Eiserne Hochzeit

Burgaltendorfer Paar gab sich vor 65 Jahren das Ja-Wort

Elisabeth (84) und Friedhelm (88) Claßen gaben sich vor 65 Jahren das Ja-Wort – als Silvestertag. Nun feiern die Senioren aus Burgaltendorf ihre Eiserne Hochzeit.

Foto: Socrates Tassos

Elisabeth (84) und Friedhelm (88) Claßen gaben sich vor 65 Jahren das Ja-Wort – als Silvestertag. Nun feiern die Senioren aus Burgaltendorf ihre Eiserne Hochzeit. Foto: Socrates Tassos

Essen-Burgaltendorf.   Silvester feiern Elisabeth und Friedhelm Claßen sich selbst. Sie sind auf den Tag seit 65 Jahren verheiratet. Erste Treffen im Sportverein.

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Zusammen alt zu werden, ist für viele Menschen ein wahrlich großes Glück. Auch für Elisabeth und Friedhelm Claßen, die in der ganzen Welt herumkamen, mit ihren Herzen und beiden Beinen aber seit über 50 Jahren in Burgaltendorf fest verwurzelt sind. Silvester feiern sie eine ganz besondere Hochzeit, die Eiserne. Am Sonntag ist das Paar also seit 65 Jahren verheiratet. Frohes Neues.

In Bochum im Stadtteil Weitmar, da fängt alles an. Drei, vier Jahre nach Kriegsende sind überall die Sportvereine ganz groß. „Wir hatten ja sonst nichts“, erinnert sich die heute 84-jährige Elisabeth Claßen sehr genau an ihre allererste Begegnung. Bei der TG Ehrenfeld übt sie Volkstänze, Leichtathletik und auch Geräteturnen, als eines schönen Abends zwei junge Männer in der Tür stehen. Friedhelm Claßen, gerade 20, und ein Kumpel. „Ich spielte ja Fußball beim SV Ehrenfeld, als ich dann aber die Liesel sah, hab ich mich sofort auch im Turnverein angemeldet.“

Treffen beim Sportverein

Sie mögen sich von Anfang an, und aus Zuneigung wird schnell mehr. „Er war so ein guter Tänzer und mit seiner schönen Bariton-Stimme auch ein toller Sänger.“ Da die Wohnung ihrer Eltern im Krieg ausgebombt worden war, treffen sie sich halt beim Sportverein. „Zumal wir ja gar kein Geld für die Tanzschule hatten.“

Friedhelm Claßen, der seit 1944 als Technischer Zeichner beim Bochumer Verein beschäftigt ist, heuert sieben Jahre später bei Dr. C. Otto & Comp. an. Der Firma also, die 1872 von Carlos Otto, dem Burgaltendorfer Bergwerksdirektor Wilhelm Hiby, dessen Vater Wilhelm und einigen anderen gegründet wurde und sich im Laufe der Zeit zum weltweit führenden Unternehmen im Koksofenbau entwickelte. Während seine Elisabeth ihre Ausbildung als Herrenschneiderin zu Ende gebracht hatte, weil man ein solides Handwerk immer mal gebrauchen kann, reift mehr und mehr der Wunsch zu heiraten. Und nachdem ihr Vater seine schriftliche Zustimmung gibt in einer Zeit, in der man erst mit 21 volljährig ist, ist der Weg zum Standesamt frei. „Wir haben bewusst noch Ende 1952 geheiratet, weil das rückwirkend fürs gesamte Jahr steuerliche Vorteile mit sich brachte“, sagen sie frank und frei. Zu einer Zeit, in der man noch von der Hand in den Mund lebte, durchaus nachvollziehbar.

Der erste Sohn Friedhelm kommt zur Welt, Friedhelm Claßen selbst macht Karriere. Als Konstrukteur und Oberingenieur zieht es den heute 88-Jährigen in die große, weite Welt. Kalkutta oder Bombay, Chicago oder Cleveland, Südafrika, Argentinien, Norwegen oder Südkorea. Und, und, und. Claßens Können ist überaus gefragt, hier und da sind auch seine Gattin, die beiden Söhnen auch die Tochter mit dabei.

Beruflich schon viel in der Welt herumgekommen

Die Kinder gehen vor Ort in englischsprachige Privatschulen, ihr Zuhause aber ist längst das heutige Burgaltendorf. 1965 bekommen die Claßens einen Bauplatz im damals noch zum Ennepe-Ruhr-Kreis zählenden Altendorf/Ruhr, das erst 1970 eingemeindet und in Burgaltendorf umbenannt wird, weil es im Essener Westen bereits einen Stadtteil Altendorf gibt. „Alles sehr dörflich damals, die Formalitäten mussten wir noch auf dem Amt in Schwelm erledigen.“

Bereut haben sie das aber nie, und als Friedhelm Claßen 1988 mit Ende 50 in den Vorruhestand gehen kann, ist endlich auch Zeit da für die Dinge, die sie immer schon mal machen wollten. Feiern etwa steht seinerzeit hoch im Kurs, wovon die rustikale Kellerbar noch heute ein feucht-fröhliches Liedchen singen könnte. Doch sie sind ruhiger geworden, letztlich natürlich auch älter. Ob es Sonntag ein Gläschen gibt? Wie auch immer: Wohlsein.

>>> ZAHLENSPIEL RUND UM DIE HOCHZEIT

Den Tag, an dem man heiratet, nennt man Grüne Hochzeit, da man noch grün hinter den Ohren ist. Klassiker: Die Silberhochzeit (25 Jahre) und die Goldene (50).

60 Jahre währt die Diamantene Hochzeit, 65 die Eiserne Hochzeit. Die Gnadenhochzeit steht für 70 Jahre Ehe, die Kronjuwelenhochzeit für 75. Und wer, eher unwahrscheinlich, 100 Jahre treu bleibt, feiert Himmelshochzeit.


Für das Jahr 2017 lagen bei der Stadt Essen fünf Goldhochzeiten, vier Diamantene, zwei Eiserne und zwei Gnadenhochzeiten vor.

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