Tourismus

Corona: Wie ein Gästeführer in Essen seinen Job retten will

Die Zeche Zollverein gehört zu den gefragten Zielen auf den Touren von Alex Schegl. Seit Corona sind die Besucherzahlen drastisch gesunken.

Die Zeche Zollverein gehört zu den gefragten Zielen auf den Touren von Alex Schegl. Seit Corona sind die Besucherzahlen drastisch gesunken.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Essen.  Alex Schwegl ist mit Leib und Seele als Gästeführer in Essen unterwegs. Doch Corona hat die Besucherzahlen regelrecht einbrechen lassen.

Er hat seinen Traumjob gefunden, davon ist Alex Schwegl überzeugt. Seit zehn Jahren begleitet er Touristen durch Essen, um ihnen als Gästeführer die Ruhrgebietsmetropole näher zu bringen. Doch die Corona-Pandemie stellt ihn auf eine Bewährungsprobe. Die Gästezahlen sind drastisch eingebrochen und damit auch die Einnahmen des Freiberuflers.

Seit den vergangenen Tagen hat sich die Lage für den Essener Tourguide wieder verschärft

Zarte Hoffnungen hatte der 47-Jährige seit Wochen gehegt, dass es nach dem Lockdown im Frühjahr nun doch langsam wieder bergauf gehen könne. Doch die steigenden Infektionszahlen der vergangenen Tage scheinen die Lage wieder zu verschärfen. So erhielt er zum Ende der Woche die Stornierungen von zwei Reisegruppen. „In dem einen Fall war eine mehrstündige Tour mit dem roten Doppeldeckerbus vorgesehen. Doch dann hatten elf der zwanzig Gäste Kontakt zu einer positiv getesteten Person. Da haben sich dann alle entschieden, lieber zu Hause zu bleiben.“

Für die Absagen wiederum zeigt er natürlich Verständnis. In den Gesprächen käme ganz deutlich zum Ausdruck, dass sich die Leute zwar eigentlich einen netten Nachmittag gönnen möchten, am Ende aber das Pendel in die andere Richtung ausschlage und die Sorge vor einer Ansteckung überwiege.

Dabei haben Schwegl und mit ihm der Dienstleister Ruhrgebiet-Stadtrundfahrten, unter dessen Flagge er häufig unterwegs ist, das gesamte Programm schon komplett den Corona-Vorgaben angepasst. In Bussen müssen Abstandsregeln eingehalten werden. Zudem sei das Desinfizieren dort längst zur Dauerübung geworden, so Schwegl.

Stadtrundgänge durch Essen nur mit verringerter Besucherzahl

Wenn er sich mit Touristen zu Fuß die Stadt anschaut, nimmt er pro Gruppe nur noch maximal zehn Gäste mit. Das Doppelte an Besuchern, wie es vor Corona üblich war, lasse sich aus ganz praktischen Gründen nicht handhaben. „Die Leute müssen bei meinen Erläuterungen entsprechend weit auseinander stehen. Wenn ich dann in Innenräumen mit Mundschutz spreche, ist die Reichweite meiner Stimme erheblich begrenzt“. Im Übrigen habe, so erläutert Schwegl, eine Nachfrage bei der Stadt Essen ergeben, dass trotz des inzwischen strengeren Regelwerkes Führungen in dieser Form durchaus möglich bleiben, betont der Tourguide.

Stornowelle in Hotels- Gäste meiden den Corona-Hotspot EssenDie Monate, in denen alle Angebote auf Eis lagen, möchte er nicht noch einmal erleben. Sie waren nicht nur finanziell eine Belastung, sondern haben auch Nerven gekostet. Denn der Kontakt zu den Menschen, sei nun mal für ihn das A und O seines Berufes, betont der Schwegl. Zuhause sitzen zu müssen, das widersprach ganz und gar seinem Geschmack, zumal von Stund‘ an „alles auf Null heruntergefahren werden musste“.

Alex Schwegl ist Gästeführer mit Leib und Seele

Seinem jetzigen Beruf hat er sich vollkommen verschrieben, nachdem der frühere Geografie-Student schon als Cutter in einer DVD-Produktionsfirma tätig war und als Filmvorführer gearbeitet hat. Anfangs sei es natürlich ein hartes Stück Arbeit gewesen, einen Einstieg in die gesamte Materie zu finden. Tage- und nächtelang hat er Bücher, Hefte und Broschüren gelesen, die sich mit Essener Sehenswürdigkeiten befassen, um alles Wissenswerte über die Villa Hügel, die Margarethenhöhe, den Baldeneysee oder die Zeche Zollverein erzählen zu können.

Aus einer Bergmannsfamilie stammend, gibt der gebürtige Bochumer auch gern ein paar Dönekes aus Zeiten zum Besten, als das „schwarze Gold“ noch die Region prägte. Überhaupt ist Schwegl daran gelegen, möglichst locker vom Leben damals und heute zu erzählen. Dass es trotz des rasanten Wandels in der Region aber auch noch feste Größen gebe, sehe man an der Beliebtheit von Currywurst, Schrebergärten oder der Bude um die Ecke, merkt er schmunzelnd an.

Gästeführer will bei aller Krisenstimmung auf alle Fälle durchhalten

Um nun auch selbst immer am Puls der Zeit zu sein und den Besuchern über neueste Entwicklungen in Essen berichten zu können, halte er stets Ausschau nach aktuellen Informationen, sei es Verkehrspolitik, Straßenbau, politische oder kulturelle Ereignisse. Sie lasse er in seine Schilderungen gern miteinfließen. Mit reinen Vorträgen hat Schwegl aber weniger am Hut, ihm ist an Gesprächen gelegen, um das Publikum einzubinden. Auf diese Weise kämen auch eher Fragen auf, zu Essens Werdegang im Allgemeinen oder den touristischen Zielen im Besonderen.

„Die Schar der Besucher war vor Corona bunt gemischt und dabei ist es auch bei geringerer Zahl geblieben.“ Neben den typischen Städte-Touristen, die auf mehrtägigen Reise in Essen einen Zwischenstopp einlegen, gehören auch Betriebsausflüge oder größere Gesellschaften dazu.

Seine Angebote möchte er aufrechterhalten und ist ganz überzeugt, sich auf jeden Fall noch einige Zeit durchbeißen zu wollen. Einige Kollegen haben schon das Handtuch geworfen, weiß er. Doch an dem Punkt sei er noch längst nicht angekommen.

https://www.waz.de/staedte/essen/essen-mit-dem-waz-newsletter-keine-nachrichten-verpassen-id228082203.html

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