Pandemie

Corona in Essen: Zahl der erkrankten Senioren nimmt stark zu

In den Altenheimen gebe es keinen Corona-Ausbruch, betont der Gesundheitsdezernent. Trotzdem steigt derzeit die Zahl der erkrankten Senioren stark.

In den Altenheimen gebe es keinen Corona-Ausbruch, betont der Gesundheitsdezernent. Trotzdem steigt derzeit die Zahl der erkrankten Senioren stark.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Essen.  Die Zahl der aktuell Infizierten in Essen ist in dieser Woche um vier Prozent gestiegen. Doch bei den Senioren liegt die Quote bei 30 Prozent.

Die Zahl der Essener Senioren die an Corona erkranken, steigt derzeit stark an. Seit dem vergangenen Sonntag ist die Quote bei den Bürgern, die älter sind als 70 Jahre, um knapp 30 Prozent gestiegen. Die allgemeine Quote, berechnet für alle Bürger, stieg dagegen nur um vier Prozent.

Das veranlasst Essens Gesundheitsdezernent Peter Renzel , mehr Aufmerksamkeit für den Schutz Älterer und Pflegebedürftiger einzufordern. In der kommenden Woche will sich Renzel mit den Verbänden der Pflegeeinrichtungen treffen, um über mögliche neue Besuchskonzepte für Altenheime nachzudenken. Konkretes ist dazu noch nicht bekannt.

„Die Viren werden in die Einrichtungen hineingetragen“

Wie ist der Anstieg der Zahlen bei den Senioren zu erklären? Renzel stellt klar: „Wir haben keinen Ausbruch in einer unserer Senioreneinrichtungen.“ Seit einigen Wochen würden in den Einrichtungen Schnelltests eingesetzt, „auch bei den kleinsten Symptomen“. Entsprechend habe man die Lage im Griff. Der Dezernent ist sich sicher: „Die Viren werden in die Einrichtungen hineingetragen.“ Ausbrüche wie zu Beginn der Pandemie habe es seitdem aber nicht mehr gegeben. Wo Corona auftaucht, werde sofort der Wohnbereich gesperrt. Ob das gegenwärtig ausreicht, will man in der nächsten Woche diskutieren. Renzel stellt klar: „Ich will kein neues, allgemeines Besuchsverbot . Das ist niemandem zuzumuten. Kein Bewohner soll zwei oder drei Monate ohne Besuch bleiben.“

In der Zeit des ersten Lockdowns ab März waren die Senioreneinrichtungen bis zum Muttertag im Mai allgemein für jeden Besuch geschlossen.

Seit wenigen Tagen bildet die Gruppe der Essener Bürger, die älter als 70 sind, die größte Altersgruppe der Infizierten: 288 Männer und Frauen in dieser Altersklasse sind zurzeit am Virus erkrankt. Am vergangenen Wochenende waren es noch 204. Tauchten die Über-70-Jährigen in der vergangenen Woche noch gar nicht in der Rangfolge der Altersgruppen mit den meisten Infektionen auf, liegen sie jetzt auf Platz 1 – gefolgt von der Gruppe der 20- bis 30-Jährigen (238 aktuelle Fälle).

Infektionszahlen unter Schülern weiterhin sehr gering

Unterdessen wird deutlich, dass die Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen weiterhin eine untergeordnete Rolle spielen – trotz heftig geführter Debatten um das Infektionsrisiko in Kitas und Klassenzimmern. Seit Ausbruch der Pandemie in Essen haben sich 1,7 Prozent der Kinder zwischen sechs und zehn Jahren mit dem Virus infiziert; bei den Elf- bis 16-Jährigen sind es 3,9 Prozent.

In absoluten Zahlen: 28 von rund 20.000 Essener Grundschulkindern waren bislang mit Corona infiziert. „Das“, sagt Renzel, „relativiert die Diskussion um die Teilung von Klassen und Schichtbetrieb an Schulen.“ Dass sich bislang so wenige Schüler angesteckt haben, hätte sicherlich damit zu tun, dass „die Schulen vorbildlich die Hygieneregeln umsetzen.“

Die Mehrheit der Corona-Fälle betrifft 21- bis 40-Jährige

Mehr als jeder zweite Corona-Fall in Essen betrifft seit Ausbruch der Pandemie einen Mann oder eine Frau zwischen 21 und 40 Jahren – doch weil die Krankheiten zumeist mild verlaufen, müsse man jetzt das Augenmerk auf die Alten richten, betont Renzel: „Wir müssen die Pflegebedürftigen besser schützen – in den Stationen und auch in der ambulanten Pflege.“

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