Zeitreise

Bilderpaare von einer Stadt – Essen früher und heute

Essens neue Grüne Mitte: das Universitätsviertel und die Gebäude der Universität (hinten) 2015 und 2002. Fotos: Ulrich von Born, Montage: Helge Hoffmann.

Foto: Ulrich von Born/FUNKE Fotos Services,

Essens neue Grüne Mitte: das Universitätsviertel und die Gebäude der Universität (hinten) 2015 und 2002. Fotos: Ulrich von Born, Montage: Helge Hoffmann. Foto: Ulrich von Born/FUNKE Fotos Services,

Essen.  Ulrich von Born hat alte Aufnahmen von Essen nachfotografiert. Hier stellen wir 31 Bilderpaare für den direkten Früher-heute-Vergleich gegenüber.

Galerien mit historischen Fotografien von Essen haben wir schon etliche für Sie zusammengestellt: Fotostrecken wie "Essen im Wandel der Zeit","Essen in Trümmern" oder die Luftbilder aus dem Jahr 1926 sammeln wir auf unserer Spezialseite zur Stadtgeschichte. Sie dokumentiert, wie sich das Stadtbild, Plätze und Gebäude verändert haben. Essen hat sich bis in die unmittelbare Gegenwart hinein städtebaulich immer wieder neu erfunden. Es gibt Orte hier, wo sich ein Essener kaum noch auskennen würde, wenn er die Stadt vor zehn, zwanzig Jahren verlassen hat.

Um einige dieser mitunter vergessenen Veränderungen zu zeigen, hat unser Fotograf Ulrich von Born 31 alte Aufnahmen von Essen möglichst exakt nachfotografiert. Die direkte Gegenüberstellung von historischen und aktuellen Fotos macht den Wandel, manchmal auch: städtebauliche Kontinuitäten, noch anschaulicher. Wir laden Sie ein zu einer Zeitreise durch Essen.

So machen Sie den Früher-heute-Vergleich: Für unseren Stadtrundgang haben wir die Fotos so aneinandergeschnitten, dass Sie sich wahlweise das alte oder das neue Bild und auch Gegenüberstellungen mit unterschiedlichen Bildanteilen anschauen können. Für den direkten Früher-heute-Vergleich gehen Sie mit der Maus beziehungsweise mit dem Finger auf den grünen Strich in der Mitte der Bilderpaare und halten diesen dann gedrückt. Dann können Sie den Strich nach links und rechts schieben. Wenn Sie den Balken in der mobilen Ansicht mit den Fingerspitzen so erwischt haben, dass Sie wischen können, wird er grellgrün. Einfacher zu handbaden ist die Desktop-Ansicht.

Unsere kleine Zeitreise beginnt im Bahnhofsviertel. Von dort aus führt der Foto-Rundgang über die Kettwiger Straße zum Einkaufszentrum Limbecker Platz und weiter zu markanten Plätzen und Gebäuden der Innenstadt und des Univiertels. Dann gibt es Ansichten aus dem Südviertel, aus Rüttenscheid und Holsterhausen.

Rund um den Essener Hauptbahnhof

Der Handelshof 2015 und 1955. Hier hat sich in sechs Jahrzehnten nicht allzu viel verändert: Sogar die Leuchtreklame war 1955 bereits auf dem Handelshof (Baujahr 1912) installiert, und auch das "Kettwiger Tor" (links) sowie das Haus der Technik (rechts) wurden erhalten. Dafür wirken die Straßen und Plätze im Vergleich heute beinahe wie eine verkehrsberuhigte Zone: Die Straßenbahnlinien hier wurden beim U-Bahn-Bau ab Anfang der siebziger Jahre unter die Erde verlegt, und die Autos müssen seit Ende der Fünfziger einen großen Bogen um die Kettwiger Straße machen. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Kurt Hartung/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Südseite des Hauptbahnhofs 2015 und Ende der 1930er. Das historische Bild von der Haltestelle Freiheit wurde zwischen 1938 und 1940 aufgenommen. Zwischen dem Hauptbahnhof und den Hochhäusern im Südviertel fahren heute Autos im Kreis, die Straßenbahnen halten in der unterirdischen Station. Die Bahnsteige waren damals noch spärlich überdacht, die Anbauten südlich des Hauptbahnhofs entstanden erst nach dem Krieg beziehungsweise zwischen 2008 und 2010 (Pavillon). Im Hintergrund ist auch der Turm des im 2. Weltkrieg zerstörten alten Hauptbahnhofs zu sehen. Ebenfalls verschwunden: der Dampf der Loks. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Fotoarchiv Ruhr Museum)

