Innogy-Campus

Aus für den Innogy-Campus: Kölbl Kruse macht Rückzieher

Der Architekten-Entwurf für den Innogy-Campus. Das Energieunternehmen sollte in den vorderen Gebäudeteil an die Huyssenallee, Ecke Badekerstraße ziehen. Grundsätzlich hält Kölbl Kruse am Entwurf weiter fest.   

Der Architekten-Entwurf für den Innogy-Campus. Das Energieunternehmen sollte in den vorderen Gebäudeteil an die Huyssenallee, Ecke Badekerstraße ziehen. Grundsätzlich hält Kölbl Kruse am Entwurf weiter fest.   

Foto: Ingo Beckmann [EYEBEE visual med

Essen.   Der Bauherr Kölbl Kruse zieht beim Innogy-Campus die Reißleine und tritt vom Mietvertrag mit Innogy zurück. Grund sind wirtschaftliche Bedenken.

Einem der größten Bauvorhaben in der Stadt, dem geplanten Innogy-Campus an der Freiheit mit rund 100 000 Quadratmetern Bürofläche, kommt bis auf weiteres der Namensgeber und Hauptmieter abhanden. Doch nicht etwa das Energie-Unternehmen Innogy hat jetzt die Reißleine gezogen, sondern die Projektentwickler von Kölbl Kruse: Sie machen von einem vertraglichen Rücktrittsrecht Gebrauch, weil sie angesichts der langen Planungs- und Bauzeit um die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens fürchten, teilte Kölbl Kruse am Mittwoch offiziell mit.

Ursprünglich war vorgesehen, dass Innogy im Jahr 2020 vom denkmalgeschützten alten RWE-Hochhaus an der Kruppstraße 5 in den ersten fertiggestellten Bauabschnitt einzieht. 2024 und 2025 sollten dann die Bauabschnitte zwei und drei belegt werden. Seit der Präsentation der Campus-Idee, die den Abriss des zweiten RWE-Hochhauses an der Huyssenallee und den Bau von acht Gebäuden zwischen Huyssenallee, Krupp- und Baedekerstraße vorsieht, hat sich an dieser Zeitplanung nichts geändert.

Unsicherheiten nach Übernahmeankündigung durch Eon

Spürbar gewachsen ist aber offenbar die Sorge aufseiten von Kölbl Kruse, dass man angesichts der unabsehbaren Entwicklung von Baukosten, Zinsniveau und Immobilien-Preisen in eine Kostenfalle laufen könnte. Kölbl Kruse verkauft seine Projekte im Regelfall noch vor der Fertigstellung, hier aber war es augenscheinlich nicht möglich, mit potenziellen Käufern des Bürokomplexes einen Preis auszuhandeln, mit dem man sich garantiert auf der sicheren Seite wusste. Erschwerend kommt derzeit sicherlich hinzu, dass hinter der Zukunft von Innogy ein großes Fragezeichen steht, seit Eon die Übernahme der RWE-Tochter bekannt gegeben hat. Investoren und auch Banken dürften sich schwer mit einem Großmieter tun, bei dem man nicht weiß, ob und in welcher Form es ihn in einigen Jahren noch geben wird.

„Schade“, heißt es jetzt auf beiden Seiten. Dabei geht man nicht im Streit einstweilen auseinander, im Gegenteil: Innogy hat seinen Mietvertrag für das RWE-Hochhaus an der Kruppstraße 5 nach Angaben von Kölbl Kruse bis ins Jahr 2025 verlängert, auch der Vertrag für den zylindrischen RWE-Turm am Opernplatz wurde laut Innogy „ausreichend“ verlängert. Somit ändere sich für die 3300 Mitarbeiter erst einmal nichts.

Innogy verlängert Mietverträge in den Türmen

Nicht ausgeschlossen ist indes, dass Innogy zu einem späteren Zeitpunkt doch noch zum Hauptmieter auf dem Campus avanciert. Kölbl Kruse kündigte am Mittwoch an, die Entwicklung des drei Hektar großen Areals gegenüber dem Hauptbahnhof auf der Grundlage eines bereits vorgestellten Entwurfs des Hamburger Architekturbüros BAID „mit voller Kraft“ voranzutreiben.

Bereits jetzt gebe es eine starke Nachfrage seitens großer Miet-Interessenten. „Wir reden hier vom zweifellos besten Grundstück im gesamten Ruhrgebiet“, betonte Bea Steindor, Sprecherin von Kölbl Kruse: „Dass wir keine Mieter finden, darüber machen wir uns keine Sorgen.“

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