CSD in Essen

„Den Lesben war die Parade zu schwul“

Foto: Sebastian Konopka

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Essen.Das Wetter zog mit: Bis zu 10.000 Besucher beim Ruhr CSD. Teilnehmerinnen fanden sich unterrepräsentiert.

Es war ein bunter Tross, der da am Samstag über die Rathenaustraße, über den I. Hagen zum Kennedyplatz zog: Kumpel in Mechaniker-Anzügen mit rotem Bauhelm, trillerpfeifende Adonisse mit pinken Fahnen, leicht bekleidete und sonnengebräunte „Polizisten“ in Hotpants oder stolzierende Dragqueens mit viel Perücken-Haarpracht und massig Schminke. So viel zu den auffälligen Facetten des Teilnehmerfeldes beim neunten Christopher-Street-Day auf dem Kennedyplatz, der erstmals über zwei Tage ging.

„Den Lesben war die Parade zu schwul“, erklärte Organisator Dietrich Dettmann die Befindlichkeiten am Sonntag bezüglich der Sicht- oder Nichtsichtbarkeit der schwulen oder lesbischen Vereine. Nächstes Jahr wolle man jedenfalls darauf achten, dass die Illustration des CSD-Plakates nicht nur einen haarig-muskulösen Bauarbeiter vorm Doppelbock von Zollverein zeigt. Sonst war er aber zufrieden: „Ich schätze 8000 bis 10.000 Menschen kamen über den Tag verteilt.“ Und die hatten die Aufmerksamkeit der Passanten beim Umzug. „Wir sind das erste Mal zum Gucken hier“, erzählten zwei Mittvierzigerinnen aus Steele bzw. Altenessen. Sie haben keine Berührungsängste, dafür aber harte Worte für den Ruhrbischof und seinen Umgang mit den Homosexuellen: „Dieses Image wird er so schnell nicht wieder los.“ Ebenso wenig wie der CSD seines: Eine Mischung aus schrillem Karneval samt Travestie und politischer Demonstration (Podiumsdiskussion und Toleranzpreis für Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens aus Mülheim). „Man muss das akzeptieren“, sagte ein Rentner-Pärchen aus Burgaltendorf und schaute sich auf dem Platz um.

Dass es dort nicht nur schrill zuging, dafür war die Präsenz der Parteien ein Zeichen. Oder noch besser: der erste schwul-lesbische Fanclub des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg. Wer die Geschichte eines „Normalos“ hören wollte, sprach mit „Rainbow Zebra“ und Stadionsprecher Chris Schulze über deren Motto: „Egal, ob homo, hetero oder bi, Leidenschaft schadet nie!“

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