Gewerbebetriebe

Borbecker klagen über Belästigung durch Werkstatt und Handel

Ahmad El Hajj aus dem Libanon betreibt auf der Germaniastraße einen Lebensmittelgroßhandel. Die schweren Lastwagen müssen rückwärts in den Hof fahren. Nachbarn beklagen sich über Lärmbelästigungen und Schmutz.

Ahmad El Hajj aus dem Libanon betreibt auf der Germaniastraße einen Lebensmittelgroßhandel. Die schweren Lastwagen müssen rückwärts in den Hof fahren. Nachbarn beklagen sich über Lärmbelästigungen und Schmutz.

Foto: Rüdiger Hagenbucher

Borbeck.  Anwohner von Betrieben an der Germaniastraße 160 in Borbeck beklagen sich über Belästigungen durch die Betriebe. Das sagen die Geschäftsführer.

Mächtig Dampf ließ eine Borbeckerin am Dienstag in der Einwohnerfragestunde der Bezirksvertretung IV ab. Was da an der Germaniastraße 160 passiere, auf dem Gelände eines ehemaligen Volkswagen-Autohauses, ließe sich nicht länger ertragen. Bis tief in die Nacht würden schwere Lastwagen beladen, beim Rangieren der 40-Tonner gäbe es Rückstaus bis zum Don-Bosco-Gymnasium, Paletten, Fliesen und Müll lägen herum, Ratten seien auch zu sehen. Kurzum: unerträgliche Zustände. „Werden wir die Menschen los?“ fragte sie in die Politikerrunde.

Lebensmittel aus dem Libanon und anderen Ländern

Gemeint war unter anderen Ahmad El Hajj. Der Libanese betreibt in der ehemaligen Halle einen Lebensmittelgroßhandel. Die schweren Transporter entladen die Ware in einem engen Hinterhof. Sie kämen aus seinem Heimatland, aber auch aus anderen Ländern. „Drei bis vier Minuten dauert es, bis sie rückwärts in der Einfahrt sind“, versichert der Geschäftsmann. Dass auch mal ein geparktes Auto im Weg steht und weggefahren werden müsste, sei möglich, sagt er. Von Belästigungen der Umgebung wisse er nichts. Und schon gar nicht des Nachts. Bis 19 Uhr würde abends gearbeitet, „und wenn ein Container kommt auch mal bis 20 Uhr“. Aber nicht länger.

Ahmad El Hajj: „Doch wenn das Gesetz sagt, macht die Halle zu, dann suchen wir eine andere Halle.“ Diese habe allerdings zwei, drei Jahre leer gestanden und böte nun Arbeit für neun oder zehn Männer, gibt er zu bedenken..

Doch so einfach ist die Sache nicht. Auch Bezirksbürgermeister Helmut Kehlbreier zeigt sich wenig begeistert von den Zuständen auf dem Grundstück. „Sie haben Recht“, bestätigt der SPD-Politiker die Beschwerden der Anwohnerin. Ähnlich äußert sich der neue Polizei-Bezirksbeamte Broska, der sich der Bezirksvertretung kurz vorstellte.

Anwohner: Früher wurden hier sogar Rallyes gefahren

Und das sind nicht die einzigen Beschwerden. Direkt neben den Werkstatthallen wohnt zum Beispiel Horst Becker. Er ärgert sich über die Betriebe nebenan seit mindestens 13 Jahren. Dass hier „Rallye gefahren wurde bis zum Zaun vom Don-Bosco-Jugendzentrum“, liegt schon einige Jahre zurück. Dafür seien wohl die Söhne der Eigentümerin aus Bremerhaven verantwortlich gewesen – bis zu ihrer Festnahme durch die Polizei, erinnert sich Horst Becker.

Jetzt sei es mal mehr, mal weniger laut. „Man weiß nie, haben wir einen ruhigen Tag oder nicht. Heute morgen zum Beispiel wurde wieder geflext“, erzählt er. Seine Nachbarinnen nicken. Ihr Wunsch: Der Werkstattbetreiber solle einfach nur das Hallentor schließen, dann sei schon viel gewonnen.

„Ganz Borbeck kommt zu uns.“

Doch davon wollen die beide jungen Geschäftsführer nichts wissen. Sie vermieteten lediglich die Hebebühnen, und zwar erst seit Anfang des Jahres. „Ganz Borbeck kommt zu uns“, sagen sie selbstbewusst, wollen aber ihre Namen nicht nennen, weil jede Berichterstattung in der Zeitung oder Internet ihr Geschäft ruiniere. Doch dann fügen sie noch hinzu, dass sie auf ihrem Grundstück Ordnung geschaffen hätten.

Von den Rasern auf der Germaniastraße, die die Anwohner dem Grundstück zuordnen, wüssten sie auch nichts. Darin sind sie sich mit dem Lebensmittel-Großhändler von nebenan einig.

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