Nördlicher Bahnhofsvorplatz mit Hauptpost 2015 und 1938. An dieser Stelle an der Hachestraße (heute: Ecke Willy-Brandt-Platz) stand ab 1903 bereits die alte Hauptpost. Der 1924 gebaute Nachfolger bekam 1978 einen neuen Nachbarn: Der Warenhauskonzern Horten (wurde final Mitte der neunziger Jahre von der Kaufhof Warenhaus AG übernommen) ersetzte das DeFaKa, das Deutsche Familien Kaufhaus, durch einen Neubau. Dessen Fassade an der Kettwiger Straße 1a ist bis heute geprägt von Beton und "Horten-Kacheln". (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Leinkühler/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Nordseite des Hauptbahnhof 2015 und 1902. Auf den Bildern ist die Nordseite des Hauptbahnhofs mit Bahnhofsvorplatz und heutigem Willy-Brandt-Platz zu sehen. Dieser wurde 1994 erst nach dem Altkanzler benannt. Die historische Aufnahme zeigt das von Architekt Fritz Klingholz erdachte, 1902 eröffnete Bahnhofsgebäude: Der alte Essener Hauptbahnhof, damals bekannt als "Holzbude", war kurz vor der Jahrhundertwende abgerissen worden. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es auf dem Platz, über den heute vor allem wegen der Trinkerszene gesprochen wird, noch Verkaufsstände und -häuschen. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Stadtbildstelle/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Bahnhofsgebäude 2015 und 1956. Das 1902 eingeweihte Bahnhofsgebäude wurde im 2. Weltkrieg bombardiert und zerstört. Die neue Empfangshalle planten die Architekten Kurt Rasenack und Bernd Figge im Stil der Fünfziger. Der ist auch heute noch zu erkennen. Weichen mussten nur das elegante, aber kaum Schutz bietende Vordach und die elegant geschwungene Fensterfront, in der früher das Bahnhofs-Café untergebracht war (zur Fotostrecke "Hauptbahnhof früher und heute"). (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Kurt Hartung/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Haus der Technik 2015 und 1925. Fast scheint es, als sei hier am Hauptbahnhof die Zeit stehen geblieben: Im direkten Bildvergleich wird aber anhand der Fassade und der versetzten Fenster deutlich, dass auch beim Haus der Technik nicht mehr alles beim Alten ist. "Haus der Technik" heißt der 1925 für die Essener Börse errichtete Bau erst seit 1936. Er wurde im Weltkrieg 1943 zerstört und bis 1953 wieder aufgebaut. Vom Hochhaus Gildehof-Center ist hinter dem Haus der Technik 1925 freilich noch nichts zu sehen. Das Hochhaus, heute Sitz des Bürgeramtes, wurde mit dem Gildehofbad (1987 bis 1992) Mitte der achtziger Jahre gebaut. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Fotos Services, Stadtbildstelle/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Skyline und Gleisanlage 2015 und 1983. Und es wurde Licht: Das Licht der blauen Stunde und die Belichtung durch den Fotografen verstärken den Eindruck, dass die Skyline heute heller strahlt als 1983. Vor allem aber entsteht der Eindruck durch die Beleuchtung der Baustelle für die neue Schenker-Zentrale zwischen Postbank- und Rheinstahl-Hochhaus an der Kruppstraße. Obendrein erhellt auch der Würfel auf dem RWE-Hochhaus an der Kruppstraße die Szenerie. Eine besonders große bauliche Veränderung der Essener Skyline ist hier nur klein zu sehen: das RellingHaus II, die Evonik-Zentrale. Aus dieser Perspektive gar nicht zu sehen: der RWE-Turm (127 Meter hoch). Bis zu dessen Eröffnung 1996 war das Rathaus (106 Meter) das höchste Gebäude in Essen. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Jürgen Kartenberg/WAZ)

