Taxigewerbe

Corona: Essener Taxiunternehmer fühlt sich allein gelassen

Taxiunternehmer Rolf Prosch fühlt sich in seinem Bemühen, sich und seine Kunden vor der Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen, allein gelassen. 

Taxiunternehmer Rolf Prosch fühlt sich in seinem Bemühen, sich und seine Kunden vor der Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen, allein gelassen. 

Foto: privat

Essen.  Rolf Prosch, Mitinhaber von Taxi Süd, macht eindringlich auf die Ansteckungsgefahr in Taxen aufmerksam. Doch er vermisst Hilfe durch die Stadt.

Die Ausbreitung des Coronavirus beutelt das Essener Taxigewerbe in nie gekanntem Maße. Nicht nur, dass die Fahrten massiv einbrechen. Der Essener Taxiunternehmer Rolf Prosch tut auch in diesen Tagen, was er kann, um dem Ansteckungsrisiko vorzubeugen.

Vor jeder Fahrt desinfiziert er sein Taxi, wischt Sitze und Griffe seines Fahrzeugs ab. Kunden dürfen nur noch hinten sitzen. Das diene zu deren aber auch zu seinem Schutz, betont Rolf Prosch. Nun überlegt er noch, ob er eine Schutzfolie oder eine Trennwand zwischen den Vorder- und Rücksitzen einbauen kann.

Sich noch besser zu schützen, geht aber kaum. "Nähe ist in Taxen nicht zu vermeiden. Sie ist gar unmöglich", betont Prosch, der seit 1984 Taxiunternehmer und seit 1996 Mitinhaber von Taxi Süd ist.

Taxiunternehmer bittet OB Kufen um Hilfe

Zum Schutz seinen Betrieb einfach einstellen, kann er nicht. Taxen unterliegen der Betriebspflicht. Sie gehören zum Öffentlichen Nahverkehr. Sie müssen fahren. "Wir sind auch gerne bereit, unserer Pflicht nachzukommen", betont Prosch. Doch was aus seiner Sicht dabei nicht genügend beachtet wird: "Wir sind sicherlich der gesundheitlich am stärksten gefährdete Teil des ÖPNV." Denn während die Ruhrbahn beispielsweise ihre Nachtexpresse einstelle und die Fahrer vor Kontakten mit Fahrgästen so gut wie möglich schütze, "sind wir immer draußen. Tag und Nacht".

Regelmäßig fährt Prosch noch Dialysepatienten, hält den vertraglich vereinbarten Taxibetrieb für Notärzte aufrecht, fährt ältere Menschen zum Arzt. Die Kunden sind auf die Taxen angewiesen. Viele gehören aber in Corona-Zeiten auch zu den Risikogruppen.

Deshalb vermisst Rolf Prosch die Unterstützung seiner Branche durch die Stadt Essen. Seinen Forderungskatalog hat er auch an Oberbürgermeister Thomas Kufen geschickt. Bis heute steht die Antwort des OB noch aus, was Prosch in seinem Eindruck bestärkt, dass das Taxigewerbe in diesen Zeiten im Stich gelassen werde.

Taxiunternehmer fordert Schutzkleidung und Desinfektionsmittel

Prosch verweist vor allem daraufhin, dass er als Taxiunternehmer keinen privilegierten Zugang zu Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung wie Atemschutzmasken hat. Auch beim Einbau von Schutzwänden in den Taxen würde er sich Unterstützung wünschen. Ihm fehlt zudem eine Begleitung und Beratung durch das städtische Gesundheitsamt. Proschs Appell an Kufen ist daher eindringlich: "Sie wollen doch Infektionsketten mit aller Macht unterbrechen. Also handeln Sie! Unterstützen Sie das Essener Taxigewerbe!"

Es sind nicht die einzigen Ängste, die den langjährigen Taxiunternehmer umtreiben. In den vergangenen Tagen ist das Geschäft drastisch zurückgegangen. In der vergangenen Nachtschicht hatte Prosch selbst nur zwei Fahrten und die ganze Nacht damit nur 30 Euro eingenommen. Seinem Fahrer, der für ihn 90 Stunden im Monat fährt, ging es am Dienstag tagsüber nicht viel besser.

Taxi Süd muss Taxiangebot ausdünnen

"Ich werde meinem Fahrer wohl oder übel kündigen müssen. Glauben Sie mir, das fällt mir unheimlich schwer", sagt Prosch. Die ersten Taxiunternehmen hätten derweil auch schon Kurzarbeit angemeldet.

Taxi Süd musste darauf reagieren: Nur noch die Hälfte der Taxen sind unterwegs. An geraden Tagen fahren die Taxen mit gerader Ordnungsnummer, an ungeraden Tagen die mit ungerader Nummer.

Die Stadt habe zwar angeboten, unbürokratisch die Taxikonzessionen für drei Monate ruhen zu lassen. "Doch was nützt es. Kosten laufen ja weiter", sagt Prosch. "Ich weiß von vielen Unternehmern, dass die nicht mehr schlafen können. Viele haben Angst, dass sie das nicht schaffen."

Taxi Essen vermittelt deutlich weniger Fahrten

Auch bei Essens größter Taxizentrale Taxi Essen sind die Auswirkungen deutlich zu spüren. 60 bis 70 Prozent Rückgang bei den Vermittlungen, meldet der Vorstandsvorsitzende Michael Rosmanek. Die Taxizentrale mit 26 Angestellten denkt daher selbst über Kurzarbeit nach.

Hygiene-Tipps des ADAC für Taxi-Kunden:

Offenheit: Schon bei der Taxibestellung sollten Sie Ihr Anliegen kundtun: Erläutern Sie, dass Sie ausschließlich etwa wegen hohen Blutdrucks zum Arzt müssen, aber kein Fieber haben und keinerlei Verdacht auf eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus besteht.

Handhygiene: Waschen Sie sich vor der Fahrt gründlich die Hände.

Abstand halten: Steigen Sie hinten rechts in das Taxi ein, um möglichst weit vom Fahrer entfernt zu sitzen.

Zusätzlicher Schutz: Wenn vorhanden, tragen Sie während der Fahrt eine Atemmaske. Sie können ruhig auch den Fahrer freundlich fragen, ob er eine Atemmaske hat.

Schweigen: Auf angeregte Unterhaltungen sollten Sie in diesen Zeiten verzichten, schweigen Sie möglichst - zum Schutz beider Seiten.

Bargeldlos bezahlen: Bargeld wechselt häufig den Besitzer. In Zeiten der Corona-Pandemie ist daher das Bezahlen via EC- oder Kreditkarte ratsam. Sollte dies nicht möglich sein, geben Sie eher ein etwas höheres Trinkgeld, als dass Sie Münzen annehmen.

Handhygiene: Waschen Sie sich zum nächstmöglichen Zeitpunkt nach der Fahrt gründlich die Hände.

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