Staatsbesuch

Chinas First Lady zu Gast im Essener Burggymnasium

Chinas First Lady, Peng Liyuan, mit Schulleiterin Petra Schnell-Klöppel (re.). Dem Burggymnasium schenkte der Gast chinesische Instrumente.

Chinas First Lady, Peng Liyuan, mit Schulleiterin Petra Schnell-Klöppel (re.). Dem Burggymnasium schenkte der Gast chinesische Instrumente.

Foto: WAZ FotoPool

Essen.   Während ihr Mann, Chinas Staatspräsident, Duisburg einen Besuch abstattete, fuhr seine Frau, Peng Liyuan, nach Essen. Sie absolvierte ein Damen-Programm mit hohen Sicherheitsvorkehrungen und glücklichen Zaungästen.

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Da stehen sie hinter dem Zaun, der den Burgplatz vom Dom trennt, lachen, freuen sich und sind ziemlich aufgeregt. Unter ihnen ist Xiao Ma: „Sie ist so hübsch und seeeeehr elegant“, sagt die 23-jährige Chinesin, die an der Essener FOM Hochschule Betriebswirtschaftslehre studiert und am Samstagnachmittag mit Hunderten von chinesischen Kommilitonen zum von der Polizei weiträumig abgesperrten Burggymnasium gekommen ist. Sie alle wollen Chinas First Lady sehen, Peng Liyuan (51). Als die Frau des chinesischen Staatspräsidenten, begleitet von Sicherheitsleuten und NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann, gegen 16.30 Uhr vor der Schule vorfährt, brandet bei den Zaungästen Applaus auf. Auf Chinesisch werden Willkommens-Grüße skandiert. Peng Liyuan, in hellem Wollmantel und dunkelbraunen Pumps, winkt der mit Dreifach-Flatterbändern und Polizisten auf Distanz gehaltenen Menge zu. Dann hat Leonhard Young seinen großen Auftritt.

Sonderbotschafterin der Unesco

Der Schüler des Gymnasiums hält, ein bischen blass um die Nase, einen Frühlingsstrauß in Händen, von einer Mülheimer Floristin mit Tulpen und Kamille gebunden. Und gibt eine Kostprobe dessen, was er im Chinesisch-Unterricht seiner Schule gelernt hat. Übersetzt: „Hallo, Frau Peng. Ich bin froh, Sie begrüßen zu dürfen.“ Eigentlich will der 15-Jährige noch mehr sagen. Aber die Zeit drängt. Das Protokoll!

Der Zehntklässler und die Beschenkte strahlen trotzdem. Auch Yungang Zhang strahlt. Der Chinesisch-Lehrer der Schule hatte Leonhard den Blumen-Gruß übertragen, „weil er ein so einladendes Lächeln hat“. In der voll besetzten Schulaula warten schon weitere Lehrer und Schüler auf den Gast. Rektorin Petra Schnell-Klöppel erzählt, wie ihr Gymnasium auf die Liste des chinesischen Präsidenten-Paares bei dessen Staatsbesuch in Deutschland kam. „Wir sind eines von elf Gymnasien in NRW, die Chinesisch als drittes oder viertes Abiturfach anbieten.“ Im Januar sei der chinesische Botschafter Shi Mingde aus Berlin nach Essen gekommen, habe sich die Schule angesehen und angedeutet, dass man vielleicht höheren Besuch zu erwarten habe. „Anfang März wussten wir Bescheid.“

Politik bleibt außen vor

Die Schulleiterin ließ schnell ein Gästebuch mit Leinen-Einband im Franz-Sales-Haus anfertigen. Kurz hatte sie daran gedacht, die Arbeit selbst zu übernehmen. „Buchbinden ist mein Hobby!“ Musik-Lehrerin Dr. Anja Wehrend kann an diesem Nachmittag zeigen, wie hervorragend ihr Schulorchester nicht nur klassische Stücke beherrscht – wie Beethovens „Ode an die Freude“ – sondern dass es auch das Steigerlied erklingen lassen kann. Die Frau des chinesischen Staatsoberhauptes, der an diesem Tag Duisburgs Hafen besucht, weiß die Musik zu würdigen. Schließlich ist die 51-Jährige in ihrer Heimat eine gefeierte Sängerin, die mit Volks- und patriotischen Liedern im staatlichen Fernsehen hunderte Millionen Landsleute vor die Bildschirme lockte.

Chinesisch-Lehrer Yungang Zhang hat vor ihrem Besuch mit seinen Schülern auch über die politische Lage in China, über Menschenrechtsfragen gesprochen. „Sie haben mich gefragt, machen sich Sorgen.“ Das Thema werde weiterhin auf dem Stundenplan stehen, betont er. An diesem Samstag bleibt Politik aber außen vor.

Bevor sich Chinas First Lady nach einer Stunde von ihren Essener Gastgebern verabschiedet, wollen Schüler noch wissen, was sie sich eigentlich wünsche. „Dass alle Mädchen in China die Chance haben, zur Schule zu gehen.“ Damit ist es der First Lady ernst. Für ihr Engagement zur Förderung der Bildung von Mädchen und Frauen in China hat die Unesco sie zur Sonderbotschafterin ernannt.

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