Theater

Fast vergessene „Stahlhelmheirat“ auf Frohnhauser Bühne

Regisseurin Claudia Maurer (links) inszeniert das Schauspiel „Tränen der Heimat“ mit Mariela Rossi im Theater „Der leere Raum“ in Frohnhausen.

Regisseurin Claudia Maurer (links) inszeniert das Schauspiel „Tränen der Heimat“ mit Mariela Rossi im Theater „Der leere Raum“ in Frohnhausen.

Foto: Svenja Hanusch

Essen-Frohnhausen.   Das Theater „Der leere Raum“ inszeniert ein Stück von Lutz Hübner, das ein fast vergessenes Thema aufgreift: Die Fernheirat während des Kriegs.

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„Ich möchte kein eindimensionales Popcorn-Theater schreiben“, hat der Dramatiker Lutz Hübner gesagt, als die Stadt Hagen ihn im Sommer für sein Werk ehrte. Unterhaltsam solle Theater schon sein, „aber ich greife auch immer Problemlagen auf, da die Gesellschaft häufig Probleme an junge Leute weiterreicht“.

Was er damit meint, möchte Claudia Maurer mit ihrer Inszenierung des Hübner-Schauspiels „Tränen der Heimat“ zeigen. Am Samstag, 14. April, hat es um 20 Uhr Premiere „Im leeren Raum“, dem in Frohnhausen neuen Theater an der Raumerstraße 11.

Auf dem leeren Stuhl liegt nur ein Stahlhelm

„Tränen der Heimat“ spielt mitten im Zweiten Weltkrieg. Eine junge Frau, dargestellt von Mariela Rossi, wartet darauf, mit ihrem Liebsten per „Fernheirat“ getraut zu werden. Denn der kämpft als Soldat an der Front und bekommt keinen Heimaturlaub. „Stattdessen wird das Paar über das Radio verheiratet“, schildert Claudia Maurer, die Schauspiel-Regisseurin. Während die Braut also im Standesamt sitzt, bleibt der Platz neben ihr leer – bis auf einen Stahlhelm, der symbolisch anstelle des Bräutigams auf dem Stuhl liegt. Per Funk soll er zugeschaltet werden, damit sie sich das Ja-Wort geben können. „Deshalb wurde diese Zeremonie auch ,Stahlhelmheirat’ genannt“, erzählt Claudia Maurer. Eine Idee, die sich Adolf Hitler wohl zur Stärkung der Moral der Soldaten ausgedacht hatte.

Wer kann sich noch an diese Zeremonie erinnern?

Claudia Maurer hat dieses Schauspiel in den Spielplan aufgenommen, „weil ich mich angesichts der politischen Situation frage, wie mache ich Theater?“ In „Tränen der Heimat“ gehe es um die persönliche Identität und die Auseinandersetzung mit dem Regime. Denn die Braut muss mehrere Tage auf ihre Hochzeit warten und beginnt, sich über ihre Rolle als Frau im Nationalsozialismus Gedanken zu machen.

Als sich Claudia Maurer mit der „Stahlhelmheirat“ befasste, fiel ihr auf, dass es nur wenige Informationen dazu gibt. „Wir haben Mühe zu recherchieren, wie das gelaufen ist“, erzählt sie. Deshalb sucht sie nun vor der Premiere Zeitzeugen oder deren Nachfahren, die sich noch erinnern können.

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Bevor „Tränen der Heimat“ am 14. April Premiere hat, ist im Frohnhauser Theater „Der leere Raum“ noch zweimal das „Ozeanmärchen“ zu sehen.

Mariela Rossi führt das Figurentheaterstück für alle ab sechs Jahren am Samstag, 24. Februar, 20 Uhr, sowie am Sonntag, 18. März, 17 Uhr, auf.

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