Kettwiger Straße/Willy-Brandt-Platz 2015 und 1938. Ein Schienenreiniger arbeitet hier 1938 auf der Kettwiger Straße und sorgt für reibungsfreien Tramverkehr auf dem Platz am Hauptbahnhof, der 1994 nach Bundeskanzler Willy Brandt benannt wurde. Mit dem U-Bahn-Bau verschwanden die Straßenbahnen in den Siebzigern unter der Erde, Autos waren hier Ende der Fünfziger verbannt worden. Hauptpost und Handelshof sind die Konstanten links und rechts im BIld, das Kaufhaus links ließ die Horten AG Ende der siebziger Jahre abreißen (siehe oben) und durch das moderne (heutige: Kaufhof-)Warenhaus ersetzen. Eine weitere Veränderung ist im Hintergrund der aktuellen Aufnahmen an der Rückseite des Handelshofes zu erkennen: das Haus am Kettwiger Tor 8. (Fotos: Ulrich von Born / FUNKE Foto Services, Historisches Archiv EVAG)

Einkaufsstadt: Kettwiger Straße und Limbecker Platz

Unser Foto-Rundgang führt nun vom Bahnhofsviertel über die Kettwiger Straße zum Einkaufszentrum Limbecker Platz, zu allererst zum Haus am Kettwiger Tor:

Haus am Kettwiger Tor 2015 und 1954. Die Hamburger Investorengruppe „Achim Griese Treuhandgesellschaft mbH“ kaufte Essens ersten Hochhausbau der Nachkriegsgeschichte 2011 von der Allianz-Versicherung und der Allbau-eigenen Altstadt-Baugesellschaft. Danach sanierten die neuen Besitzer das Hochhaus und den Sockelbau mit der Ladenpassage aufwendig. Die zehn Ladenlokale im Erdgeschoss sind wieder vermietet. Im Umfeld des Gebäudes aber hat sich einiges verändert: Ende der Fünfziger, beim Umbau der Fußgängerzone, wurden Autoverkehr und Bahnen aus der Fußgängerzone verbannt. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Stadtbildstelle/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Kettwiger Straße 2015 und 1970. Miniröcke und wallende Hippie-Klamotten sorgten an jenem Sommertag 1970 für Aufsehen auf der Einkaufsstraße. Die Szene mit den Mannequins auf dem "Laufsteg Kettwiger Straße" stellten 45 Jahre später vier junge Essenerinnen für unseren Fotografen Ulrich von Born nach. Die Fassaden der Gebäude links und rechts im Bild wurden im Laufe der Jahrzehnte saniert, statt inhabergeführter Geschäfte wie dem Haushaltswarenspezialist Dellbrügger und Klingen (rechts angeschnitten) finden die Kunden heute häufiger Filialen von Ketten in den Ladenlokalen. Der Vergleich zeigt auch: Sogar in der Fußgängerzone ist Essen grüner geworden. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Wolf Schöne/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Kreuzgang im Essener Dom 2015 und 1945. Dieser Ort der Stille liegt nur wenige Meter von der Kettwiger Straße entfernt. Schon das an dieser Stelle um das Jahr 850 vom sächsischen Adligen Altfrid gegründete Damenstift hatte einen Kreuzgang. In der heutigen Form geht der Kreuzgang auf das 13. Jahrhundert zurück, er diente den adeligen Stiftsdamen, für die das Stift Essen im Mittelalter errichtet wurde, als Ort des Gebets und der Besinnung. Die Bombenangriffe der Royal Air Force auf die Innenstadt trafen mehrfach auch die Münsterkirche und das gesamte Dom-Areal. Komplett zerstört aber wurde der Kreuzgang nicht. Das Bild aus dem Jahr 1945 zeigt ihn als Trümmerfeld unter freiem Himmel. Der Wiederaufbau des Doms begann 1951, auch der Kreuzgang war zumindest in diesem Flügel wiederaufbaufähig. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Repro [Frank Vinken]/Foto der Ausstellung "Krieg und Frieden", Domschatzkammer, 2005)

