Zeitzeugen

Ausstellung erinnert an Zwangsarbeiter

Foto: Uwe Möller

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Essen. Die Ausstellung „Riss durchs Leben“ erinnert im Essener Landgericht an das Leid ukrainischer Zwangsarbeiter – zwei Zeitzeugen erinnern sich.

„­Solche wie ich wurden wie Vieh mit den Güterwaggons transportiert“, erinnert sich der freundliche weißhaarige 85-Jährige an jene schicksalhaften Tage im Juli 1942, die sein Leben für immer veränderten. Geboren im un­garischen Danjuky, wurde Dmytro Golowtschuk mit 15 Jahren von den Na­zis verschleppt und zu mehr als drei Jahren Zwangsarbeit im Rheinland und in Luxemburg missbraucht – auch in Essen.

An das Leid ehemaliger Zwangsarbeiter, die aus der Ukraine in den Westen verbracht wurden, besinnt sich der Landschaftsverband Rheinland (LVR) nun mit seiner Ausstellung „Riss durchs Le­ben“ im Landgericht.

Zehn Persönlichkeiten

„Die Ausstellung gibt zehn beeindruckenden Persönlichkeiten das Wort, die lange warten mussten, um gehört zu werden“, sagt Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland. Er kann nur erahnen, wie das Le­ben der Zwangsarbeiter durch die Deportation aus der Bahn gerissen wurde: „Was sie unter den Bedingungen der Nazi-Herrschaft und des Zweiten Weltkriegs er­leiden mussten, sprengt zuweilen die Grenzen unserer Vorstellungskraft.“

Es geht nicht um Wiedergutmachung; es geht um das Geleistete und die Versäumnisse: „Wir selbst standen und stehen als Justiz in der Verantwortung, die Erinnerung an das begangene und erlittene Unrecht bei den nachfolgenden Generationen wachzuhalten, insbesondere auch den Opfern ein Ge­sicht und einen Namen zu ge­ben“, bekräftigt Thomas Kutschaty bei seinem ersten offiziellen Be­such als NRW-Justizminister im Landgericht. Nicht nur Dmytro Golowtschuk, der bei seiner schweren Arbeit auf Feldern im Essener Umland Verletzungen erlitten hat, deren Narben noch heute sein Ge­sicht zeichnen, hält diese Erinnerung wach. Mit ihren 91 Lebensjahren ist Jelisaveta Giznichenko die äl­teste Zeitzeugin der Ausstellung – und zur Eröffnung aus der Ukraine angereist: „Wir haben überlebt und sind heute als Freunde zu Ihnen ge­kommen“, bekräftigt die wortgewandte Da­me, um von ihrem Schicksal zu berichten: „Ich dachte, ich wä­re im KZ, als ich in Wuppertal ankam. Dort hat man mich ins Lager gesteckt.“ Nach der De­portation musste sie schwere Arbeit leisten: „Nach Bombenangriffen wurden wir in die Ruinen und auf die Straßen ge­schickt. Das war gefährlich.“

Das einschneidendste Er­lebnis ihres Lebens geschah im Februar 1944, als ihre To­chter Olga in der Landesfrauenklinik das Licht der Welt erblickte: „Man nahm sie mir sofort weg – kein Wort, was mit ihr passiert. Es war schrecklich.“ Erst nach Kriegsende sollte sie ihre eineinhalbjährige Tochter wiedersehen: „Ich stand auf dem Lagerhof, als eine alte Dame mit Olga auf dem Arm ankam. Sie hieß Martha; mehr weiß ich nicht von ihr. Ich danke ihr für alles, was sie für meine Tochter getan hat.“

Doch es gab auch Menschen, die Mitgefühl zeigten, erinnert sich Golowtschuk: „Als ich eines Tages krank auf dem Feld lag und mich nicht bewegen konnte, half mir eine Nachbarin mit Medizin. Sie schützte mich und gab mir Brot. Sie hat mich gerettet. Dafür danke ich ihr.“

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