Theater

Bühnenjubiläum im Kleinen Theater mit Silvesterglitzer

Seit 35 Jahren ein eingespieltes Team: Ingo Scheuer (li.) und Petra Broszeit feiern Jubiläum im Kleinen Theater. Foto:

Seit 35 Jahren ein eingespieltes Team: Ingo Scheuer (li.) und Petra Broszeit feiern Jubiläum im Kleinen Theater. Foto:

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Petra Broszeit und Ingo Scheuer gehören seit 35 Jahren zum Kleinen Theater. Zum Jahreswechsel feiern die beiden die Premiere des neuen Stücks.

Den Silvesterabend werden Petra Broszeit und Ingo Scheuer wie in jedem Jahr im Theater verbringen. Seit 1982 machen sie das eigentlich immer so. „Die Silvesterpremiere ist unser Markenzeichen. Das macht kein anderer“, sagt Scheuer. Viele Besucher buchen die besondere Vorstellung praktisch „blind“ und schon Monate im Voraus. In diesem Jahr werden sie stilecht mit einer Wahrsager-Glaskugel und der geisterhaften Komödie von Noel Coward empfangen. Und wenn die anderen mit Sekt und Raketen das neue Jahr begrüßen, dann feiern Petra Broszeit und Ingo Scheuer ein Jubiläum der besonderen Art. Seit 35 Jahren gehören die beiden zum Haus, nebenberuflich natürlich. Angefangen haben sie als Statisten. Heute arbeiten sie im Vorstand, führen Regie und organisieren die Geschicke eines der dienstältesten Privattheater im Land.

Plüsch und eine winzige Bühne

Dass sie vor 35 Jahren im Kleinen Theater am Gänsemarkt erst mal gar nichts zu sagen hatten, lag am legendären Theater-Prinzipal Helmut Gahmann und den stummen Rollen, die der exzentrische Theatermacher den jungen Leuten für ihren ersten Auftritt zugedacht hatte. Ingo Scheuer erinnert sich noch heute: „Versuch’s doch mal mit kleinen Mädchen“ hieß das Stück und den Neuzugängen blieb nur ein kurzer schweigsamer Auftritt.

Keine besondere Aufgabe und doch waren beide sofort Feuer und Flamme für dieses heimelige Traditionstheater mit seinen 42 Plätzen, dem plüschigen Interieur und der winzigen Bühne mit viel Platz für ehrenamtliches Engagement, auf der Petra Broszeit seither schon manche Herausforderung gemeistert hat. Nur diese nicht. „Machen Sie mal ein bisschen erotische Gymnastik“ ermunterte Theaterchef Gahmann die junge Elevin beim ersten Casting. Keckes Kniebeugen und laszives Rumpfbeugen wollten ihr damals allerdings so gar nicht gelingen, auch wenn die Marilyn Monroe durchaus zu ihrem Repertoire gehörten. In der Showtruppe namens „Highlights“, wo Scheuer und Broszeit die ersten Bühnenerfahrungen gesammelt hatten, bevor das Kleine Theater am Gänsemarkt die neue künstlerische Heimat wurde.

Als heute dienstälteste „Schüler“ des Theatergründers Gahmann haben sie jede Menge Bühnenerfahrung gesammelt und nach dessen Tod 2005 auch das Erbe des damals recht baufälligen Hauses übernommen, das 2015 sein 50-jähriges Jubiläum feiern konnte. Ein Trägerverein kümmert sich seither um das kleine, wieder frisch aufgemöbelte Souterrain-Theater, das nach dem Wechsel nicht nur Unterstützung von Politik und Verlagen bekam, sondern auch vom Publikum. Die Auslastungszahl stieg von einst 25 auf wieder 70 bis 80 Prozent. Zwischen 150 und 160 Vorstellungen werden pro Jahr gespielt, von den rund 70 Vereinsmitgliedern sind 50 Aktive. „Fast jede Rolle ist doppelt besetzt, damit keine Vorstellung ausfällt“, erklärt Ingo Scheuer. Komödien und Thriller, aber auch Theater-Hits wie „Der Vorname“ stehen auf dem Programm. „Charleys Tante“ und „Das Gespenst von Canterville“ wurden legendäre Erfolge. „Ganze Kerle“ sahen sage und schreibe 2458 Besucher in zwei Jahren. Bei 42 Theaterplätzen eine respektable Leistung. Aber kein Stück wurde länger gespielt als „Geschlossene Gesellschaft“ von Jean-Paul Sartre. Zwölf Jahre lang stand es auf dem Spielplan. Am 19. Januar wird es zum letzten Mal gezeigt. Platz für Neues, ans Aufhören denken Petra Broszeit und Ingo Scheuer noch lange nicht. Und oft sind sie sich nach der Premiere sicher: „Och Helmut, das hätte dir auch gefallen.“

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