Kettwiger Straße und Johanneskirche 2015 und 1893. Die 123 Jahre alte Aufnahme zeigt Probefahrten der seinerzeit neuen Straßenbahn auf der Kettwiger Straße. Unverändert ist die gotische Pfarrkirche St. Johann Baptist an der Kettwiger Straße geblieben (die zwar Teil des Münsterkirchareals, aber eben nicht der Essener Dom ist, wie immer wieder Auswärtige und Ungläubige glauben). Alle anderen Gebäude im Bild gibt es nicht mehr. Links ist auf der historischen Aufnahme der Turm des alten Rathauses zu sehen. Die Straßenbahn verdeckt die Marktkirche, Essens erste protestantische Kirche am Schnittpunkt von Kettwiger, Limbecker und Viehofer Straße. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Fotos Services, unbekannt)

Blum-Haus und Baedekerhaus 2015 und vor 1930. Beim Bau in den 1920er-Jahren stimmten die Architekten die Gestaltung der Monumentalbauten Blum-Haus und Baedekerhaus eng aufeinander ab. Die alte Aufnahme zeigt das damals größte deutsche Textilkaufhaus des jüdischen Kaufmanns Gustav Blum (1879 bis 1934) mit "Blum"-Reklame. Das Baedekerhaus wurde 1927/28, also nach dem Blum-Haus, als Verlagshaus des 1775 in Essen gegründeten G.D. Baedeker Verlages errichtet. 2007 übernahm die Thalia-Buchhandelskette den Verlag. Die Filiale im Baedekerhaus musste sie 2012 schließen. Das Amt für Denkmalpflege stimmte Mitte 2014 zu, dass das Bekleidungshaus Peek & Cloppenburg, das damals schon Mode im Blum-Haus nebenan verkaufte, das Baedekerhaus umbauen und mitnutzen darf. Heute sind die beiden denkmalgeschützten Geschäftshäuser von der Kettwiger Straße aus in der warmen Jahreszeit vor lauter Bäumen und Markständen beinahe zu übersehen. Als das rechte Foto aufgenommen wurde, versperrte höchstens mal eine Straßenbahn kurz den Blick auf die Gebäude. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Stadtbildstelle/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Limbecker Platz 2015 und 1915. Etwa 100 Jahre liegen zwischen diesen beiden Aufnahmen, und am Limbecker Platz ist (spätestens seit 2006) fast nichts mehr wie es einmal war: Vor zehn Jahren begannen die Arbeiten für den ersten Bauabschnitt des Einkaufszentrums Limbecker Platzes mit dem Abriss der Kaufhäuser Karstadt Sport und SinnLeffers. Was bereits vor dem gewaltigen Bauprojekt in der Innenstadt etwas in Vergessenheit geraten war: Der Limbecker Platz war mal ein Platz, eine Freifläche also, noch dazu mit Grünanlage. Am Limbecker lag auch das Krupp'sche Hotel "Essener Hof", das mitten in der Stadt einen großen Garten hatte. Heute steht hier die Mall. Geblieben aber ist vom alten Limbecker nur noch die Häuserzeile auf der Ostseite der Logenstraße, auf der alten und neuen Aufnahme rechts im Bild. Überlebt hat dort jedoch nur ein einziger Altbau. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Stadtbildstelle/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Am Limbecker Platz 2015 und 1912. Wo heute Lindenallee, Kastanienallee und Limbecker Straße aufeinander treffen, hatten Passanten bis Ende Mai 2008 den 35 Meter hohen Althoff-Turm im Blick. Am 1. Juni 2008 wurde die Spitze des 1912 von der Theodor Althoff AG gebauten Warenkaufhauses gesprengt. Für das neue Einkaufszentrum Limbecker Platz – der erste Teil wurde im März 2008, der zweite im Oktober 2009 eröffnet – waren zuvor schon das Karstadt-Sporthaus und das Modehaus SinnLeffers dem Erdboden gleichgemacht worden. Die historische Aufnahme entstand im Eröffnungsjahr 1912. Damals waren auf 28.000 Quadratmetern 53 Fachabteilungen mit 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche untergebracht. Die neue Mall "Limbecker Platz" hat 70.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Stadtbildstelle Ruhr Museum)

Essener Innenstadt und Univiertel früher und heute

Vom Limbecker Platz aus führt unsere kleine Zeitreise weiter zu markanten Plätzen und Gebäuden der Essener Innenstadt und ins Univiertel, zu allererst zum neuen Rathausturm:

Rathaus 2015 und 1977. Die Baustelle mit Betongerüst und ohne Porscheplatte fotografierte Peter Happel Ende März 1977. Etwas mehr als zwei Monate später feierte die Stadt Richtfest am Porscheplatz. Am 7. November 1979 wurde das 106 Meter hohe Rathaus – bis zur Eröffnung des RWE-Turms 1996 das höchste Haus der Stadt – offiziell eröffnet. Zehn Tage darauf eröffnete auf der Betonplatte über der Schützenbahn Essens erstes Einkaufszentrum, das "City Center Essen" (seit 2010: "Rathaus Galerie Essen"). Unterhalb des City-Centers erinnert heute ein Gedenkraum an die Außenstelle „Schwarze Poth“ des KZ Buchenwald. Nach dem Krieg war der alte Porscheplatz Essens zentraler Busbahnhof. An seiner Stelle wurde später das Parkhaus des City Centers gebaut. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Peter Happel/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Essener Campus 2016 und 1972. Der Blick nach Westen auf den Essener Campus der Universität Duisburg-Essen (UDE), der ab Anfang der 1970er-Jahre im ehemaligen Segerothviertel gebaut wurde, geht über das Hörsaalzentrum (der Flachbau rechts im Bild) hinweg zu Mensa und Cafeteria (der Flachbau links neben dem grünen Turm T01). Rechts im Bild der gelbe Trakt S, links der blaue V-Trakt. Auf dem 1972 fotografierten Bild der gerade gegründeten "Gesamthochschule Essen" ragt hinter den Kränen der Campus-Baustelle noch das Turmhaus der alten Krupp-Hauptverwaltung empor. Die Zentrale der Friedrich Krupp AG lag gegenüber des heute noch erhaltenen Baus nördlich der Altendorfer Straße. Dieser war durch eine Verbindungsbrücke an das Turmhaus angeschlossen, das 1912 bezogen und 1976 abgerissen worden. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Universität/SK)

Universitätsviertel am Berliner Platz 2016 und 2002. Seit 2009 entsteht zwischen Universität und Berliner Platz auf dem früheren Güterbahnhofsgelände Essens neue "Grüne Mitte", die neue Zentrale der Funke Mediengruppe wird der Schlussstein des Univiertels. Als Ulrich von Born vor 14 Jahren den Mann und die Telefonzelle auf dem Brachgelände unweit der heutigen AOK-Gebäude an der Friedrich-Ebert-Straße fotografierte, lag zwischen den Gebäuden der Universität und dem ehemaligen Schlachthof-/Großmarkt-Areal noch eine breite Gleisanlage. Die Vergleichsansicht zeigt, dass die Grüne Mitte ihren Namen trotz der mitunter dichten Bebauung verdient – selbst im Winter, wenn die Bäume der Grünanlagen noch keine Blätter tragen.(Fotos: Ulrich von Born/ FUNKE Foto Services)

