchte. So studierte er vier Jahre lang an einem Priesterseminar für Spätberufene, in dem Lebens- und Berufserfahrung die Voraussetzungen gewesen sind. Sein Abschluss ist nicht staatlich, sondern kirchlich: „Für die Ausübung in meinem Amt macht das aber keinen Unterschied.“

Priesterweihe im Dom und die heilige Messe in der Heimatgemeinde

Nach dem festlichen Gottesdienst, in dem Bischof Franz-Josef Overbeck ihn im Dom zum Priester geweiht hat und nach seiner ersten heiligen Messe in seiner Katernberger Heimatgemeinde („Das war ganz schön aufregend, weil mich dort so viele Menschen kennen“), ist er nun als Kaplan in St. Laurentius eingesetzt. In seinem Alltag kümmert er sich mit vier weiteren Priestern um die Gläubigen in seiner Pfarrei und den Gemeinden in Freisenbruch, Kray und Horst. Er wird den Menschen in ihren Lebensfragen und -lagen zur Seite stehen, nur sind seine Arbeitszeiten nicht mehr so geregelt wie im Supermarkt. „Da wusste ich stets, was kommt, ob Regale eingeräumt oder Bestellungen gemacht werden müssen“, sagt der ehemalige Filialleiter.

Als Priester gibt es für ihn einen freien Tag es und den Vorsatz, sich seine Ehrlichkeit zu bewahren, auch wenn es manchmal weh tut. „Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets, da gehört das dazu“, sagt Markus Nowag, der bereits erfahren hat, dass die Menschen Seelsorge brauchen und nach einem Priester fragen. Er weiß ebenso, dass er den Gläubigen nicht immer mit „frommer Soße“ kommen müsse. „Wenn ein junger Mensch stirbt, ist das nicht gut“, nennt er ein Beispiel, in dem man das auch so aussprechen könne. Auch mit den großen Fragen der katholischen Kirche wie Missbrauchsskandal und Mitgliederschwund setze er sich durchaus auseinander: „Wir dürfen diese Themen nicht aus dem Blick verlieren“, sagt der Priester, der selbst erst einmal in seinem neuen Berufsumfeld Fuß fassen müsse.

Das Umfeld hat auf den Berufswechsel ganz unterschiedlich reagiert

Sein Umfeld habe auf seinen Berufswechsel unterschiedlich reagiert: „Einige haben diesen schon früher erwartet, mit anderen habe ich viel diskutiert.“ Abgewendet habe sich niemand. Als große Herausforderung für sich sieht Markus Nowag, sich selbst nicht zu vergessen. So werden Judo, Eishockey, Fußball und Freunde weiter zu seinem Leben gehören. „Ich hoffe, dass es die richtige Entscheidung gewesen ist“, sagt der Priester. Ob das in 20 Jahren noch so sein werde, das wisse er natürlich nicht: „Aber das hätte ich bei einer Ehe auch nicht gewusst.“

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