Nahverkehr

Bürgerbus in Essen wartet auf grünes Licht für Landlinie

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Der Bürgerbus Haarzopf-Margarethenhöhe-Rüttenscheid will auch die ländlichen Bereiche in Essen-Schuir anfahren. Hans Zilles, Vorsitzender des Vereins, hofft auf einen Start der Landlinie im Frühjahr.

Der Bürgerbus Haarzopf-Margarethenhöhe-Rüttenscheid will auch die ländlichen Bereiche in Essen-Schuir anfahren. Hans Zilles, Vorsitzender des Vereins, hofft auf einen Start der Landlinie im Frühjahr.

Foto: Ulrich von Born / FUNKE Foto Services

Essen-Haarzopf.  Pläne für die Bürgerbusstrecke nach Essen-Schuir sind fertig, im Frühjahr könnte der Verein starten. Warum man bei der Ruhrbahn skeptisch ist.

  • Schon seit Jahren will der Bürgerbusverein Haarzopf die Streckenführung verlängern.
  • Vor allem die ländlichen Gebiete sollen angebunden werden.
  • Die Ruhrbahn sieht noch Klärungsbedarf.

Der Bürgerbusverein Haarzopf-Margarethenhöhe-Rüttenscheid (HMR) will seine Fahrstrecke verlängern und auch die ländlichen Gebiete in Essen-Haarzopf und Schuir anfahren. Erste Überlegungen dazu gab es schon vor Jahren, 2020 sollte der Bus auf der neuen Strecke starten. Dass die Landlinie immer noch nicht fährt, liegt nicht nur an Corona.

„Die Pläne liegen fertig in der Schublade, wir könnten loslegen“, sagt Hans Zilles, Vorsitzender des Bürgerbusvereins. Lediglich einige Kleinigkeiten am Fahrplan müssten noch geändert, die Haltestellenschilder aufgestellt werden. Zilles hofft, dass Stadt und Ruhrbahn bald grünes Licht geben und die Landlinie über den Schuirweg bis zur Ruhrtalstraße 190 in Höhe der Gaststätte Zwölf Apostel Am Staadt im Frühjahr 2022 starten kann.

Bürgerbus soll Gartencenter und Höfe in Essen-Haarzopf und Schuir anfahren

Nicht nur das Neubaugebiet in der Rumbachsiedlung und die große Kleingartenanlage an der Eststraße würden mit der Erweiterung der Bürgerbusstrecke besser angedient. Auch das Gartencenter Schley, etliche Hofläden, die Flüchtlingseinrichtung im Kloster Schuir, Reitställe an der Wallneyer Straße und die Sternwarte wären besser erreichbar.

„Auf der neuen Strecke könnten wir endlich unser zweites Fahrzeug voll einsetzen, was wirtschaftlicher wäre, als es nur als Ersatz für Werkstatt- oder TÜV-Pausen des Erstfahrzeugs vorzuhalten“, so der Vorsitzende. Neben den beiden Hauptfahrzeugen gibt es noch zwei kleinere, die auch für Ausflugsfahrten gebucht werden können. „Wir sind wirtschaftlich gut aufgestellt, konnten in den fünf Jahren vor Corona jeweils in vierstelliges Plus verbuchen.“

Bis Corona weitere Termine verhinderte, habe es mehrfach Beratungen mit Stadt und Ruhrbahn zu den Plänen des Vereins gegeben. Zilles ist überzeugt, dass die Verlängerung der Strecke gut angenommen wird und wünscht sich mehr Mut seitens der beiden Institutionen, um das Projekt endlich – zumindest probeweise – zu starten. Den Einwand, die Straße auf der neuen Strecke seien zu eng, lässt Zilles nicht gelten. Er sieht darin kein Problem.

Verein bekommt Unterstützung vom Verband Pro Bürgerbus

Unterstützung bekommt er dabei nicht nur von anderen Bürgerbusvereinen, sondern auch vom Verband Pro Bürgerbus NRW. Dieser hat keine Bedenken in Bezug auf das Befahren von Wirtschaftswegen und anderen kleinen Straßen. Das sei anderenorts geübte Praxis. Dass sich viele Bürgerinnen und Bürger die Verlängerung der Linie wünschen, bestätigt auch SPD-Ratsherr Philipp Rosenau. Er werde immer wieder auf das Projekt angesprochen.

Doch es gibt auch andere Stimmen: Ein Bürger aus der Eststraße hat laut Hans Zilles Unterschriften gegen die Streckenführung gesammelt: „Durch die Kleingärten gibt es dort sowieso schon relativ viel Verkehr, deshalb wollen nicht alle dort noch zusätzlichen Busverkehr.“ Die Landlinie solle ja auch nicht stündlich, sondern nur zu den Hauptfahrzeiten morgens zweimal und nachmittags viermal fahren. „Wir haben derzeit drei Dutzend ehrenamtliche Fahrer, würden bei der Verlängerung ein weiteres Dutzend benötigen“, so Zilles.

Bei der Ruhrbahn sieht man noch erheblichen Abstimmungsbedarf

Bei der Ruhrbahn, mit der die Streckenerweiterung abgestimmt werden muss, ist man skeptisch und glaubt nicht an einen Starttermin im Frühjahr. „Für den Fortgang des Projektes sind Präsenztermine, teilweise auch vor Ort, erforderlich, die Corona bedingt nicht stattfinden konnten. In diesem Rahmen sollten unter anderem auch alternative Fahrwege diskutiert werden“, beschreibt Ruhrbahn-Sprecherin Simone Klose das Problem und verweist darauf, dass zur geplanten Linienführung, besonders aus dem Bereich der Eststraße, umfangreiche Eingaben von Anliegern vorlägen, die sich massiv gegen einen Betrieb des Bürgerbusses aussprechen würden.

Weiterhin sehe man die Einrichtung von Haltestellen auf dieser Straße wegen fehlender sicherer Flächen, die nicht auf Privatgrund liegen, kritisch. Bevor die Strecke des Bürgerbusses verlängert werden könnte, sollten diese Punkte durch den Verein, gegebenenfalls mit Unterstützung durch die Stadt, einvernehmlich ausgeräumt werden, so Simone Klose.

Ansonsten ließe sich, wie von der Stadt empfohlen, lediglich ein abweichender Fahrweg über die Raadter Straße/ Lilienthalstraße umsetzen. Dieser entspreche aber nach derzeitigem Stand nicht den Vorstellungen der Vereinsführung. „Vor diesem Hintergrund gibt es aus Sicht der Ruhrbahn noch viele zu klärende Punkte. Wir gehen daher aktuell nicht von einer Umsetzung im Frühjahr 2022 aus.“

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