Bombe

Darum konnte die Entschärfung der Bombe in Essen nicht verschoben werden

Sprengmeister Frank Stommel (links) mit der entschärften Zehn-Zentner-Bombe, die am Mittwoch in Altenessen gefunden wurde. Neben ihm: Michael Hoff (Mitte) und Udo Lokotsch (rechts) vom Kampfmittelbeseitigungsdienst.

Foto: Mike Filzen

Sprengmeister Frank Stommel (links) mit der entschärften Zehn-Zentner-Bombe, die am Mittwoch in Altenessen gefunden wurde. Neben ihm: Michael Hoff (Mitte) und Udo Lokotsch (rechts) vom Kampfmittelbeseitigungsdienst. Foto: Mike Filzen

Essen.   Die Evakuierung rund um den Fundort der Bombe in Essen hat am Mittwoch bis in die Nacht gedauert. Warum sofort entschärft werden musste.

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Die Evakuierung rund um den Fundort des Blindgängers in Altenessen hat am Mittwoch bis Mitternacht gedauert. Erst dann konnte Sprengmeister Frank Stommel damit beginnen die Bombe zu entschärfen. Weil auch ein Altenheim evakuiert werden musste, zogen sich die Maßnahmen bis in die Nacht. Warum konnte die Entschärfung angesichts des enormen Aufwands bei der Evakuierung nicht auf den nächsten Tag verlegt werden?

Auf der Suche nach dem Zünder wurde die Bombe bewegt

Nach einer Verfügung der Bezirksregierung müssen seit Anfang 2014 Blindgänger unverzüglich entschärft werden. Liegen aber Krankenhäuser, Pflegeheime oder auch ein Gefängnis, deren Evakuierung naturgemäß länger dauert, in einer Gefahrenzone, kann eigentlich von diesem Grundsatz abgewichen werden.

Doch im Fall der Altenessener Bombe konnte diese Ausnahmeregelung nicht greifen. Der Grund: Der Blindgänger wurde am Mittwochabend bewegt. Die Bombe steckte senkrecht im Boden, damit der Sprengmeister feststellen konnte, ob es sich um einen Säurezünder oder einen Aufschlagzünder handelt, musste er sie bewegen. Und in der Verfügung der Bezirksregierung ist geregelt, dass eine Bombe, die bewegt wurde, schnellstmöglich entschärft werden muss.

Insgesamt waren 14.400 Menschen von der Entschärfung betroffen

Über sieben Stunden waren am Mittwoch zwischen dem Fund der Bombe in Altenessen und ihrer Entschärfung vergangen. Um kurz vor 17 Uhr gab die Stadt über soziale Medien bekannt, dass an der Lierfeldstraße ein Blindgänger gefunden worden sei. Gegen 24 Uhr begann Sprengmeister Frank Stommel damit, die Zehn-Zentner-Bombe zu entschärfen.

"Wir hatten es eben nicht mit der klassischen Fünf-Zentner-Bombe zu tun", sagte Feuerwehrsprecher Mike Filzen. Die Folge: Anwohner mussten in einem Radius von 500 Metern ihre Wohnungen und Häuser verlassen. In einem dicht besiedelten Stadtteil wie Altenessen eine Herausforderung. 1900 Personen mussten evakuiert werden, insgesamt waren 14.400 Menschen im Stadtteil von der Entschärfung betroffen – eine Mammutaufgabe.

Ein Bus und viele Krankentransporte für die Bewohner des Altenzentrums Altenessen

Ein weiterer Grund für die Verzögerung: Auch das Altenessener Seniorenzentrum lag im inneren Evakuierungsradius. Die 90 Bewohner mussten von dort ins rund neun Kilometer entfernte DRK Seniorenzentrum Freisenbruch in der Minnesängerstraße transportiert werden. Viele davon mit Kranken- und Rettungswagen. "Durch die weite Strecke bis nach Freisenbruch waren die einzelnen Wagen lange unterwegs", sagte Filzen.

Für eine Fahrt stand auch ein Bus der Ruhrbahn bereit. "Aber wir hätten locker noch einen weiteren Bus füllen können", sagte Hans Enders von der Geschäftsführung des Altenheims. Stattdessen habe man dann die restlichen Bewohner, die nicht auf einen Krankentransport angewiesen waren, in kleineren Gruppen mit Bullis nach Freisenbruch gebracht.

Einsatzleitung forderte zusätzliche Wagen aus Oberhausen an

Rund dreieinhalb Stunden brauchten die Mitarbeiter, um die Senioren etagenweise zu den wartenden Wagen zu begleiten. „Gegen 22 Uhr hat der letzte Bewohner das Haus verlassen", sagte Enders. Rund 163 Krankentransporte meldete die Stadt am Ende des Abends - um die 60 davon entfielen auf das Altenheim.

Im Einsatz waren rund 60 Kranken- und Rettungswagen aus dem ganzen Stadtgebiet. Zusätzlich hatte der Einsatzstab Unterstützung aus Oberhausen angefordert. Von dort kamen weitere vier Fahrzeuge. Dennoch war die Evakuierung erst gegen 0 Uhr abgeschlossen - inklusive Kontrollgängen durch das Evakuierungsgebiet.

Einsatz der Rettungskräfte ging noch bis in die frühen Morgenstunden weiter

Auch nach der Entschärfung der Bombe gegen 0.37 Uhr war die Nacht für einen Teil der 383 Einsatzkräfte noch nicht vorbei: die Bewohner des Seniorenzentrums wurden noch in der Nacht zurück in ihre Zimmer gebracht. Gegen vier Uhr sei der letzte Bewohner wieder in seinem Zimmer angekommen, sagte Anders. Zur gleichen Zeit endete damit auch der Arbeitstag der Altenpfleger des Heimes.

Die Chronik der Bombenentschärfung in Altenessen gibt es hier noch einmal zum Nachlesen.

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