Kriminalfall

Der Fall Pierre Pahlke: Hoffnung auf ein Wiedersehen lebt

Vera-Petra Pann klammert sich an die Hoffnung, ihren Enkel noch einmal wiederzusehen.

Foto: Socrates Tassos

Vera-Petra Pann klammert sich an die Hoffnung, ihren Enkel noch einmal wiederzusehen. Foto: Socrates Tassos

Essen.   Pierre Pahlke ist vor vier Jahren spurlos verschwunden. Eine Spur führte nach Amsterdam. Seine Großmutter gibt die Hoffnung nicht auf.

Es ist einer der dramatischsten und aufwühlendsten Kriminalfälle der letzten Jahre: Seit vier Jahren ist Pierre Pahlke spurlos verschwunden. Seine verzweifelte Großmutter gibt die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrem Enkel nicht auf.

An den 17. September 2013 kann sich Vera-Petra Pann noch genau erinnern. Es war der Dienstag, an dem ihr Schwiegersohn anrief und ihr sagte, dass ihr geliebter Enkel verschwunden sei. In der „Heimstatt Engelbert“, in der der geistig behinderte Junge lebte, taucht Pierre zum Abendessen seiner Gruppe nicht auf, sein Platz bleibt leer. Die Nachricht trifft Vera-Petra Pann wie ein Schlag „Es war einfach grausam“, sagt sie heute.

Fall Pierre Pahlke: Was ist mit dem Jungen passiert?

Die Polizei sucht in den folgenden Tagen mit Hochdruck nach Pierre. Doch auch Taucher und Wärmebildkameras finden keine Spur. Was mit dem heute 25-jährigen Jungen passiert ist, bleibt auch vier Jahre nach dem Verschwinden ein Rätsel. „Es gibt unzählige Möglichkeiten. Wir können nur ausschließen, dass sich Pierre in der Nähe der Heimstatt in Frillendorf befindet. Die Umgebung haben wir intensiv abgesucht“, sagt Polizeisprecher Peter Elke.

Der Fall Pierre Pahlke ist auch die Geschichte einer Familientragödie: Pierres Mutter stirbt bei der komplizierten Geburt des Frühchens. Eine Sauerstoffunterversorgung ist der Grund für Pierres Behinderung. Der Junge wächst bei seinem Vater in Gladbeck auf, kämpft sich ins Leben. 2011 zieht er in die „Heimstatt Engelbert“.

Alle zwei Wochen besucht er seine Großeltern in Leithe. Vera-Petra und Wolfgang Pann fahren außerdem einmal die Woche zur Heimstatt. Die Bindung ist eng, am liebsten wäre Pierre bei den Großeltern eingezogen, erzählt seine 76-Jährige Oma. „Er ist ein freundlicher, aber schüchterner Junge“, berichtet sie. Genau diese Beschreibung wird in den Wochen, Monaten und Jahren nach Pierres Verschwinden von vielen Menschen wiederholt.

Spur nach Amsterdam erkaltet

Die Polizei hat die Ermittlungen mittlerweile eingestellt. „Die Akte liegt aber noch auf dem Schreibtisch. Gibt es neue Erkenntnisse oder Hinweise, kann der Fall schnell wieder an Fahrt aufnehmen“, erklärt Peter Elke.

So wie im November 2015. Damals meldet ein Privatdetektiv, den die Familie engagiert hat: Zwei Frauen haben Pierre im Rotlichtviertel von Amsterdam gesehen. Die niederländische Polizei schaltet sich in die Ermittlungen ein, die Spur erkaltet jedoch wieder.

Die Ungewissheit der vergangenen Jahre haben Vera-Petra Pann und ihren Mann sehr viel Kraft gekostet. „Wir denken ständig an Pierre. Überall schaut man sich nach ihm um . Wir wollen doch nur wissen, was mit ihm ist. So oder so“, sagt die Großmutter, die jedoch fest daran glaubt, dass ihr Pierre am Leben ist. „Das sagt mir mein Bauchgefühl.“

Flyer mit Suchbildern bleiben hängen

In ihrem Haus im Essener Osten leben die beiden Rentner mit den gemeinsamen Erinnerungen an die Zeit mit ihrem Enkel. Viele Fotos von Pierre stehen auf der Kommode oder hängen an der Wand. Immer wieder erkundigen sich die Nachbarn nach Neuigkeiten, Vera Petra-Pann ruft regelmäßig bei den Ermittlern an, mit der Hoffnung, dass die endlich den entscheidenden Schritt zu dem jungen Mann gemacht haben. Der Hausarzt und der Buchhändler in Steele haben versprochen, die Flyer mit den Suchbildern hängen zu lassen – bis Pierre wieder auftaucht.

Polizeisprecher Elke räumt ein, dass bei Vermisstenfällen die Zeit gegen die Ermittler läuft. Nach vier Jahren setzt er vor allem auf den Faktor Menschlichkeit: „Es gibt Menschen, die etwas wissen müssen. Das quält das Gewissen. Der Druck wird immer größer.“

Für Vera-Petra Pann ist der Gedanke daran, dass in einem Menschen das Geheimnis des Verschwindens ihres Enkels schlummert, unerträglich. Die Hoffnung auf ein Wiedersehen ist bei ihr aber noch stärker als Wut, Ungeduld und Trauer: „Es ist mein Lebenstraum, dass Pierre eines Tages bei uns klingelt, mich anlächelt und ich ihn in meine Arme nehmen kann.“

Hier wurde Pierre Pahlke zum letzten Mal gesehen

Pierre Pahlke ist am 17. September 2013 zuletzt zwischen 19.15 und 20 Uhr im Penny Markt an der Ernestinenstraße in Frillendorf gesehen worden. Hinweise zu seinem Verschwinden nimmt die Polizei unter 0201/829-0 entgegen.

Die Großeltern des 25-Jährigen haben die Belohnung für hilfreiche Informationen noch einmal von 20 000 auf 30 000 Euro erhöht.

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