Ehrenamt

Sozialprojekt „Lichtposten“ bietet Hilfe bei Behördengängen

Keine Berührungsängste: Ralf Kirchhamer hat ein Herz für Menschen, bei denen nicht immer alles nur glatt läuft. Aus eigener Erfahrung weiß der 36-Jährige (r.) genau, was es heißt, wenn einem Dinge über den Kopf wachsen.Foto:Christof

Foto: Köpsel

Keine Berührungsängste: Ralf Kirchhamer hat ein Herz für Menschen, bei denen nicht immer alles nur glatt läuft. Aus eigener Erfahrung weiß der 36-Jährige (r.) genau, was es heißt, wenn einem Dinge über den Kopf wachsen.Foto:Christof

Essen-Schönebeck.   Ralf Kirchhamer spricht aus eigener Erfahrung und bietet im Rahmen seines Sozialprojekts „Lichtposten“ Interessierten ehrenamtliche Hilfe an.

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„Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“. Tragische Geschichten wie die des Ex-Häftlings Willi Kufalt, der im Roman und der gleichnamigen Verfilmung ein bürgerliches Dasein in einer von Vorurteilen strotzenden Gesellschaft verpasst, gibt’s auch im wahren Leben ohne Ende. Wer einmal in Not geraten, auf Hilfe angewiesen und dann im tiefen Behördendickicht untergegangen ist, der bleibt oft gezeichnet, für den gibt’s kaum ein Zurück in die „Normalität“. Ein Missstand, den Ralf Kirchhamer ändern möchte, denn der weiß nur zu genau, was es heißt, wenn man vom Leben nicht nur geküsst wird.

Der in Schönebeck lebende Altenessener ist noch keine 30, als ihm das Schicksal mit Wucht in die Suppe spuckt und nahezu all seine Pläne ausradiert. Eigentlich hat Kirchhamer ein so genanntes normales Leben vor sich. Der Lehre als Bürokaufmann folgt ein Job in einer Marketingabteilung, dann jedoch wird der junge Mann krank. „So krank, dass ich irgendwann nicht mehr arbeiten konnte und seit 2014 voll erwerbsunfähig bin.“

Ob’s vielleicht daran liegt, dass er am Elften im Elften zur Welt kam? Trotz der an sich niederschmetternden Prognose bleibt der heute 36-Jährige ein fröhlicher Mensch, macht aus der Not eine Tugend und nutzt die viele Zeit, die er plötzlich hat, um seine Erfahrungen für andere zu nutzen.

Seit einigen Wochen bietet er seine Hilfe an, unverbindlich und ehrenamtlich. „Lichtposten“ nennt Kirchhamer die Sozialberatung, mit der er denen helfen möchte, die auf Hilfe angewiesen sind. „Heute kann ich mich viel besser gegen den Bürokratiewahnsinn durchsetzen, der nicht selten vorherrscht.“

Probleme bei Ämtern oder Krankenkassen

Hatte Kirchhamer früher vielerlei Probleme bei den verschiedenen Ämtern, Krankenkassen oder anderen Einrichtungen („Sich etwa einen Therapieplatz zu besorgen, ist ein echtes Abenteuer“), hat er längst dazugelernt und auch seinem Leben wieder Struktur gegeben. Erfahrungen, die er weitergeben möchte. Wie man an einen Beratungshilfeschein kommt oder einen Antrag stellt auf Übernahme von Prozesskosten: Darauf weiß Kirchhamer Antworten, sagt aber auch: „Wenn ich merken sollte, mit einer Sache überfordert zu sein, würde ich natürlich gleich an die echten Profis verweisen.“ Nähe sei wichtig, Distanz aber auch. Dass er nicht die Welt retten kann, ist ihm klar. Manchmal jedoch seien es die kleinen Gesten, die eine enorm große Wirkung hätten. Tipps beim Einkaufen oder Kochen gehörten ebenfalls dazu. Alltag halt.

Das kann eine seiner „Klientinnen“ nur bestätigen. Die Frau ist Essenerin, Anfang 50, hat massive gesundheitliche Probleme und anderen Zoff und versucht gerade, auch mit Kirchhamers Unterstützung ihr aus dem Gleichgewicht geratenes Leben neu zu ordnen.

Wichtig ist die Akzeptanz

Ihren Namen möchte sie nicht sagen, weil sie nicht möchte, dass man von ihren Problemen erfährt. Mit Kirchhamer, dessen Angebote sie aus dem Netz fischte, würde es gut laufen, „wenn man das nach erst wenigen Treffen so sagen kann“. Ganz wichtig für die Frau ist der persönliche Kontakt, obschon sie ja anfangs auch skeptisch war, sich mit einem Fremden zu treffen. So begegnet man sich aktuell stets in der Öffentlichkeit, was auch Kirchhamer sehr recht ist. Und am Ende seien es seine Erfahrung, die ihr ein gutes Gefühl geben. „Er kann sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, wie es sich anfühlt, aus der Balance zu geraten.“

Wer mehr über „Lichtposten“ und Ralf Kirchhamer erfahren möchte: Kontakt gibt’s über die Telefonnummer 0176 57 78 98 54 oder die E-Mail-Adresse lichtposten@gmail.com

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