Gassmann-Hochhaus/Gildenhaus 2015 und 1955. Am 1955 errichteten Gassmann-Hochhaus sind die großen Reklame-Schriftzüge und Firmen-Logos verschwunden, auf dem Kennedyplatz (früher Gildenplatz) davor die Wasserspiele – aber auch die Autos. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Stadtbildstelle/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Heroldhaus am Kennedyplatz 2015 und 1955. Die Straße, die Beete und die Kunst auf dem Kennedyplatz vor dem Heroldhaus sind weg. Der Verwaltungsbau des vor allem als Kirchenarchitekt tätigen Emil Jung wurde 1955 errichtet. 2011 wurde das Baudenkmal, das inzwischen von einer Hotelkette genutzt wird, denkmalgerecht umgebaut. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Stadtbildstelle/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Eingang der Kruppschen Fabrik 2015 und 1904. Vor 115 Jahren war hier der Eingang zur Stadt in der Stadt, das Tor der Kruppschen Gussstahlfabrik. Diese war schon 1889 viermal größer als die Essener Altstadt und später bis zu fünf Quadratkilometer groß. Nach 1902 entstand die alte Aufnahme der in jenem Jahr fertiggestellten 8. Mechanischen Werkstatt, die als monumentales Tor zur Gussstahlfabrik diente. Auf dem aktuellen Bild ist die Halle im heutigen Zustand zu sehen, 1996 wurde sie zum Colosseum Theater umgebaut. Die Werksbahnbrücke von 1872 existiert noch immer, allerdings verkehren keine Straßenbahnen mehr auf der Altendorfer Straße darunter. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Stadtbildstelle/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Tor zur Kruppschen Fabrik 2015 und 1910. Das Denkmal-Ensemble aus einer anderen Perspektive. Rechts im aktuellen Bild: Das erst 1915 fertiggestellte (und darum auf dem alten Foto von 1910 nicht abgebildete) "Press- und Hammerwerk Ost". Hier stand einst die weltweit größte Schmiedepresse mit 15.000 Tonnen Presskraft. 1990 wurde dessen entkernte Halle unter Denkmalschutz gestellt. Sie wird heute als Ikea-Parkhaus genutzt. Der schwedische Einrichtungskonzern verkauft hier seit 1992 Möbel. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Stadtbildstelle/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Synagoge 2015 und 1945. Erst 1913 war die Alte Synagoge eingeweiht worden. Während der Novemberpogrome 1938 wurde sie zwar auch von Nationalsozialisten in Brand gesetzt, ihre Mauern aus Stahlbeton aber blieben weitgehend unbeschädigt – auch während der NS-Herrschaft und der Bombardierung. So steht die wichtigste Institution des Judentums in Essen 1945 wie eine Burg fast unversehrt zwischen den Trümmern. Zuletzt wurde die denkmalgeschützte Synagoge nach dem Auszug des Stadtarchivs bis 2010 kernsaniert. Die größten Veränderungen sind unter den Kupferkuppeln im Inneren zu besichtigen. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Stadtbildstelle/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Südviertel, Rüttenscheid und A40 in Holsterhausen

Die letzte Etappe unserer fotografischen Zeitreise führt ins Südviertel, nach Rüttenscheid und Holsterhausen.

