Kirchenaustritte

Austritte: In Essen gab es Ende 2018 noch 191.403 Katholiken

Auch im Stadtdekanat Essen verließen im Jahr 2018 wieder zahlreiche Katholiken die Kirche.

Auch im Stadtdekanat Essen verließen im Jahr 2018 wieder zahlreiche Katholiken die Kirche.

Foto: Ingo Wagner / dpa

Essen.  Durch Austritte, Sterbefälle und Fortzüge sank die Zahl der Katholiken in Essen 2018 um rund zwei Prozent. Taufen und Eintritte kein Ausgleich.

Genau 191.403 Katholiken zählte das Stadtdekanat Essen Ende 2018, ein Jahr zuvor waren es noch 195.217. Das geht aus der Jahresstatistik hervor, die das Bistum Essen an diesem Freitag zeitgleich mit allen deutschen Bistümern veröffentlicht. Den 1511 Austritten und 2217 Todesfällen standen 91 Ein- und Übertritte sowie 1770 Taufen gegenüber. Auch Fortzüge gehen in die Statistik ein und führen zu geringeren Katholikenzahlen in Essen, sie sind allerdings exakt nicht zu erfassen, wie Bistumssprecher Thomas Rünker erläuterte. Und bei den Todesfällen können nur diejenigen Katholiken erfasst werden, die in Essen von einem katholischen Geistlichen beerdigt werden.

Mehr Katholiken sind weggezogen als neue hinzukamen.

Insgesamt gab es in den 42 Pfarreien des Bistums Essen zwischen Duisburg und dem märkischen Sauerland Ende 2018 noch 755.076 Mitglieder, binnen eines Jahres verabschiedeten sich damit bistumsweit 16.921 Frauen und Männer, das sind mehr als zwei Prozent. Dieser prozentual stärkste Rückgang seit 1994 ist nicht allein durch die 5526 Kirchenaustritte (1154 mehr als im Vorjahr) zu erklären. Vielmehr führen die Bistums-Statistiker als Gründe unter anderem auch eine Korrektur der Meldebestände in der Stadt Gelsenkirchen sowie deutlich mehr Verstorbene (rund 12.700) als Getaufte (5157) an und vermuten, dass in 2018 mehr Katholiken aus dem Ruhrgebiet weg- als zugezogen sind.

Zahl der kirchlichen Trauungen steigt weiterhin leicht an

Eine erfreuliche Entwicklung aus Sicht der Kirche markiert die Nachfrage nach kirchlichen Trauungen: Mit 1197 Hochzeiten verzeichneten die Pfarreien des Bistums im dritten Jahr in Folge ein leichtes Plus - in Essen gaben sich 2018 genau 349 Paare (2017: 342) und damit proportional zu den Bistumszahlen besonders viele das kirchliche Ja-Wort. Als einen möglichen Grund verweisen die Statistiker hier neben dem großen Engagement der Pfarrgemeinden auf das Trau-Team des Bistums: Brautpaaren, die keine Anbindung an eine Gemeinde haben, vermittelt dieses über die Internetseite trauteam.bistum-essen.de erreichbare Team je nach Bedarf einen Priester oder Diakon und eine passende Kirche und hilft bei allem, was sich Hochzeitspaare sonst noch für eine katholische Trauung wünschen.

Anstieg der Austritte könnte mit dem Missbrauchsskandal zusammenhängen

Der Anstieg der Austrittszahlen im letzten Drittel des Jahres 2018 legt den Schluss nahe, dass die im vergangenen Herbst neu entbrannte Diskussion über Missbrauchsfälle durch Priester und andere Mitarbeiter der katholischen Kirche Katholiken verstärkt zum Kirchenaustritt bewegt hat. Gleichwohl markierten die Kirchenaustritte im vergangenen Jahr (5526 oder 0,73 Prozent der Kirchenmitglieder) keinen Spitzenwert in der Bistumsgeschichte.

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