Verkehr

Brenzlige Situationen: Radfahrer missachten Einbahnstraße

Um auf den Radweg an der Wuppertaler Straße zu gelangen, missachten Radfahrer die geltende Einbahnstraßenregelung, was zu brenzligen Situationen führt.

Um auf den Radweg an der Wuppertaler Straße zu gelangen, missachten Radfahrer die geltende Einbahnstraßenregelung, was zu brenzligen Situationen führt.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Heisingen.  Die Wuppertaler Straße ist wegen der Baustelle derzeit Einbahnstraße: Das ignorieren viele Radfahrer. Kritik gibt es an der Baustellen-Planung.

Derzeit kommt es regelmäßig zu brenzligen Situationen auf der Wuppertaler Straße in Heisingen: Grund sind die Radfahrer, die die Einbahnstraßenregelung missachten. Diese gilt seit April auf dem Abschnitt, da die Fahrbahn im Zuge des Neubaus der Kampmannbrücke erneuert wird. Vor allem am Wochenende bei gutem Wetter wird es eng, da die Strecke teilweise zum beliebten Ruhrtalradweg gehört. „Es fehlt eine adäquate Ausweichstrecke während der Bauphase“, kritisiert Jörg Brinkmann vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub). Die Radfahrer würden sich selbst überlassen, statt diese schon bei der Planung von Baustellen zu berücksichtigen – ein bekanntes Problem.

Derzeit müssen die Radfahrer, die aus Richtung Kupferdreh kommen (etwa über die ehemalige Eisenbahnbrücke), den Fußweg oberhalb der Straße an der geologischen Wand nutzen. Darauf weisen Schilder auf der Straße Stauseebogen hin, dort steht auch das Verkehrszeichen, das die Einfahrt Richtung Wuppertaler Straße untersagt. Den Fußweg, der nun die Umleitung darstellt und zunächst einen steilen Berg hoch führt, nutzt nicht jeder Radfahrer.

Radfahrer müssen vor Autos abspringen

Und so kommt es immer wieder zu Szenen, in denen Autofahrern und Radlern, die in die vorgegebene Richtung fahren, gleich mehrere Geisterradler entgegen kommen. Da die Fahrbahn wegen der Baustelle ohnehin schon recht schmal ist, müssen Autos halten, wenn ihnen Radfahrer auf ihrer Spur entgegen kommen oder diese springen plötzlich ab, so dass es auch zu kritischen Situationen kommt.

Eine Krücke, nennt Jörg Brinkmann die Umleitungslösung Richtung geologische Wand. „Da strampeln vielleicht Mountainbiker hoch“, sagt er. Die anderen machten dann eben aus der Not eine Tugend, sagt er, wohl wissend, dass diese Geisterradler mindestens sich selbst gefährdeten. Die Ruhrtalradstrecke führe dann zwar im späteren Verlauf auf einem parallelen Schotterweg zur Wuppertaler Straße, aber dorthin müssten die Radfahrer ja erst einmal gelangen. Zumal unter den Radtouristen ja auch zahlreiche Ortsunkundige seien. „Die suchen sich dann einfach ihren Weg.“

Baustellenführungen müssten Radfahrer schon bei der Planung berücksichtigen

Auf solchen stark frequentierten Routen seien Probleme nicht überraschend, wenn die Baustellenführung Radfahrer nicht mit bedenke, kritisiert Brinkmann. Wie man Baustellen unter Berücksichtigung von Radfahrern einrichtet und absichert, ergebe sich sogar aus einem Leitfaden, den eine NRW-Arbeitsgruppe erarbeitet habe. Obwohl die Stadt Essen selbst Mitglied ist, werde dieser offensichtlich ignoriert. „Man müsste solche Straßenführungen von vornherein anders planen“, fordert Jörg Brinkmann.

„Natürlich haben wir die Radfahrer bei der Planung bedacht, deswegen gibt es ja die Umleitung. Das ist der sicherste Weg für die Radfahrer“, stellt Stadtsprecherin Jasmin Trilling klar. Es sei auch städtischen Mitarbeitern aufgefallen, dass sich viele nicht an diese Ausweichstrecke hielten. Möglicherweise liege es an der Steigung, die die Strecke unattraktiv mache: „Wir werden aber deshalb nicht die derzeitige Regelung ändern und können diese auch nicht den ganzen Tag kontrollieren“, sagt die Sprecherin.

Stadt und Polizei weisen auf die geltende Verkehrsregelung hin

Daher appelliert sie an die Radfahrer, sich und andere nicht zu gefährden, sondern sich an die Verkehrsregeln zu halten. Gleicher Appell kommt von der Polizei. Die habe zwar in den vergangenen Wochen keine Unfälle mit Radfahrern auf der Wuppertaler Straße registriert, sagt Polizeisprecherin Annika Koenig: Das Verkehrszeichen „Einfahrt verboten“ gelte aber natürlich ebenso für Radfahrer.

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