Ruhrschnellweg 2015 und Mitte der 1960er. Die A 40 in Frohnhausen, der Blick führt an der U-Bahn-Haltestelle Breslauer Straße vorbei Richtung Innenstadt, oben im Hintergrund quert die Breslauer Straße. Ab 1954 erfolgte der Ausbau der Bundesstraße 1 (bis Kriegsende: Reichsstraße) auf mehreren Abschnitten zwischen Dortmund und Essen. Zuerst wurde das Teilstück zwischen Kray und Wattenscheid Ende 1955 eingeweiht. Am 24. Oktober 1961 wurden die ersten zwei innerstädtischen Kilometer in Essen übergeben. Gleise wurden auf dem hier vor dem Ausbau noch dreistreifigen Ruhrschnellweg bereits zu Beginn der 1960er-Jahre dort verlegt, wo heute noch die U 18 Essen und Mülheim verbindet. Mit dem damals noch viel größeren Straßenbahnnetz waren diese Abschnitte zunächst über provisorische Rampen verbunden. Das Foto hat Willy van Heekern etwa 1965 aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war die Schnellstraße Richtung Mülheim noch im Bau und endete beziehungsweise begann an dieser Stelle – ein VW Käfer fährt gerade auf. Vollständig ausgebaut war die Straßenbahnstrecke trotz der frühen Bauarbeiten erst 1977. Die grünen "Barcode"-Wandverkleidungen wurden bis hinein ins Kulturhauptstadtjahr 2010 angebracht. Die alten Verkleidungen waren 2007 abgerissen worden. Sie sollen auch den Lärm für Anwohner mindern. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Repro: Ulrich von Born von: Willy van Heekern/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Kreuzung Krupp-/Friedrichstraße 2015 und 1964. Überirdisch ist hier keine Bahn mehr unterwegs, weshalb die Hochbrücke auch überflüssig wurde. Wobei viele Autofahrer, die an der Kreuzung von Krupp- und Friedrichstraße auf grünes Licht Richtung A 40 warten, sicher nichts dagegen hätten, den Verkehr dort so zu beschleunigen. Der Vergleich taugt als Beispiel dafür, wie grün die Straßenzüge der Stadt auch abseits der Parks geworden sind. Die Krupp'sche Stahl-Schnellbrücke war am 23. November 1964 nach 49 Stunden montiert und "machte an diesem Knotenpunkt an der Bundesstraße 1 in Essen Umleitungen bei Vorarbeiten für den Bau des Ruhrschnellwegs überflüssig", schreibt Tobias Pütz im Heftchen "Ruhr-Metropole Essen". (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Pressefoto Krupp, Slg. Christoph Beyer, aus: Ruhr-Metropole Essen: Eisenbahn-Impressionen der 1950er, 1960er, 1970er, Verlagsgruppe Bahn und Klartext Verlag)

Friedrichstraße und Holsterhauser Straße 2015 und 1966. Diese beiden Perspektiven auf die Friedrichstraße Richtung A 40 beziehungsweise Richtung Westviertel sind zu verschieden, um sie direkt aneinanderschneiden zu können. Und doch zeigt der Vergleich, wie sich diese Ecke von Südviertel und Holsterhausen (die Stadtteilgrenze verläuft in Höhe des Europacenters auf der Westseite der Friedrichstraße) in fünf Jahrzehnten verändert hat: An der Stelle des alten Finanzamtes steht das Europacenter, die Stahlhochstraße zur Überbrückung von Verkehrsengpässen (siehe oben) war ein Provisorium. Das 1928 gebaute Osramhaus rechts im Bild von 1966 steht noch, ist seit 2005 aber leer. Die Bäume links und rechts der Friedrichstraße sind den Wohnhäusern längst über die Dächer gewachsen. Auch das Heizwerk an der Schederhofstraße steht noch: Die STEAG nahm am 20. Oktober 1960 die Fernwärmeversorgung auf. Das damals noch kohlegefeuerte Heizwerk versorgte "als ersten Kunden mit einer Anschlussleistung von 5 Megawatt das Thyssen-Industrie-Hochhaus in Essen". (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Peter Happel/Fotoarchiv Ruhr Museum)

