Krankenhäuser

Abriss: Kirche muss Contilia-Klinikneubau in Essen weichen

So könnte das neue Marienhospital in Altenessen aussehen: Der Haupteingang soll an den Karlsplatz verlegt werden. Im Gebäudetrakt rechts wird die neue Kirche untergebracht.

So könnte das neue Marienhospital in Altenessen aussehen: Der Haupteingang soll an den Karlsplatz verlegt werden. Im Gebäudetrakt rechts wird die neue Kirche untergebracht.

Foto: Bild: Contilia

Essen.  Die Contilia-Gruppe in Essen will das Marienhospital durch einen 300-Millionen-Euro-Neubau ersetzen. Dafür muss die Kirche St. Johann weichen.

Monatelang haben sie gestritten, gerungen und verhandelt. Jetzt ist der Kaufvertrag zwischen der katholischen Pfarrgemeinde St. Johann Baptist und der katholischen Krankenhausgesellschaft Contilia unterschriftsreif. Diese will am Karlsplatz in Altenessen bis 2025 ein neues Krankenhaus mit 725 Betten (zurzeit 303) für den Essener Norden errichten. „Ein Neubauprojekt in einem Ballungsgebiet, das bundesweite Aufmerksamkeit findet und hochattraktive Arbeitsplätze nach Altenessen bringt“, betonte Contilia-Geschäftsführer Dirk Albrecht am Dienstag.

Contilia-Chef erinnert an die Gemeinnützigkeit des Unternehmens

Trotz energischer Proteste aus der Gemeinde bleibt es dabei: Die Pfarrkirche St. Johann Baptist, ein 150 Jahre alter Backsteinbau, soll abgerissen und durch eine moderne Kirche innerhalb des Klinik-Neubaus ersetzt werden. „Voraussetzung für den Krankenhaus-Neubau ist ein ausreichend großes Grundstück“, bekräftigte der Contilia-Chef. Dass die Kirchengemeinde ihr Grundstück am Johanniskirchplatz zur Verfügung stelle, sei eine „gute Lösung“. Die Contilia zahlt der Altenessener Kirchengemeinde dafür 1,1 Millionen Euro.

Die Initiative „Rettet St. Johann“ kämpft seit Bekanntwerden der Neubaupläne vor sechs Monaten leidenschaftlich für den Erhalt des Gotteshauses. Kritiker werfen dem Kirchenvorstand vor, die Kirche zu verhökern, und greifen Contilia an. Vorwürfe, die Klaus Pfeffer, Generalvikar des Bistums Essen, zurückweist. „Contilia ist keine Heuschrecke, sondern Teil der katholischen Kirche und der katholischen Familie.“ Der Contilia-Chef erinnerte an die Gemeinnützigkeit des Unternehmens. „Wir verdienen Geld, um Krankenversorgung betreiben zu können.“

Generalvikar: „Die Proteste haben mich aufgewühlt“

Pfeffer, nach Bischof Franz-Josef Overbeck die Nummer zwei im Bistum, zeigte zugleich Verständnis für die große „Traurigkeit“ über den geplanten Kirchenabriss und sprach von einem „schweren Dilemma“. Mit dem Kirchengebäude seien viele Emotionen verbunden, hingegen sei die Zukunft einer katholischen Krankenversorgung im Essener Norden eine „Riesenchance“. „Die Proteste haben mich aufgewühlt und nachdenklich gemacht, es wird viel Versöhnungsarbeit zu leisten sein“, fügte er hinzu.

Dirk Albrecht kündigte an, während der Planungs- und Bauphase einen neutralen und kompetenten Moderator verpflichten zu wollen. „Wir brauchen einen besonders intensiven Bürgerdialog.“ Es handele sich um einen auswärtigen Fachmann, der sich durch Buchveröffentlichungen in Sachen Stadtentwicklung einen Namen gemacht habe.

Ende nächsten Jahres soll mit den Abrissarbeiten des alten Hospitals begonnen werden. Die Fachabteilungen des Marienhospitals werden dann nach Stoppenberg verlegt. Zum Contilia-Verbund gehören im Essener Norden das Vincenz-Krankenhaus, das Philippus-Stift in Borbeck sowie Haus Berge in Bergeborbeck. Der Architektenwettbewerb für den Krankenhaus-Neubau werde aufgrund des hohen Investitionsvolumens europaweit ausgeschrieben. Fest stehe, dass der Haupteingang von der Hospitalstraße an den Karlsplatz verlegt werde.

Der höchste Gebäudeteil habe sechs Geschosse. Die Rettungswagen erreichen die Notfallambulanz über die Johanniskirchstraße, diese ist ebenfalls vorgesehen als Zufahrt zum Besucher-Parkhaus und für den gesamten Zulieferverkehr. Das Marienhospital hat zurzeit 533 Mitarbeiter, das neue Haus werde deutlich mehr Personal beschäftigen, hieß es.

Die neue Kirche im Krankenhaus hat zwischen 258 und 390 Sitzplätze

Die neue, zweistöckige Kirche mit Empore und Saal sei 390 Quadratmeter groß und habe bei lockerer Bestuhlung 258 und maximal 390 Sitzplätze. Ein Gestaltungsausschuss beteilige sich an der Feinplanung. „Das wird ein toller Kirchenstandort“, versprach der Generalvikar.

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