Essener Weihnachtsmarkt

Betontannen als Terrorsperre auf dem Essener Weihnachtsmarkt

Angetreten zum Sicherheits-Einsatz: Zehn dieser neuen Betontannen stehen Dienstagmorgen noch auf dem Sammelplatz vor dem Eingang des Hotels Handelshof. Mittlerweile säumen sie – eng gestaffelt – den Zugang zum Willy-Brandt-Platz und dienen als Terrorsperren.

Angetreten zum Sicherheits-Einsatz: Zehn dieser neuen Betontannen stehen Dienstagmorgen noch auf dem Sammelplatz vor dem Eingang des Hotels Handelshof. Mittlerweile säumen sie – eng gestaffelt – den Zugang zum Willy-Brandt-Platz und dienen als Terrorsperren.

Foto: Klaus Micke / FUNKE Foto Services

Essen.  Neuheit 2019 – so preist der pfiffige Hersteller seine Betontannen an: Auf dem Essener Weihnachtsmarkt kommen sie als Terrorsperren zum Einsatz.

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Seit den Terroranschlägen von Nizza und auf den Berliner Weihnachtsmarkt gehören sie auch beim Essener Budenzauber zum Standard-Repertoire: Betonteile, die Attentätern am Steuer von 40-Tonnen-Lastwagen den Weg versperren sollen. Damit der Anblick dieser Klötze den Weihnachtsmarkt-Besuchern nicht allzu sehr aufs Gemüt schlägt, hat sich die Essen Marketing Gesellschaft (EMG) in diesem Jahr etwas Neues einfallen lassen: Am Willy-Brandt-Platz, dem Tor zur glitzernden Weihnachts- Einkaufsstadt, dienen neuerdings Betontannen als Terrorsperren.

Hersteller preist Neuheit an: „Alternative Terrorabwehr zu rechteckigen Betonsteinen“

Ihr Hersteller, das saarländische Unternehmen „Becks Steinzeit“, preist sie auf seiner Webseite unter der Rubrik „Neuheiten 2019“ so an: „Unsere Tannenbäume aus Beton: die alternative Terrorabwehr zu rechteckigen Betonsteinen.“

Die technischen Daten dieser grün angestrichenen Neuheit: Die Beck’sche Betontanne ist mannshoch (1, 80 Meter), hat einen Umfang von 90 Zentimetern und wiegt satte drei Tonnen – 500 Kilogramm mehr als die wuchtigen Betonquader, die trotz Legostein-Design auf einem Weihnachtsmarkt ähnlich unansehnlich sind wie Wehrmachts-Panzersperren vom Westwall.

EMG als Weihnachtsmarkt-Veranstalter erfüllt mit den Sperren die Auflagen der Polizei

70 terrorsperren aus beton schützen essener weihnachtsmarktAuf die klobigen und stimmungsdämpfenden Terrorsperren ganz verzichten – diese Frage stellt sich für die EMG-Verantwortlichen gar nicht. „Wir haben uns an die Auflagen der Polizei zu halten“, betont Amelie Hoff, Leiterin des EMG-Veranstaltungs-Managements. Sie verweist auf das Sicherheitskonzept für den Internationalen Weihnachtsmarkt, das 2017 von Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt bis ins Detail ausgearbeitet worden sei.

Zehn dieser neuartigen grünen Betontannen – in Reih und Glied aufgestellt wie ein kleines Wachbataillon – säumen seit Dienstag den Willy-Brandt-Platz. Gleich dahinter warten auf die Weihnachtsmarkt-Besucher schon der Budenzauber und das putzige Rentier Rudolf, dessen Nase sich per Knopfdruck zum Leuchten bringen lässt. Die Alternative zur Betontanne wäre übrigens eine andere Beck-Neuheit gewesen: der weiß und rot lackierte Schneemann aus Beton.

Mobile Sperren bestehen aus Betonquadern mit hydraulischem Untersatz auf Rollen

Insgesamt sorgen 73 Betonsperren für Sicherheit auf dem Essener Weihnachtsmarkt. Sicherheitsexperten unterscheiden zwischen statischen Modellen und mobilen. Bei Letzteren handelt es sich um Lego-Betonquader, die über einen hydraulischen Untersatz mit Rollen verfügen und sich per Knopfdruck bequem und in Sekundenschnelle zur Seite schieben lassen.

Ebenfalls zur Kategorie „mobil“ zählen Betonquader, die mit einer Kette verbunden sind, die von Security-Leuten im Bedarfsfall gelöst werden kann. „Mobile Sperren sind notwendig, damit beispielsweise Feuerwehrfahrzeuge schnell ihr Ziel in der Innenstadt erreichen können“, sagt die EMG-Managerin.

Sicherheit schaffen und trotzdem gut aussehen – diese Herausforderungen führt zu ständig neuen Schöpfungen. Die Nachbarstadt Bochum etwa landete vor zwei Jahren einen PR-Coup, als sie große Sandsack-Sperren auf dem Weihnachtsmarkt in Geschenkpapier einwickelte.

Der Kaufpreis eines Standard-Betonquaders (Gewicht 1,2 Tonnen) liegt bei rund 120 Euro. Essen hat sich entschieden, die Terrorsperren zu mieten.

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