WAZ-Haus Friedrichstraße 2015 und 1955. Die Verlagsgebäude der Funke Mediengruppe stehen noch immer an der Friedrichstraße, wenngleich das Unternehmen seine neue Zentrale im Univiertel baut. Die Fertigstellung des "FUNKE Media office" ist für Herbst 2017 geplant. Verändert hat sich im Laufe der Jahrzehnte aber auch das alte "WAZ-Haus" an der Ecke Sachsenstraße, in dem ab 1955 die Verlagsabteilungen, Redaktionen und Abteilungen der Druckvorstufe untergebracht waren. Nicht nur die Fassade, die sich Architekt Peter Friederich Schneider ausgedacht hatte, wurde modernisiert. Eine der ersten Erweiterungen der Verlagsgebäude war die Aufstockung des Flachbaus entlang der Friedrichstraße. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Stadtbildstelle/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Rüttenscheider Markt 2015 und 1930. Hier hat sich auf den ersten Blick gar nicht so viel verändert: Die Häuser um den Marktplatz haben die Luftangriffe im Weltkrieg überstanden, und auch den Wochenmarkt gibt es immer noch. Verändert haben sich die Fassaden, die Straßenbeläge und die Anordnung der Marktstände. Die Zahl der Bäume hat sich leicht verringert – auch um Platz zu schaffen für die Trinkhalle und das öffentliche WC. Ob Metropol-Leihräder sich 1930 größerer Beliebtheit erfreut hätten? Parkplätze für Autos jedenfalls mussten in der Weimarer Republik in Rüttenscheid noch nicht markiert werden. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Stadtbildstelle/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Glückaufhaus 2015 und 1923. Die denkmalgeschützte Fassade des Glückaufhauses an der Rüttenscheider Straße 2 im Südviertel verbirgt, dass dahinter fast alles neu ist: Das alte Backstein-Bürohaus, früher Sitz des Essener Polizeipräsidiums, wurde 2006 vollständig entkernt, nur die Fassade blieb erhalten. Der Neubau hat zwei Etagen mit durchgängig zimmerhohen Fenstern mehr. Im Neubau aus dem Jahr 2009 erhielt auch das älteste Filmtheater im Ruhrgebiet eine neue Heimat: Das ebenfalls denkmalgeschützte Film-Studio Glückauf wurde schon 1924 als kommunales Reformkino eröffnet. (Fotos: Ulrich von Born/FUNKE Foto Services, Stadtbildstelle/Fotoarchiv Ruhr Museum)

Polizeipräsidium 2015 und 1909. Preußische Verwaltungsarchitektur hat die Substanz, Jahrhunderte zu überdauern: So offenbart auch der Vergleich der Außenansichten vom Polizeipräsidium allenfalls kosmetische Veränderungen an der Fassade. Der repräsentative Bau an der Büscherstraße in Rüttenscheid wurde 1909 fertiggestellt. (Fotos: Ulrich von Born/Funke Foto Services, Stadtbildstelle/Fotoarchiv Ruhr Museum)

B.M.V. Schule 2015 und nach dem 2. Weltkrieg. 1931 nahm das Anwesen von Kloster und Schule B.M.V. im II. Hagen etwa zwei Drittel des heutigen Hirschlandplatzes ein. Als es durch Neubauten im Stadtkern und das wachsende Bahnhofsviertel zu eng wurde für die Klosterschule, zogen Kloster und Schule 1931 an den heutigen Standort an der Bardelebenstraße in Holsterhausen. Neun Jahre später schloss das NS-Regime die Schule, eine Enteignung konnten die Augustiner Chrofrauen abwenden. "Während des Krieges wurden die zunehmend von der Zerstörung betroffenen Schulgebäude von der Stadt genutzt, u.a. als Krankenhaus und zur Unterbringung von Ausgebombten, von jungen Frauen des Arbeitsdienstes, von niederländischen Zwangsarbeitern", schreibt die Schule auf ihrer Website: "1944 brannte die Kirche völlig aus. Nach dem Großangriff vom 11. März 1945 gab es in Schule und Kloster keinen bewohnbaren Raum mehr." Am 19. Oktober 1945 nahm die Schule den Unterricht in völlig zerstörten Gebäuden wieder auf: mit anfangs 600 Schulkindern in zwei Räumen. Erst 1963 war der Wiederaufbau mit der Einweihung der neuen Aula abgeschlossen. (Fotos: Ulrich von Born /FUNKE Foto Services, Repro: Walter Buchholz/WAZ)

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