Kino und Corona

Coronakrise: Lichtburg-Chefin bangt um die Essener Kinoszene

Schaut mit Sorge in die Zukunft: Kinochefin Marianne Menze fürchtet die Folgen der Coronakrise für die Filmkunst.

Schaut mit Sorge in die Zukunft: Kinochefin Marianne Menze fürchtet die Folgen der Coronakrise für die Filmkunst.

Foto: Michael Korte / Funke Foto Services

Essen.  Miet- und Personalkosten fressen schon die Reserven der Essener Filmkunsttheater auf. Chefin Marianne Menze hofft auf Unterstützung der Kinofans.

Einer der letzten Stargäste in der Lichtburg war "Captain Kirk" , Schauspieler William Shatner. Raumschiff Enterprise-Fans aus der ganzen Republik waren noch Mitte März für den exklusiven Auftritt nach Essen gekommen; nicht ahnend, dass dies womöglich das letzte Kinoevent für lange Zeit gewesen ist.

Marianne Menze: "Über Wochen oder gar Monate halten wir das nicht durch"

Doch seit Mitte März ist die Leinwand in Deutschlands größtem und schönsten Premierenkino wie in allen anderen Lichtspielhäusern dunkel und die Aussichten so düster, dass Kinochefin Marianne Menze den aktuellen Newsletter jetzt mit einer dringenden Spendenbitte verbunden hat. Die Lage sei alarmierend: "Wenn der Zustand noch über Wochen oder gar Monate anhält, halten wir das nicht durch."

"Das Finanzpolster aus dem Winter muss eigentlich für den ganzen Sommer reichen"

Neben der Lichtburg sind auch die anderen Essener Filmkunsttheater, Astra, Filmstudio, Eulenspiegel und die Galerie Cinema von der Schließung betroffen. Menze hat somit das Problem, dass nicht nur Personalkosten weitergezahlt werden müssen, sondern auch die Mieten für alle Kinosäle. Einige private Vermieter hätten zwar schon Bereitschaft zur vorläufigen Stundung signalisiert, auch mit der Stadt als Lichtburg-Verpächter mögen solche Einigungen vielleicht zu treffen sein, doch das Problem werde damit nur verschoben, fürchtet Menze. Denn das kleine Finanzpolster, das man den Winter über durch zugkräftige Filme, Fremdvermietung und auch durch die jährlichen Programm-Prämien der Filmstiftung NRW anlegen könne, sei gerade mal ausreichend, um die traditionell besucherschwächeren Sommermonate zu überstehen.

Kinochefin sieht das Lebenswerk ihres Mannes, Hanns-Peter Hüster, in Gefahr

Wenn die Corona-Krise nun bereits die wenigen Reserven auffräße, sei man bald nicht mehr zahlungsfähig. "Kurzarbeitergeld, einmalige Zuschüsse von Bund und Land sind zwar kurzfristig hilfreich, aber diesen Einnahme-Totalausfall können wir mangels entsprechender Reserven trotzdem nur kurze Zeit durchhalten", schreibt Menze in ihrem sehr persönlich gehaltenen Newsletter. Und sieht mittlerweile sogar das Lebenswerk ihres vor wenigen Wochen verstorbenen Mannes Hanns-Peter Hüster, dem Programmkino-Pionier und Begründer der Essener Filmkunsttheater, gefährdet. Hüster und Menze haben Essen über Jahrzehnte zu einem Kino-Standort erster Güte gemacht, aber dies eben "auf rein privatwirtschaftlicher Grundlage", quasi als Familienbetrieb. Mit einem "auf Kante genähten" Etat umzugehen, hat man gelernt. Doch durch die Folgen der Corona-Pandemie sieht sich Menze nun zum öffentlichen Hilferuf gezwungen: "Wir wollen gewappnet sein, wenn der Worst Case kommt."

Lichtburg-Rettung wurde zum Paradebeispiel bürgerschaftlichen Engagements

Worst Case, das wäre der Verlust einer im Land ziemlich einmaligen Kinovielfalt, die nicht nur von den Betreibern viel Einsatz erfordert hat. Die Rettung der Lichtburg wurde zum bundesweit beachteten Paradebeispiel bürgerschaftlichen Engagements ebenso wie der Erhalt des Filmstudios Glückauf als ältestes Programmkino in NRW. Diese durch ideelle und im Falle des Filmstudios auch breite finanzielle Unterstützung der Bürger erkämpfte Kinovielfalt könnte Corona nun gefährden, wenn es auf Sicht keine Lockerungen der rigiden Versammlungsverbots-Regelungen geben sollte.

"Kultur wird nach Corona lebenswichtiger denn je für eine demokratische Gesellschaft"


Dass es ausverkaufte Premieren und gefeierte Konzertabende so schnell nicht mehr geben wird, weiß auch Marianne Menze. Die vielfach ausgezeichnete Kinochefin kann sich aber vorstellen, die Lichtburg mit ihren 1250 Plätzen auch nur für jeweils 50 oder auch weniger Zuschauer zu öffnen. Zwei bis drei Vorstellungen am Tag, "mit Kindervorstellungen am Nachmittag", gründlicher Durchlüftung zwischendurch und vom Personal geregelten Toiletten-Gang. Wichtig sei es vor allem, "präsent zu bleiben", findet Menze. Um noch spielen zu können in der Zeit nach Corona, in der Kultur "lebenswichtiger" sei denn je für eine funktionierende demokratische Gesellschaft.


Hier kann man helfen

Wer Essens Kinolandschaft unterstützen will, kann unter anderem dem Verein "Filmkunst und Kinokultur" beitreten, der sich für der Erhalt der Essener Filmkunsttheater einsetzt.


Spenden können auf das Konto DE41 3605 0105 0000 2681 36 eingezahlt werden. Spendenquittungen werden ausgestellt.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben